
| |
News und Trends aus der Energiewirtschaft
| Â August 2008 |
|  |
| EnergieSzene Blog | Von hier aus kommen Sie mit einem Klick zum EnergieSzene Blog, der Sie mit kurzen Meldungen über das aktuelle Geschehen in der Energiewirtschaft auf dem Laufenden hält.
|  |
Aus dem Inhalt |  | 
| Vorwort |  | Liebe Leser,
EnergieSzene - das ist ein neuer Newsletter, der Sie von nun an monatlich über Aktuelles, Trends und Hintergründe aus der Energiewirtschaft informiert. Kaum eine andere Branche ist von derart tief greifenden Veränderungen betroffen. Politische Rahmenbedingungen ändern sich, Energierohstoffe werden knapper, Kernenergie, fossile Brennstoffe und Renewables konkurrieren um die Energie der Zukunft. Energiesparen, Energieeffizienz und Klimaschutz sind deshalb Themen, um die sich die EnergieSzene besonders intensiv kümmern wird.
Mit einem EnergieSzene Blog und dem E-Mail-Newsletter EnergieSzene extra wollen wir Sie, liebe Leser, zudem so zeitnah wie möglich auf dem Laufenden halten.
Eine interessante Lektüre wünscht Rolf Sweekhorst |  |
| Â
|
Top Thema  | Zum Seitenanfang | Streitfall Ölpreisbindung
| Der Anstieg der Ölpreise scheint kaum zu bremsen. Für manchen Marktbeobachter scheint die 200-Dollar-Marke längst keine Utopie mehr. Mit dem Ölpreis steigen mehr oder weniger automatisch die Preise für alle anderen Energieformen, egal ob Erdgas, Kohle oder Strom. Besonders umstritten ist die Bindung des Erdgaspreises an den Ölpreis. Für die EnergieSzene verdeutlichen Henning R. Deters, E.ON Ruhrgas, und Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher ihre gegensätzlichen Positionen zu diesem Streitthema.
PRO Henning R. Deters: Vier der meistgehörten Irrtümer zur Ölpreisbindung - und eine Wahrheit
1. Ohne die Ölpreisbindung wäre das Erdgas billiger Nein. Fakt ist: Der Erdgaspreis in UK ist nicht an den Ölpreis gebunden. In den Vereinigten Staaten ebenfalls nicht. Sinken die Gaspreise dort? Nein. Die Preisausschläge nach oben sind in Ländern ohne Ölpreisbindung zurzeit massiv. Auch dort orientiert sich alles an der globalen Leitwährung für Energie, am Ölpreis. Kein Land kann sich als "Insel der Glückseligen" davon abkoppeln. Das müssen wir akzeptieren.
2. Die Ölpreisbindung ist eine Kartellabsprache zwischen Produzent und Importeur Das ist schlichtweg falsch. Das Gegenteil ist richtig: Die Ölpreisbindung verhindert eine willkürliche Preisfestlegung seitens des Produzenten und nicht zuletzt auch Preisabsprachen der Erdgasproduzenten untereinander. Ohne Ölpreisbindung hätten wir wahrscheinlich eine Gas-OPEC. In jedem Fall würde das Risiko dafür deutlich zunehmen. Dann könnten Gasmengen je nach Belieben vom Markt abgezogen und damit künstlich Engpässe geschaffen werden. Damit verglichen ist die Ölpreisbindung ein notwendiges Stabilitätsmoment, das wir dringend brauchen. Sie verpflichtet die Produzenten vertraglich dazu, die Preise transparent an die Marktentwicklung des wichtigsten Konkurrenzproduktes zu binden: an das Öl. Die gesamte kontinentaleuropäische Gaswirtschaft und ihre Kunden wissen diese Stabilität zu schätzen. Wir sollten sie nicht gefährden.
3. Wir sollten die Ölpreisbindung schnellstmöglich einseitig kündigen Selbst wenn wir das unter Missachtung aller vertraglich zugesicherten Vereinbarungen könnten - was nicht der Fall ist: Können wir das wirklich verantworten? Meine klare Antwort darauf: Nein! Weltweit steigt die Nachfrage nach Erdgas, besonders Länder wie China und Indien kaufen massiv Erdgas ein. In dieser Situation wäre es eine nicht wieder gut zu machende Fehlentscheidung, wenn wir den Erdgasproduzenten gegenüber ein neues Preismodell einfordern würden. Wer behauptet, er könne angesichts der aktuellen Entwicklungen günstigere Preise mit den Produzenten aushandeln, argumentiert wider jegliche wirtschaftlich begründbare Logik.
4. Die Gasimporteure erhöhen durch die Ölpreisbindung ihre Gewinne auf Kosten der Verbraucher Nein. Die Marktrealität ist eine andere. Der hohe Beschaffungspreis von Erdgas hat im 1. Quartal das Geschäftsergebnis von E.ON Ruhrgas deutlich belastet. Umgekehrt haben wir 2007 aufgrund der damals sinkenden Ölpreise unsere Gaspreise mehrfach gesenkt. Dank der Ölpreisbindung. 5. Wir brauchen einen neuen Dialog über die Ölpreisbindung, die Gaspreise und die Zukunft der Gasversorgung in Deutschland Absolut richtig. Wir müssen offen darüber sprechen, welche Auswirkungen steigende Energie- bzw. Gaspreise für jeden von uns haben. Gerne kontrovers, aber an der Sache orientiert und dialogbereit. Das ist heute noch zu wenig der Fall. Dabei müssen wir über Preismechanismen reden, aber auch darüber, wie wir zu bezahlbaren Preisen Klimaschutzziele erreichen. Erdgas hat die Ölpreisbindung. Und Erdgas ist "grün". Zwei gute Gründe, warum es im künftigen Energie-Mix seinen berechtigten Platz hat.
CONTRA Aribert Peters: Ölpreisbindung der Gaspreise abschaffen
In den Gasbezugsverträgen der Gasimporteure, der Gasverteilunternehmen und der Gasgroßkunden ist der Gaspreis oft an den Ölpreis gekoppelt. Diese Klauseln sind wettbewerbsfremd, weil sie den Gaspreis an eine Größe binden, die auf dem Gasmarkt keine Rolle spielt. Derzeit steigen die Ölpreise sehr rasch und die Gaspreise laufen hinterher. Die Gaskunden müssen die Zeche in Milliardenhöhe zahlen.
Die Ölpreisbindung hat deshalb den Charakter einer unerlaubten Preisabsprache und sollte von den Kartellbehörden untersagt werden. Hinzu kommt, dass für Haushaltskunden es noch nie eine Bindung der Gas- an die Ölpreise gab. Vielmehr setzen die Gasfirmen den Lieferpreis für Haushaltskunden einseitig fest. Dabei berufen sie sich oft auf die Ölpreisbindung, um steigende Gaspreise zu begründen. Bei sinkenden Ölpreisen werden jedoch die Gaspreise nur sehr zögerlich herabgesetzt. Die Ölpreisbindung der Gaspreise wird demnächst auch dem Bundesgerichtshof zur Entscheidung vorliegen, weil eine derartige Preisklausel der Rheinenergie Köln auf Klage des Bund der Energieverbraucher vom Landgericht Köln untersagt wurde, dies aber vom Oberlandesgericht Köln rückgängig gemacht wurde.
Es gibt auf dem Gasmarkt durchaus auch schon heute Gas, das ohne Ölpreisbindung bezogen werden kann - deutlich günstiger als Gas mit Ölpreisbindung. Die früheren Gaslieferverträge der Ruhrgas an die örtlichen Gasverteiler wurden wegen ihre langen Laufzeit und ihrer Ausschließlichkeit vom Bundeskartellamt untersagt. Damit hat die in diesen Verträgen vereinbarte Ölpreisbindung auch an Bedeutung verloren.
Hinzu kommt, dass sich der Gaspreis bei steigenden Ölpreisen um höchst unterschiedliche Beträge erhöht: Am geringsten bei den Gasimporten und am stärksten bei den Endkundenpreisen. Das lässt sich einfach empirisch beweisen und wird durch die unterschiedlichen verwendeten Preisformeln bestätigt.
Die Ölpreisbindung wird also zusätzlich missbraucht, um entlang der Lieferkette mit steigenden Ölpreisen die Gewinne zu erhöhen. Selbst bei sinkenden Ölpreisen brauchen die Gasanbieter nichts zu befürchten, denn das Absinken der Gaspreise ist durch Vertragsklauseln gebremst ("Ersatzarbeitspreis").
Die Gasbranche ist jedoch bereits dabei, sich von den überhöhten ölpreisgebundenen Citygate-Arbeitspreisen von E.ON Ruhrgas zu befreien. Es ist zu hoffen, dass der Wettbewerb um Gaskunden dazu führt, dass die Ölpreisbindung dort landet, wo sie hingehört: im Papierkorb.
|  |
Gas  | Zum Seitenanfang | Aus Gras wird Bio-Erdgas
| "Wir müssen auf heimische Energieversorgung setzen, um uns von Energieimporten unabhängiger zu machen. Wir müssen auf effiziente Energieversorgung setzen, um Energie zu sparen. Und wir müssen auf nachhaltige Energieversorgung setzen, um das Klima zu schonen. Genau das passiert hier in Schwandorf", sagte der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein bei der Einweihung der europaweit größten Anlage zur Herstellung von Bio-Erdgas. Bereits Anfang dieses Jahres lief in der Oberpfalz die Produktion von Biogas an, das anschließend auf Erdgasqualität aufbereitet und in das Erdgasnetz von E.ON Bayern eingespeist wird. Aus rund 85.000 Tonnen nachwachsender Rohstoffe aus der Region sollen pro Jahr etwa 16 Millionen Kubikmeter Biogas gewonnen werden. Neben Mais werden Silagen aus Gras und Zwischenfrüchten eingesetzt. Im Vergleich zu anderen Biogasanlagen konnte die benötigte Anbaufläche durch besondere Fruchtfolgen, die zugleich die Bodenfruchtbarkeit erhöhen, um ein Drittel reduziert werden. Mit mehr als 100 Landwirten aus der Umgebung wurden langfristige Lieferverträge mit einem Volumen von bis zu vier Millionen Euro pro Jahr geschlossen.
"Unter den erneuerbaren Energien nimmt Bio-Erdgas eine wichtige Rolle in unserem Portfolio vielversprechender Technologien ein", sagte Frank Mastiaux, Geschäftsführer der E.ON Climate & Renewables GmbH. "Die Eröffnung der Anlage in Schwandorf ist ein weiterer Meilenstein unseres Wachstumsprogramms, das wir mit einem Investitionsrahmen von sechs Milliarden Euro allein bis 2010 konsequent umsetzen werden. Mit dieser Anlage können wir den gesamten Erdgasbedarf von etwa 5.000 Haushalten decken."
"Beim Kunden kommt das 'grüne' Bio-Erdgas gut an", stellte Bernhard Reutersberg, Vorstandsvorsitzender der E.ON Ruhrgas AG, bei der Einweihung der Anlage fest. Er hält es für einen "Meilenstein" für den Vertrieb eines Produktes im Bereich der erneuerbaren Energien, da es bundesweit angeboten und via Erdgasnetz für die Heizung, für Erdgasfahrzeuge oder auch in der hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt werden kann. "Bio-Erdgas heißt Versorgungssicherheit, Effizienz und Klimaschutz in einem und ist deshalb Teil unserer langfristig ausgerichteten Versorgungsstrategie."
Fritz Wolf, Geschäftsführer der E.ON Bioerdgas, geht davon aus, dass bis 2030 rund zehn Prozent des derzeitigen Erdgasverbrauchs in Deutschland mit Bio-Erdgas gedeckt werden können. Das soll umweltverträglich geschehen, das heißt ohne Anbauflächen zur Nahrungs- oder Futtermittelproduktion zu beeinträchtigen. Eine solche Menge könne den Energieverbrauch von etwa fünf Millionen Haushalten decken.
Partner in diesem Projekt zur Nutzung klimaneutraler, nachwachsender Rohstoffe ist die Schmack Biogas AG, die seit ihrer Gründung 1995 mehr als 200 Biogasanlagen errichtet hat. Für Ulrich Schmack, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands, beginnt mit der Anlage in Schwandorf ein neues Zeitalter der Biogastechnologie: "Die unterschiedlichsten Stoffe der landwirtschaftlichen Produktion können hier enorm energieeffizient in Bio-Erdgas verwandelt werden." |  |
EnergieSzene Berlin  | Zum Seitenanfang | Entscheidend ist das "Wie" der Biomassenutzung
| Biomasse zur Erzeugung von Strom, Wärme und Biokraftstoffen soll eine zentrale Rolle bei der Erreichung der europäischen und deutschen Klimaschutzziele spielen. Das betonte Michael Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, vor dem Deutschen Bauernverband. Es gehe nicht um das Ob der energetischen Nutzung, sondern um das Wie. Müller umriss die neue Bioenergiestrategie seines Ministeriums: "Beim energetischen Einsatz von Biomasse sind die Auswirkungen auf die Klimabilanz, auf die Biodiversität, auf die Versorgung mit Nahrungsmitteln und auf mögliche Nutzungskonkurrenzen zu berücksichtigen. Die energetische Nutzung von Biomasse ist nicht per se klimafreundlich. So schließt die Rodung von Wäldern oder die Zerstörung von Mooren in Folge von Landnutzungsänderungen im Regelfall eine positive Klimabilanz aus."
Müller betonte, dass die Effizienz der eingesetzten Technologie die Klimabilanz stark beeinflusse. Die neue Bioenergiestrategie fokussiere deshalb auf fünf Handlungsfelder. Die europäischen Vorgaben für Nachhaltigkeitsanforderungen müssten rasch in nationales Recht umgesetzt werden. Die Biokraftstoffziele müssten angepasst und der Ausbau müsse langsamer als bisher geplant erfolgen. Um Nutzungskonkurrenzen mit Nahrungs- und Futtermitteln zu vermeiden, gelte es, Abfallbiomasse zu mobilisieren. Außerdem gehe es darum, die Nutzungseffizienz zu verbessern, um den Klimaschutzbeitrag zu maximieren und die Kosten zu senken, sowie um einen Innovationsschub bei der Bioenergienutzung. |  |
EnergieSzene Berlin  | Zum Seitenanfang | Anreizregulierung: Vom forcierten Jogging zum Nordic Walking?
| Die Bundesnetzagentur hat die Eigenkapitalzinssätze für Neuinvestitionen in Strom- und Gasnetze auf 9,29 Prozent vor Steuern festgelegt und damit gegenüber ihrem ersten Ansatz bei Strom eine Erhöhung um 1,38 Prozentpunkte vorgenommen. Altanlagen sollen ab Januar 2009 mit 7,56 Prozent vor Steuern verzinst werden. Investitionen in Netzerweiterungen und Netzumstrukturierungen - wie beispielsweise die Anbindung von Offshore-Windparks an das Übertragungsnetz - sollen künftig über einzelfallbezogene Prüfungen genehmigt werden.
"Wir haben uns diesen Schritt nicht leicht gemacht, sondern gründlich und ausführlich analysiert. Sowohl die Rechtslage, die auslegungsbedürftig ist, als auch die ökonomischen Argumente gaben am Schluss den Ausschlag zugunsten der Netzbetreiber", sagte Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur. "Wenn wir heute die Rahmenbedingungen für Netzinvestitionen in Deutschland verbessern, ist dies auch eine Unterstützung für diejenigen Netzbetreiber, die ihre Netze weiterhin behalten und bedarfsgerecht ausbauen wollen. Angeblich unzureichende Renditen wird man auch im europäischen und internationalen Vergleich nicht mehr als Begründung von Verkaufsabsichten heranziehen können."
Kurth sieht allerdings einen Wermutstropfen: "Als wir unser Konzept der Anreizregulierung entwickelt haben, wollten wir ein ehrgeiziges Fitnessprogramm für die Netzbetreiber auflegen. Inzwischen sind wir eher beim Nordic Walking als beim forcierten Jogging gelandet. Die durchschnittliche Effizienz der Stromnetzbetreiber liegt nach der letzten Auswertung zwischen 90 und 92 Prozent. Es müssen also im Durchschnitt nur neun Prozent Ineffizienzen abgebaut werden, und das in zehn Jahren. Ich würde mich freuen, wenn alle Netzbetreiber in Deutschland wirklich schon so effizient wären." Ihn beschleiche der Verdacht, dass das in der Verordnung vorgesehene Best-of-Four-Verfahren etwas zu viel von der intendierten Schonwirkung entfalte. Man werde dies sehr genau analysieren, kündigte Kurth an. "Wenn es Revisionsbedarf geben sollte, dann eher in die Richtung von mehr Ehrgeiz, mehr Effizienz und mehr Innovation."
"Enttäuschend" - so kommentierte der VIK Verband Industrieller Energie- und Kraftwirtschaft die Festsetzungen der Bundesnetzagentur. Dieser "Rationalisierungsdruck" werde im Rauschen der normalen Teuerungsrate untergehen. "Hier war ein Tiger gestartet, der als Bettvorleger landete", so VIK-Geschäftsführer Alfred Richmann.
Unterdessen hat die Bundesnetzagentur ein Festlegungsverfahren zum Einsatz von Regelenergie eingeleitet, um ein "Gegeneinander-Regeln" in den vier Regelzonen der großen Stromerzeuger zu vermeiden. Untersucht wird unter anderem, ob die Schaffung einer überlagerten Regelinstanz angeordnet werden kann. Beim bisherigen System könne es dazu kommen, dass zeitgleich in einer Regelzone negative Regelenergie zum Ausgleich einer Überspeisung eingesetzt werde, während in einer anderen Regelzone positive Regelenergie zum Ausgleich einer Unterspeisung notwendig sei. Nach dem neuen Konzept erfolge der Abruf bzw. Einsatz von Regelenergie nur im Umfang des saldierten Regelsignals.
Kurth: "Angesichts der derzeitigen Kostensteigerungen bei der Energieerzeugung und -verteilung sieht es die Bundesnetzagentur als ihre Pflicht an, alle Anstrengungen zu unternehmen, vermeidbare Kosten zu eliminieren. Erste Erkenntnisse zeigen, dass durch die Vermeidung des Gegeneinander-Regelns jährlich Kosten in durchaus dreistelliger Millionenhöhe eingespart werden können." |  |
EnergieSzene Berlin  | Zum Seitenanfang | Zu wenig Effizienz im Integrierten Klima- und Energiepaket?
| Der effiziente Umgang mit Energie gilt als das Gebot der Stunde. Auch das Integrierte Klima- und Energiepaket (IKEP) der Bundesregierung soll der Energieeffizienz den Weg ebnen. Doch längst nicht alle sind mit den entsprechenden Regelungen des Pakets zufrieden. Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) wertet den Bereich Effizienz im IKEP als "völlig unterbelichtet". Der wirtschaftlichste Teil der CO2-Reduzierung, energieeffiziente Produkte, werde nicht umgesetzt. Der problematischste Bereich sei die CO2-Gebäudesanierung. "Auf das Grundproblem, den Investitionsstau, der sich in Jahren aufgebaut hat, hat das IKEP keine Antwort gefunden", sagte der Energieexperte der Verbraucherorganisation bei einer Diskussion des Forums für Zukunftsenergien in Berlin.
Krawinkel kann nicht verstehen, warum das IKEP nicht an der im Auftrag des BDI erstellten McKinsey-Studie und den darin ermittelten CO2-Vermeidungskosten orientiert wurde. Angesichts der Altersstruktur der Eigenheimbesitzer und der Probleme von Wohnungsgesellschaften, die häufig Mieter mit geringem Einkommen hätten, müsse es darum gehen, Investitionen überhaupt anzustoßen. Zehn Milliarden Euro pro Jahr seien dafür notwendig. "Der eigentliche Schwachpunkt - jenseits der Querelen zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium - war das Bundesbau- und -verkehrsministerium", so sein Fazit. |  |
EnergieSzene Brüssel  | Zum Seitenanfang | Vattenfall Europe will sich vom Übertragungsnetz trennen
| Die "seit Monaten andauernde politische Debatte über die eigentumsrechtliche Entflechtung der Höchstspannungsnetze von den Stromerzeugern" hat die Vattenfall Europe AG zum Anlass genommen, den Verkauf ihres 9.500 Kilometer langen Übertragungsnetzes anzugehen. Man mache sich auf die Suche nach einem "seriösen und finanzstarken Investor", kündigte Vorstandschef Tuomo Hatakka an. "Er muss langfristig orientiert sein, substanzielle Investitionen in den Netzausbau sicherstellen und durch die weitere Gewährleistung eines freien Netzzuganges die europäische Integration des Strommarktes fördern. An der Erfüllung dieser Kriterien hat Vattenfall Europe auch ein großes Eigeninteresse, denn die Stabilität des Netzes und der weitere Ausbau sind Voraussetzung dafür, dass wir auch weiterhin mit unseren Kraftwerken in dieses Netz einspeisen und unsere Kunden zuverlässig versorgen können."
Das Übertragungsnetz von Vattenfall Europe erstreckt sich über eine Fläche von 109.000 Quadratkilometern auf den Gebieten der Bundesländer Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Falls es zu einem Verkauf komme, so das Unternehmen, solle der Verkaufsprozess spätestens in der ersten Jahreshälfte 2009 abgeschlossen sein.
Nachdem sich der EU-Ministerrat auf einen "Dritten Weg" verständigt hatte, um die vollkommene eigentumsrechtliche Entflechtung abzuwenden, hat das Europaparlament einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Die Parlamentarier beharren auf "Ownership Unbundling". Schon im Frühjahr dieses Jahres hatte E.ON den Verkauf seines Stromnetzes angekündigt.
EU-Energiekommissar Andris Piebalgs begrüßte die Entscheidung Vattenfalls ausdrücklich: "Ich bin überzeugt, dass der Verkauf des Übertragungsnetzes sowohl Verbrauchern als auch Elektrizitätsgesellschaften mehr Wettbewerb und Wahlfreiheit bringen wird. Die Ankündigung von Vattenfall entspricht in Text und Geist voll und ganz dem dritten Energiemarktpaket der EU-Kommission, das, wie wir hoffen, während der französischen Ratspräsidentschaft verabschiedet wird." |  |
Strom  | Zum Seitenanfang | Neues Marktmodell soll Verschwendung von Ökostrom verhindern
| "Schon heute wird bei Leistungsüberschuss aufgrund hohen Windaufkommens subventionierter Ökostrom zu Niedrigpreisen an Nachbarländer verkauft", so Bernd Michael Buchholz von der Siemens AG. "In Kürze kann in Schwachlastzeiten europaweit ein Überschuss an EEG- und KWK-Leistung vorkommen. Ökostrom muss dann aus Gründen der Netzstabilität gedrosselt werden. Es ist an der Zeit, darüber nachzudenken, wie EEG- und KWK-Anlagen einerseits gefördert, andererseits aber schrittweise in den Strommarkt und in die Systemregelung integriert werden."
Buchholz ist Mitglied einer Arbeitsgruppe der Energietechnischen Gesellschaft im VDE, die jetzt ihre Studie "Smart Distribution 2020" vorgelegt hat und damit eine Diskussion über ein neues Marktmodell anstoßen will. Dabei geht es darum, kleine, dezentrale Stromerzeuger in die für den sicheren Netzbetrieb notwendigen Systemdienstleistungen einzubinden, wie Hellmuth Frey von der EnBW Energie Baden-Württemberg AG bei der Vorstellung der Studie in Berlin erläuterte. "Ein Gebilde aus verschiedenen kleinen Anlagen muss über ein virtuelles Kraftwerk gesteuert werden."
Nach den VDE-Überlegungen sollen EEG- und KWK-Anlagen über einen degressiv angelegten Zuschlag auf den EEX-Börsenpreis gefördert werden, allerdings nicht in den Schwachlastzeiten in der Nacht. In dieser Zeit soll nach Ansicht der Studienautoren ein Zuschlag für Speichertechnologien - analog dem für Biomasse - den Einsatz von Speichern insbesondere für die Windenergie vorantreiben. Nach den Berechnungen der VDE-Experten erzielen die Produzenten von Strom aus Regenerativenergie bei dieser Form der Vergütung im Schnitt die gleichen Renditen wie bei den heutigen fixen Preisen. Auch die Verbraucher würden nicht stärker belastet. Zudem ließen sich die CO2-Emissionen deutlich senken. In ihrer Studie orientiert sich die Energietechnische Gesellschaft im VDE an einer Simulation in einer Modellregion. Danach ist eine CO2-Reduzierung von 35 Prozent möglich.
Virtuelle Kraftwerke und deren Einbindung in das Gesamtsystem müssen über Informations- und Kommunikationstechniken gesteuert werden. Heute gehe die Kommunikation nur bis zum Umspannwerk und setze zudem auf verschiedene Sprachen, so Buchholz. In die Smart Distribution solle jedoch auch der Verbraucher einbezogen werden. "Der Stromkunde wird über intelligente Zähler mittels dynamischer Tarife in den Strommarkt eingebunden und bekommt ein Interesse, Lasten in die Zeit mit niedrigem Tarif zu verlagern."
Pikanterie am Rande: "Wir brauchen eine höhere Informationsdichte. Wir brauchen Informationen von allen Beteiligten. Das geht heute nicht", so Frey mit Blick auf die Diskussion zum Unbundling mit der strikten Trennung von Vertrieb, Netz und Erzeugung. Unbundling sei für die Entwicklung von Wettbewerb wichtig gewesen, doch jetzt gebe es neue Erkenntnisse. "Wir müssen wieder ein Stück weit über die Grenzen blicken." |  |
Zahlen & Fakten  | Zum Seitenanfang | Staatslasten auf Strom und Gas deutlich gestiegen
| Die Staatslasten für Stromkunden haben sich 2007 im Vergleich zum Vorjahr um rund vier Prozent auf gut 13 Milliarden Euro erhöht, berichtet der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Für 2008 erwartet der Branchenverband einen weiteren Anstieg auf rund 14 Milliarden Euro. Die Mehrwertsteuer, die mit weiteren mehr als vier Milliarden Euro zu Buche schlägt, ist laut BDEW dabei noch nicht eingerechnet. Größte Posten bei den Staatslasten seien die Stromsteuer mit rund 6,4 Milliarden Euro sowie die Förderung von Ökostrom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, für die der Verbraucher mit rund fünf Milliarden Euro zur Kasse gebeten werde.
Die Gaskunden haben laut BDEW 2007 mit den Überweisungen an ihre Versorgungsunternehmen insgesamt knapp vier Milliarden Euro Steuern und Abgaben gezahlt, 0,6 Milliarden weniger als 2006. Dies wird vor allem auf die milde Witterung und den damit einhergehenden rückläufigen Verbrauch zurückgeführt. Seit 1998, dem Beginn der Liberalisierung des Strommarktes, sind nach Berechnungen des BDEW die staatlichen Belastungen der Stromkunden um 515 Prozent, die der Gaskunden um 69 Prozent gestiegen. |  |
Literaturtipp  | Zum Seitenanfang | Salomon Krooeneberg: Der lange Zyklus
| Die publizistische Erregungskurve in Sachen Klimawandel ist immer noch nicht abgeebbt. Eine eigene Sicht der Dinge bietet Salomon Kroonenberg, Professor für Geologie an der TU Delft. Seine These: Der menschliche Maßstab greift in jeder Hinsicht zu kurz und krankt zudem daran, dass Menschen sich immer selbst im Mittelpunkt sehen. Wer aber eine brauchbare Diagnose beispielsweise für die künftige Temperaturentwicklung erstellen will, der muss im Maß der Natur denken, und diese Maßstäbe sind ganz andere. Dadurch erscheinen einige Trends, die sich heute scheinbar nur in eine Richtung entwickeln, wie die Erwärmung des Klimas, plötzlich mit anderem Vorzeichen. Und dann befinden wir uns, so unglaublich es klingt, auf dem Weg zur nächsten Eiszeit. Kroonenbergs Buch ist ein intelligentes Plädoyer dafür, diese zeitliche Perspektive zu verändern, um zu verstehen, wie sich die Erde entwickelt. Natürliche Prozesse wie Erdbeben, Vulkanismus, Meeresspiegelschwankungen oder Klimawandel erscheinen aus dieser geologischen Sicht vollkommen anders als aus dem Blickwinkel einer kurzfristig agierenden Publizistik. Dieser Perspektivwechsel trägt zur Gelassenheit bei, die bei politischen und gesellschaftlichen Diskussionen zum Klimaschutz dringend nötig wäre.
256 Seiten Darmstadt 2008 ISBN-10: 3896783629 24,90 Euro
|  |
Kopf des Monats  | Zum Seitenanfang |
| "Den Energieverbrauch direkt durch Steuerkürzung oder Pendlerbonus zu subventionieren, wäre falsch."
Im Interview mit der Frankfurter Rundschau spricht sich Andreas Troge, der Präsident des Umweltbundesamtes, deutlich gegen staatliche Eingriffe zur Senkung der Energiepreise, etwa durch Kürzung der Ökosteuer oder die Wiedereinführung der vollen Pendlerpauschale, aus. Damit würde das Signal gesetzt, dass viel Energie verbrauchen in Ordnung sei. Das wiederum provoziere die hohen CO2-Frachten von morgen und setze unseren Wohlstand aufs Spiel. Allerdings müsse der Staat diejenigen gezielt unterstützen, die das Heizen und Fahren wirklich nicht mehr zahlen könnten. Mit Einkommensbeihilfen, die unabhängig vom Energiekonsum gezahlt würden, bleibe der Anreiz, Energie einzusparen, weiter bestehen.
Prof. Dr. Andreas Troge ist seit 1995 Präsident des Umweltbundesamtes. Der Volkswirtschaftler, der auch als Honorarprofessor für Umweltökonomie an der Universität Bayreuth lehrt, war zuvor Umweltreferent beim BDI und Geschäftsführer des Instituts für gewerbliche Wasserwirtschaft und Luftreinhaltung.
|  |
Medien(an)sichten  | Zum Seitenanfang | Die zornige Gesellschaft
| Themen, die betroffen machen, haben einen hohen Nachrichtenwert. Die Energiepreise, aktuell vor allem die Gaspreise, stehen in dieser Hinsicht weit vorne auf der Hitliste. Verbraucher-Reaktionen wie Wut und Zorn sind auf den ersten Blick nachvollziehbar. Dabei sind die Energiepreise nur ein öffentlicher Auslöser und die Wurzeln liegen tiefer.
Energie gehört hierzulande, so sagt es uns zumindest unser Gefühl, zur Grundversorgung. Es scheint selbstverständlich zu sein, dass sie immer in ausreichendem Maße und preiswert zur Verfügung steht. Tatsache - und irgendwie auch jedem klar - ist jedoch, dass die Energieressourcen endlich und Öl und Gas zu knappen Gütern geworden sind. Die meisten Bürger kennen das Prinzip von Angebot und Nachfrage und können deshalb auch die teuren Folgen von knapper werdenden Ressourcen zumindest grob einschätzen. Solche wirtschaftlichen Prozesse sachlich zu analysieren und verständlich darzustellen, ist eine wichtige Aufgabe der Medien. Doch mit Emotionen lässt sich offensichtlich mehr Auflage machen. Vor allem, wenn man die Sündenböcke gleich mitliefert.
Dabei haben gerade die Medien das Potenzial, gesellschaftliche Veränderungen aufzudecken und zu begleiten. Sie bieten das ideale Forum, einen neuen Dialog über unsere gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Grundlagen anzustoßen. Wie wertvoll ist Energie heute und in der Zukunft? Müssen die Menschen nicht generell ihr Konsumverhalten verändern? Wie kann man dieses Konsumverhalten steuern - wenn nicht über den Wert? Erst wenn solche Diskussionen angestoßen werden, ist es möglich, neue Vereinbarungen zu vermeintlich "alten" Inhalten zu finden - und somit die Bereitschaft zum Wandel zu schaffen.
Dr. Andreas Kraft, Forschungsgruppe Norm und Symbol, Universität Konstanz |  |
|
|  |
|