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News und Trends aus der Energiewirtschaft
| Â Juli 2009 |
|  | Topthema  | Zum Seitenanfang | Wahlkampfthema Energiepolitik?
| Die Bundestagswahl ist nicht mehr weit und das wichtige Thema Energiepolitik spielte bisher kaum eine Rolle. Seit Anfang Juli ist zumindest die Kernkraft wieder in aller Munde. Im Meiler Krümmel hat erneut ein Transformator seine Arbeit eingestellt - plötzlich und mit Knalleffekt. Der Spannungswandler hat zwar wenig zu tun mit der eigentlichen Stromerzeugung im Reaktor, aber die politische Debatte über das Für und Wider der Kernenergie wird nun wieder deutlich lebhafter und kontroverser geführt als bisher. Dies auch, weil die Polizei den meldepflichtigen Vorfall der zuständigen Behörde früher angezeigt hat als der Betreiber Vattenfall. Noch erstaunter war die Öffentlichkeit, als sich herausstellte, dass Vattenfall "vergessen" hatte, ein Überwachungsgerät am später havarierten Transformator zu installieren.
Die Branche der Energieversorger, soweit sie denn auf eine Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke nach der Bundestagswahl im September hofft, ist offensichtlich irritiert. Ebenso die Teile der Politik, die in eine ähnliche Richtung denken. Beispielsweise Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen von der CDU: "Ich bin stinksauer. Vattenfall hat allen, die mit einem vernünftigen Energiemix leben wollen, einen Bärendienst erwiesen." Bei einem weiteren Störfall will sich Carstensen persönlich dafür einsetzen, dass Krümmel endgültig abgeschaltet wird.
Mit der lebhafter werdenden Debatte um Ausstieg oder Laufzeitenverlängerung rückt logischerweise auch das Thema Energiemix der Zukunft wieder in den Vordergrund. Dabei geht es dann auch um den weiteren Einsatz der Stein- und Braunkohle in der Stromerzeugung, die zusammen mit der Kernkraft hinter 70 Prozent der deutschen Stromerzeugung stehen. Eher untergegangen ist in der öffentlichen Debatte dagegen die Tatsache, dass mit dem Energieeffizienzgesetz und dem CCS-Gesetz (ohne das neue Kohlekraftwerke kaum möglich erscheinen) zwei wichtige rechtliche Regelungen kurz vor der Wahl auf Eis gelegt worden sind, weil sich die Politik nicht auf ein einheitliches Vorgehen einigen konnte.
Das Energieeffizienzgesetz dient der Anpassung des Bundesrechts an die zwingenden Vorgaben der "Richtlinie 2006/32/EG des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates vom 5. April 2005 über Energieeffizienz und Energiedienstleistungen" und ist längst überfällig. Mit der Richtlinie sind die Festlegung eines generellen Einsparwertes, Vorgaben für die Entwicklung und Förderung eines Marktes für Energiedienstleistungen und die Einrichtung einer für die Gesamtkontrolle des Energiesparrichtwertes zuständigen Behörde verbunden. Die Umsetzung der Richtlinie soll hierzulande durch das Energieeffizienzgesetz und durch Änderungen vorhandener Gesetze wie der Energieinsparverordnung und des Energiewirtschaftsgesetzes erfolgen. Das Bundeswirtschaftsministerium hat einen Entwurf für ein Energieeffizienzgesetz vorgelegt, der im Wesentlichen die Eins-zu-eins-Umsetzung der europäischen Vorgabe vorsieht. Weitergehende Forderungen des Bundesumweltministeriums treffen sowohl auf verfassungsrechtliche Bedenken des Bundesjustizministeriums als auch auf Widerstände aus dem Wirtschaftsministerium und aus der Branche der Energieversorger, unter anderem vertreten durch den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Die teils gegensätzlichen Positionen haben eine Verabschiedung des Energieeffizienzgesetzes noch vor der Bundestagswahl verhindert.
Ähnlich ist die Situation beim CCS-Gesetz. Die Abkürzung CCS (Carbon Capture and Storage) steht für die Abscheidung und Speicherung von CO2 aus dem Kraftwerksprozess. Mit dieser Technologie soll die Stromerzeugung in Kohlekraftwerken langfristig weitgehend frei von CO2-Emissionen stattfinden können. Dazu soll das klimaschädliche Treibhausgas abgeschieden und anschließend in tiefen geologischen Gesteinsformationen gespeichert werden. Nachdem die Koalition sich schon auf einen Kompromiss für den Gesetzentwurf geeinigt hatte, entschloss sich die CDU/CSU-Bundestagsfraktion Mitte Juni doch noch zu einer Verschiebung der abschließenden Abstimmung im Bundestag auf einen Zeitpunkt nach der Wahl - mit erwartbaren Reaktionen. Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW, ist beispielsweise davon überzeugt, dass dem Klimaschutz mit dieser Verschiebung ein Bärendienst erwiesen worden ist. "Wir müssen aufpassen, dass wir uns in Deutschland von dieser Technologie nicht schon verabschieden, bevor wir sie überhaupt in der Praxis haben anwenden können." Der Fachverband Dampfkessel-, Behälter- und Rohrleitungsbau beklagt, dass "eine Zukunftstechnologie ohne Not kurzfristigen wahltaktischen Überlegungen geopfert" wurde. Das sei ein "unglaublicher Vorgang im Hinblick auf die derzeitige wirtschaftliche Lage und die weitere Entwicklung des Technologiestandortes Deutschland". BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf glaubt, dass CCS einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit der Energieversorgung leisten kann. "Gleichzeitig ist CCS ein Weg für den globalen Klimaschutz, den auch Treibhausgas-Emittenten in Schwellenländern wie China und Indien einschlagen können."
Die Laufzeiten von deutschen Kernkraftwerken sind durch Krümmel wieder mehr in den Fokus der öffentlichen und politischen Debatten gerückt. Ob allerdings Themen wie Energieeffizienz oder die CCS-Technologie, die für die Versorgungssicherheit und den Energiemix der Zukunft hohe Bedeutung haben, im Bundestagswahlkampf eine Rolle spielen werden, bleibt abzuwarten.
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Energiewirtschaft  | Zum Seitenanfang | BDEW legt Eckpunktepapier für energiepolitisches Konzept vor
| "Die Energiewirtschaft strebt eine CO2-neutrale Stromerzeugung bis zum Jahr 2050 an. Voraussetzung dafür ist aber, dass es stabile politische Rahmenbedingungen gibt, die Investitionen fördern und nicht blockieren", sagte Rolf Martin Schmitz, Präsident des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Anlässlich des BDEW-Kongresses in Berlin stellte er das Eckpunktepapier "Zukunftsenergie 2020" des Verbandes vor. Die Branche bekenne sich klar zum Klimaschutz, so Schmitz. "Erneuerbare Energien gehören in das Kerngeschäft jedes Energieunternehmens in Deutschland. Neben dem konsequenten Ausbau und der Marktintegration erneuerbarer Energien werden aber auch noch über das Jahr 2020 hinaus Energieträger wie Erdgas, Kohle und Uran - wenn auch mit unterschiedlicher Bedeutung - wichtige Eckpfeiler unserer Energieversorgung bleiben."
Für die Zukunft böten die Geschäftsfelder Energieeffizienz, Energiedienstleistungen und erneuerbaren Energien neue Chancen für die Energieunternehmen, betonte Hildegard Müller, die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW. Die Energiewirtschaft werde dazu neue, zukunftsfähige Geschäftsfelder ausbauen, von denen die Kunden profitierten.
Mit zusätzlichen Angeboten für die Energieberatung und für die Errichtung oder Modernisierung von zentralen Heizungsanlagen könnten die Unternehmen zum Beispiel neue Marktfelder im Wärmemarkt erschließen. "Das Energieunternehmen der Zukunft ist für seine Kunden Dienstleister und Technologiecoach", betonte die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Großes Potenzial biete in diesem Zusammenhang die Sanierung des Gebäudebestandes. Nach dem jetzigen System würden die Investitionen in diesem Bereich jedoch auf niedrigem Niveau bis 2020 verharren. "Hier sollte ein neues System wie zum Beispiel Zertifikatgutschriften Anreize setzen, um zusätzliche Potenziale zu heben", erläuterte Müller. In der aktuellen wirtschaftlichen Lage könne dies ein zusätzliches Konjunkturprogramm werden.
Nach Ansicht von Rolf Martin Schmitz bleibt Erdgas auch in Zukunft ein zuverlässiger Energieträger. "Erdgas leistet einen wesentlichen Beitrag für eine umweltfreundliche und wirtschaftliche Energieversorgung", betonte der BDEW-Präsident während der Auftaktveranstaltung des Kongresses. Der spezifische Energieverbrauch von Wohngebäuden und damit der Absatz von Brennstoffen für Heizzwecke werden nach Einschätzung von Schmitz künftig erheblich zurückgehen. Fossile Energieträger würden dann neben erneuerbaren Energien die Rolle eine 'Zuheizers' einnehmen. Das Erdgas sei dabei auch über das Jahr 2020 hinaus das entscheidende Bindeglied.
Hildegard Müller kündigte an, die Energiewirtschaft werde auch technologische Innovationen weiter vorantreiben. Dazu zähle der Bau eines intelligenten Stromnetzverbundes ebenso wie die Weiterentwicklung umweltschonender Fernwärme-Technik oder neue Nutzungsmöglichkeiten für Erdgas. "Die deutsche Energiebranche wird bis zum Jahr 2020 mindestens an einer deutschen Smart-City bauen. Zudem sehen wir Potenzial für mindestens eine Million Elektrofahrzeuge auf unseren Straßen", unterstrich die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.
Das Eckpunktepapier "Zukunftsenergie 2020 - Eckpunkte für ein energiepolitisches Konzept" steht unter www.bdew.de zum Download zur Verfügung. |  |
IEU News  | Zum Seitenanfang | Europa-Vergleich: Nachholbedarf bei Heizungsmodernisierung
| "Deutschland hinkt im Vergleich zu den meisten seiner Nachbarn bei der Heizungsmodernisierung hinterher. Der Grund dafür sind falsche Weichenstellungen in der Energie- und Wärmepolitik." Bernhard Funk, Sprecher der Initiative Erdgas pro Umwelt (IEU), bringt die Sache auf den Punkt. In vielen Ländern liegen die Zahlen zum Einbau neuer Heizungen erheblich höher als hierzulande. So wurden beispielsweise in Großbritannien in 2008 mit gut 1,7 Millionen rund eine Million mehr neue Heizungen installiert als im bevölkerungsreicheren Deutschland. Nicht ganz so groß, aber mit gut einer Million bzw. 800.000 neuen Anlagen immer noch signifikant ist der Vorsprung der Italiener und Franzosen. Auch dem Austausch alter Heizungen gegen effizientere Nachfolger stehen die Eigenheim- und Wohnungsbesitzer in diesen Staaten sehr viel aufgeschlossener gegenüber als ihre deutschen Nachbarn (s. Grafik). Trotz struktureller Unterschiede in den einzelnen Ländern lassen die vorliegenden Zahlen letztlich nur eine Schlussfolgerung zu: In Deutschland ist das Engagement zur Auflösung des Modernisierungsstaus im Heizungsbereich weit geringer ausgeprägt als in vielen Nachbarländern.
Wie weit die Entwicklungen auseinander liegen, zeigt exemplarisch der Blick über den Kanal. In Großbritannien setzen Haus- und Wohnungsbesitzer bei der Heizungsmodernisierung sehr viel konsequenter als die Eigentümer hierzulande auf eine Technologie, die unter Effizienzgesichtspunkten derzeit die besten Ergebnisse liefert und am schnellsten zu installieren ist: die Brennwerttechnik. Während in Deutschland im vergangenen Jahr der Anteil der Brennwertkessel an den neu eingebauten Heizungsanlagen bei rund 59 Prozent lag, entschieden sich auf der Insel im gleichen Zeitraum mehr als 96 Prozent der Auftraggeber für neue Heizungen, die den eingesetzten Energierohstoff mithilfe der Brennwerttechnik besonders effizient nutzen. Allein in 2008 wurden dort über eine Million mehr Brennwertgeräte installiert als in Deutschland. Derzeit sind mehr als drei Millionen Heizungen in deutschen Privathaushalten älter als 18 Jahre. Gerade in puncto Energie- und Klimaeffizienz erreichen diese alten Anlagen bei weitem nicht den heute möglichen und auch notwendigen technischen Standard. Entsprechend groß ist hier das Einsparpotenzial. Grund genug für die Eigentümer, sollte man meinen, in neue Heizungsanlagen zu investieren. Die vorliegenden Zahlen sprechen eine andere Sprache: So sind 2008 in Deutschland lediglich 616.000 neue Heizungssysteme installiert worden, wobei nur rund 338.000 Anlagen veraltete Systeme ersetzt haben. Die positiven Auswirkungen auf Energieverbrauch und Klimaschutz sind sicher nicht zu unterschätzen, doch angesichts des Millionenbestands an ineffizienten Anlagen dürften derart geringe Raten eher als "Tropfen auf den heißen Stein" zu sehen sein.
Auch die Vereinigung der deutschen Zentralheizungswirtschaft (VdZ) ist davon überzeugt, dass in den energetischen Zustand seines Hauses investieren muss, wer die Heizkosten merklich senken will. Dabei, so VdZ-Geschäftsführer Horst Eisenbeis, mache sich eine neue Heizungsanlage deutlich schneller bezahlt als der Einbau neuer Fenster oder die verbesserte Wärmedämmung.
Die IEU sieht die Entwicklung in Deutschland mit Sorge und fordert deshalb von der Politik, stärkere Anreize für Investitionen in innovative erdgasbetriebene Technologien wie die Brennwerttechnik zu schaffen. Dafür führt die Initiative eine Reihe guter Gründe an: - Unter Effizienzgesichtspunkten sind solche Technologien gerade für die Heizungsmodernisierung von Bestandsimmobilien derzeit am besten geeignet. - Erdgas ist der klimaschonendste fossile Brennstoff. Bei seiner Verbrennung werden, bei gleichem Energiegehalt, deutlich weniger CO2 und Feinstaub freigesetzt als bei den alternativ eingesetzten Energieträgern Öl oder Kohle. Als Bioerdgas ist Erdgas darüber hinaus sogar selbst eine erneuerbare Energie. - Erdgas ist sparsam. Mit diesem Energieträger lässt sich eine Heizungsanlage besonders effizient betreiben. Insbesondere Erdgas-Brennwertheizungen erreichen ausgesprochen hohe Nutzungsgrade. Kaum etwas von der eingesetzten Energie geht hier verloren. Um eine noch effizientere Nutzung des Erdgases zu ermöglichen, arbeiten Energiewirtschaft und Gerätehersteller mit Hochdruck an der Entwicklung weiterer Zukunftstechnologien. An erster Stelle zu nennen sind hier die Gaswärmepumpe und die Strom erzeugende Heizung. - Erdgas trägt zur Energieversorgungssicherheit bei. Mit einer immer stärker diversifizierten Beschaffungsstrategie sichert die Gaswirtschaft die langfristige Versorgung Deutschlands und Europas mit Erdgas.
Vor diesem Hintergrund fordert die IEU stärkere Anreize zur Modernisierung von Heizungsanlagen, bevorzugt in der Kombination Erdgas plus Solarenergienutzung. Dazu, so IEU-Sprecher Bernhard Funk, brauche Deutschland die richtigen ordnungspolitischen Rahmenbedingungen. "Die Politik ist gefordert."Â
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EnergieSzene Berlin  | Zum Seitenanfang | CCS: Neues Spiel - neues Glück?
| "Wir brauchen das Zusammenspiel von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zur Technologieentwicklung", sagte Tuomo Hatakka, Vorstandschef der Vattenfall Europe AG, die sich selbst "an der Spitze der Entwicklung" bei CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) sieht. "Wirtschaft und Wissenschaft spielen zusammen, aber wir brauchen Planungssicherheit. Eine neue Technologie verlangt auch einen neuen Rechtsrahmen." Da war die Politik gerade aus dem Spiel ausgestiegen, zumindest für diese Legislaturperiode. Das CCS-Gesetz war von der CDU/CSU-Fraktion gekippt worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte auf dem BDEW-Kongress geraten: "Lieber die Finger davon lassen und verschieben, bevor wir ein falsches CCS-Gesetz machen."
Wen genau sie damit abwatschen wollte, bleibt unklar. Schließlich war der Gesetzentwurf der Großen Koalition in bislang seltener Einigkeit zwischen Bundeswirtschafts- und Bundesumweltministerium entstanden. "Es hat viel Spaß gemacht mit Dir", hatte Ministerialdirigent Detlef Dauke vom BMWi noch im Mai vor dem Forum für Zukunftsenergien in Richtung seines Kollegen Urban Rid vom BMU erklärt. Man sei sich einig gewesen, dass eine zügige Umsetzung erfolgen solle, "damit wir an der Spitze des Zuges stehen". Auf Drängen des BMU, das sich naturgemäß wegen der kritischen Diskussion der Umweltverbände mit dem Thema schwerer tut, seien die dynamischen Betreiberpflichten aufgenommen worden. In einigen Punkten gehe man über den bereits von der EU-Richtlinie vorgegebenen hohen Sicherheitsstandard hinaus. "Wir glauben, dass dies für die Akzeptanz wichtig ist."
Was also nun wann folgt, hängt wohl von den Wahlen ab. Hatakka, der "keine sachlichen Gründe" für das Verschieben finden konnte, hält die Zeitverzögerung für enttäuschend. "Das ist Zeitverlust auch für den Klimaschutz." 2015 solle nach den bisherigen Planungen die Demonstrationsanlage Jänschwalde als "echtes großes Kraftwerk" mit einer Investitionssumme von über einer Milliarde Euro in Betrieb gehen. "Wir werden den Startschuss für dieses Investitionsprojekt ohne rechtlichen Rahmen nicht geben." Er wolle kein Ultimatum setzen, aber Mitte bis Ende 2010 stehe die Investitionsentscheidung an. "Wenn der rechtliche Rahmen irgendwo anders stimmt, dann bauen wir die Demo-Anlage dort."
| Der Weg nach Kopenhagen
| Zuversichtlich äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem G8-Gipfel hinsichtlich des Klimaschutzes. Erstmals in der Geschichte würden sich die 16 bedeutendsten Volkswirtschaften der Welt zu einem gemeinsamen Klimaschutzziel bekennen, die Erderwärmung bis zum Jahr 2050 auf zwei Grad Celsius zu beschränken. "Damit haben wir einen Rahmen für Kopenhagen gesetzt." Bis zur UN-Klimaschutzkonferenz im Dezember müssten sich die Industrieländer allerdings noch auf mittelfristige CO2-Minderungsziele einigen. Erst dann wollten sich die Schwellenländer auf ein langfristiges Ziel festlegen. "Ich glaube, dass wir das schaffen können." |  |  |  |  |
EnergieSzene Brüssel  | Zum Seitenanfang | E.ON Ruhrgas klagt gegen Kommissionsentscheidung
| Die Europäische Kommission hat gegen E.ON Ruhrgas und das französische Unternehmen GDF Suez Geldbußen von jeweils 553 Millionen Euro verhängt. Zur Begründung hieß es, die Unternehmen hätten anlässlich des Baus der MEGAL-Pipeline durch Aufteilung von Märkten gegen das Verbot von Kartellen und wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen verstoßen.
Die E.ON Ruhrgas AG wird gegen die Entscheidung der EU-Kommission im Kartellverfahren gegen E.ON Ruhrgas und GdF Suez Klage beim Europäischen Gericht erster Instanz einreichen. "Die Kommission konstruiert Marktabsprachen, die zwischen den Unternehmen nie stattgefunden haben, auch nicht im Zeitraum zwischen 2003 und 2005. Zudem ignoriert sie wirtschaftliche Zusammenhänge. Der Wettbewerb auf dem europäischen Gasmarkt ist längst Realität", so Vorstandschef Bernhard Reutersberg. Die Entscheidung und insbesondere das hohe Bußgeld seien nicht nachvollziehbar. Auch GDF Suez kündigt rechtliche Schritte an. Im Kern geht es E.ON Ruhrgas zufolge bei der Untersuchung um Vereinbarungen zum Transport von Erdgas, die 1975 in der Aufbauzeit der europäischen Gaswirtschaft im Zusammenhang mit der Errichtung der MEGAL-Pipeline geschlossen wurden. Sie seien zur Absicherung des Leitungsinvestments erforderlich gewesen, hätten für die Marktentwicklung keine Relevanz, seien nie praktiziert und 2004 von den Unternehmen formell aufgehoben worden. Mit den Vereinbarungen habe man zu keiner Zeit gegen geltendes EU-Recht verstoßen. Spätere Treffen auf Führungsebene hätten die Umstrukturierung der MEGAL, Gaslieferbeziehungen zwischen den Unternehmen sowie die gemeinsame Gesellschafterstellung in anderen Gasversorgungsunternehmen zum Inhalt gehabt. Im Jahr 2008 habe E.ON Ruhrgas 8,7 Milliarden Kilowattstunden Erdgas in Frankreich abgesetzt. Kein anderes großes europäisches Unternehmen habe es geschafft, einen höheren Marktanteil auf dem französischen Gasmarkt zu erreichen. Von einer Marktaufteilung, wie von der Kommission behauptet, könne keine Rede sein (s. dazu auch das Interview weiter oben).
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ASUE News  | Zum Seitenanfang | Vom Produkt zum System
| "Waren Erdgas basierte Technologien bis dato Standard, gewannen Konkurrenztechnologien in der jüngsten Vergangenheit zunehmend an Bedeutung. Dieser Konkurrenzdruck hat zu Innovationen auf der Gasseite geführt. Uns ist klar, dass wir uns noch stärker als bisher um die Entwicklung neuer Gastechnologien kümmern müssen. Mit der Marktreife von "Gas-Plus"-Technologien sind wir gut gerüstet."
Andreas Prohl, Präsident der Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch (ASUE)
Wie wird sich der Wärmemarkt zukünftig entwickeln? Wie ist der Stellenwert von Erdgas im Vergleich zu Konkurrenztechnologien? Im Auftrag von ASUE und DVGW ist die Prognos AG diesen Fragen nachgegangen. Hier Auszüge aus der Studie "Innovative Technologien zur energetischen Nutzung von Gas".
"Das Integrierte Energie- und Klimaschutzprogramm (IEKP) der Bundesregierung sorgt für veränderte Rahmenbedingungen im Wärmemarkt. Die Pflicht zum Einsatz erneuerbarer Energien im Neubausektor und höhere Anforderungen an die Wärmedämmung der Gebäude und die Verpflichtung zur Nutzung regenerativer Energien haben unmittelbaren Einfluss auf die Heiztechnologien. Die Bedeutung der einzelnen Energieträger im Wärmemarkt verschiebt sich. Der bisherige Wettbewerb der Energieträger, in dem Erdgas bisher unter anderem aufgrund günstiger klimaschonender Eigenschaften eine herausragende Position innehatte, wird nun zum Wettbewerb der Technologien. Es findet eine Entwicklung vom Produkt zum System statt.
Erdgas wird auch weiterhin einen maßgeblichen Beitrag zur klimaschonenden Deckung des Heizwärmebedarfs liefern. Erdgas kann im Einsatz in innovativen Technologien sowie im Zusammenspiel mit Bioerdgas einen wesentlichen Beitrag zur CO2-Reduktion leisten.
Schon heute oder in Kürze sind Erdgas-Technologien verfügbar, die Effizienz und Klimaschutz mit Funktionalität, Zuverlässigkeit und Kostenvorteilen kombinieren. Erdgas-Technologien bleiben attraktiv und zukunftssicher.
Brennwerttechnik mit Solarthermie erfüllt alle gesetzlichen und umweltrelevanten Anforderungen und ist zudem die wirtschaftlichste Technologie. Gaswärmepumpen nutzen die gesamte Primärenergie des Brennstoffs und zusätzlich noch die Umweltwärme. Gastechnik wird damit zur 'Gas-Plus-Technologie'. Darüber hinaus bieten Gaswärmepumpen das Potenzial, auch für die Erzeugung von Klimakälte eingesetzt zu werden und somit zu weiteren Umweltentlastungen beizutragen.
Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) unter Verwendung von Erdgas erfüllt in besonderem Maße die zukünftigen Anforderungen durch eine kombinierte hocheffiziente Strom- und Wärmeproduktion. Erdgas lässt sich in einer Vielzahl von KWK-Technologien (Otto- bzw. Stirlingmotor) und über eine große Leistungsbandbreite einsetzen (Mikro-KWK, Mini-KWK, Blockheizkraftwerke). Brennstoffzellen bieten auf Grund ihres hohen Stromwirkungsgrades das höchste Potenzial.
Gas hat aufgrund einer Vielzahl innovativer, energieeffizienter und umweltschonender Anwendungstechnologien beste Voraussetzungen, den Wärmemarkt schnell, wirtschaftlich und effizient zu einem nachhaltigen Wärmemarkt umzubauen. Dabei übernimmt Erdgas die Rolle der Basisenergie für die wachsende Integration erneuerbarer Energien auch im Heizungsbereich."
| "Die Kombination von Erdgas mit modernster Technologie bietet die besten Voraussetzungen, um die Anforderungen des Integrierten Energie- und Klimaprogramms (IEKP) zu erfüllen. Entsprechende Systeme, die Effizienz und Klimaschutz mit Funktionalität, Zuverlässigkeit und Kostenvorteilen verbinden, sind verfügbar. Deshalb setzen wir auf die Gas-Plus-Technologie, das heißt: Gas plus Biogas, Gas plus Solar und Gas plus Umweltwärme. Besonders vorteilhaft ist der Einsatz von Gas in der Kraft-Wärme-Kopplung, da gleichzeitig Wärme und Strom erzeugt und die Stromnetze entlastet werden. Weitere Optionen sind zukünftig synthetisch erzeugte Gase und Wasserstoff aus regenerativen Quellen. Dabei kann die bestehende Gasinfrastruktur in Deutschland mit rund 340.000 Kilometern Gesamtlänge genutzt werden."
Dr. Jürgen Lenz, Vizepräsident der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW)Â
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Zahlen & Fakten  | Zum Seitenanfang | Energie für das 21. Jahrhundert
| Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran liefern heute mehr als 85 Prozent der Primärenergie für die Welt. "Diese Hauptlast der Versorgung können die vier großen Energieträger auch weiterhin tragen", erklärte Hans-Joachim Kümpel, Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), anlässlich der Vorstellung der im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellten Studie "Energierohstoffe 2009". Allerdings müsse man davon ausgehen, dass Erdöl seine Rolle als wichtigster Energieträger in den kommenden Jahrzehnten verlieren werde. Der Energiemix weltweit werde sich an neue Bedingungen anpassen müssen.
Die für die Studie durchgeführte Projektion der Erdölförderung bis ins Jahr 2050 kommt zu dem Ergebnis, dass Erdöl der erste Energierohstoff sein wird, bei dem aufgrund der begrenzten Vorräte eine immer weiter steigende Produktion nicht mehr möglich sein wird. Für Erdöl aus konventionellen Vorkommen erwarten die BGR-Experten schon für die kommenden Jahre das Erreichen eines Produktionsmaximums. Selbst wenn man alle Optionen - also auch nicht-konventionelle Quellen wie Ölsande und eine bessere Entölung der Lagerstätten - optimal nutze, könne die Erdölförderung nur noch bis etwa 2030 gesteigert werden. Diese Entwicklung müsse durch erneuerbare Energien sowie durch Erdgas, Kohle und Uran abgefangen werden. Die Studie zeigt, dass die globale Verfügbarkeit an Erdgas, Kohle und Uran aus geologischer Sicht auf absehbare Zeit auch bei steigendem Verbrauch nicht gefährdet ist.
Die BGR-Studie "Energierohstoffe 2009" ist im Internet unter der Adresse www.bgr.bund.de/energierohstoffe2009 zum Download eingestellt.
| IKT-Strombedarf in Deutschland über zehn Prozent
| Bereits im Jahr 2007 betrug der Stromverbrauch der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in Deutschland etwa 55 Milliarden Kilowattstunden, 10,5 Prozent des gesamten Stromverbrauchs. Wenn sich nichts ändert, ist laut einer Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums bis 2020 eine Steigerung um 20 Prozent auf jährlich 67 Milliarden Kilowattstunden zu erwarten. Den größten Anteil am IKT-bedingten Stromverbrauch haben die Anwendungen in privaten Haushalten mit knapp 60 Prozent. Ihr Anteil wird ohne Gegensteuerung von gegenwärtig rund 27 Milliarden auf 40 Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2020 steigen. Eine besonders große Rolle spielen hier Fernsehgeräte und Computer mit immer größer werdenden Displays. Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg: "Informations- und Kommunikationstechnologien haben sich als Schlüsseltechnologien für die Erhöhung von Produktivität, Qualität und Kosteneinsparungen bewährt. Aktuell gewinnen sie auch als wichtiger Teil der Lösung des Energie- und Klimaproblems immer mehr Gewicht. Damit die IKT ihre wichtige Rolle zur Lösung des Problems spielen können, dürfen sie selbst aber nicht zum Problem werden." Zu Guttenberg ist zuversichtlich, dass der Technologiestandort Deutschland mit seinem Know-how in den Ingenieurwissenschaften und der Informatik sehr gute Voraussetzungen bietet, um Lösungen für "Green IT" zu entwickeln.
Die Studie "Abschätzung des Energiebedarfs der weiteren Entwicklung der Informationsgesellschaft" ist unter www.bmwi.de zum Download eingestellt. |  |  |  |  |
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