EnergieSzene



News und Trends aus der Energiewirtschaft  November 2008




EnergieSzene Blog

Von hier aus kommen Sie mit einem Klick zum EnergieSzene Blog, der Sie mit kurzen Meldungen über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden hält.

 
Kopf des Monats

Matthias Kurth
Der Präsident der Bundesnetzagentur warnt davor, sich beim Thema Netzstabilität in Sicherheit zu wiegen. Die Zahl der Stress-Situationen, in denen die Netze an ihre Grenzen stießen, nehme zu.

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Literaturtipp

Ablasshandel gegen Klimawandel?
Dieser Reader hinterfragt, ob der Markt und marktbasierte Instrumente tatsächlich als intelligente Methoden der Klimapolitik propagiert werden sollten.

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Aus dem Inhalt
Topthema
Erdgasfahrzeuge: Rückenwind aus Brüssel bringt neuen Schwung
EnergieSzene Berlin
Breiter Energiemix als Risikovorsorge
EnergieSzene Brüssel
Die Kommission macht Druck
Geothermie
Gute Zukunftsaussichten für Wärme und Strom aus dem Untergrund
Zahlen & Fakten
World Energy Outlook 2008: IEA fordert "radikale Aktionen"


Vorwort

Liebe Leser,
Energie ist immer ein Thema, aber in den vergangenen Wochen hat es einige ganz besondere Entwicklungen gegeben. Dass im Sauerland ein virtuelles Kraftwerk seinen Betrieb aufgenommen hat, ist für viele vielleicht keine besonders interessante Nachricht. Dabei ist das einer der ersten kleinen Schritte hin zu einer kompletten Umgestaltung der Stromversorgungs-Infrastruktur. Die EU-Kommission ordnet in ihrem vor wenigen Tagen vorgelegten Energiepaket dem Thema Versorgungssicherheit endlich den Stellenwert zu, den es verdient hat. Und die Internationale Energie Agentur wird in ihrem diesjährigen World Energy Outlook sehr deutlich, was die Warnungen vor dem drohenden Klimawandel und die notwendigen Maßnahmen angeht.

Eine interessante Lektüre wünscht
Rolf Sweekhorst

 
 

Topthema

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Erdgasfahrzeuge: Rückenwind aus Brüssel bringt neuen Schwung

Es verbraucht wenig, ist im Unterhalt kostengünstig, belastet die Umwelt weit geringer als die meisten Konkurrenten und doch läuft der Absatz längst nicht so, wie die Automobilproduzenten und die Erdgaswirtschaft sich das vorgestellt haben. Das Erdgasauto hat das Potenzial zum Kassenschlager, ist aber noch immer auf den hinteren Rängen der Zulassungsstatistik zu finden. Daran könnte sich schon in naher Zukunft einiges ändern. Der Grund: Die EU dreht an den Vorschriften für erlaubte Abgaswerte. Zumindest hat der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments einem Verordnungsvorschlag für die Begrenzung der CO2-Emissionen von Pkw zugestimmt, der es in sich hat. Danach sollen die spezifischen CO2-Emissionen für alle Neuwagenflotten in der Europäischen Union ab 2012 auf unter 120 Gramm CO2 pro Kilometer (CO2/km) sinken. Wenn nachhaltig produzierter Biokraftstoff verwendet wird, gibt es eine Gutschrift von bis zu 25 Gramm CO2/km. Der Flottenwert eines Automobilherstellers wird gebildet über alle verkauften Neufahrzeuge, die im jeweiligen Berichtsjahr in der EU zugelassen wurden. Unternehmen, die den Grenzwert überschreiten, müssen mit empfindlichen Strafzahlungen rechnen. Die beginnen im Jahr 2012 bei 20 Euro pro Gramm CO2 /km und steigen bis 2015 auf 95 Euro pro Gramm CO2 /km - für jedes einzelne verkaufte Fahrzeug. Für ein Unternehmen wie Volkswagen drohen beispielsweise Strafzahlungen von 1,7 Milliarden Euro in 2012 bis hin zu 8,1 Milliarden in 2015 - bei Absatzzahlen wie in 2006 (2.745.000 Fahrzeuge in der EU 27) und unverändertem Durchschnittsverbrauch. Ob die Verordnung in dieser Form tatsächlich kommt, wird in Brüssel voraussichtlich bis Dezember des laufenden Jahres entschieden. Sicher scheint in jedem Fall, dass eine deutliche Minderung der CO2-Emissionen vorgeschrieben werden wird.

"Wir sind mächtig unter Druck, was Kraftstoffe und Antriebe angeht", kommentiert Jens Andersen, Leiter Aggregatemanagement bei Volkswagen, die Entwicklung. Die Themen Treibhausgase und Energieknappheit seien früher hochgekommen als erwartet. Man habe zwar inzwischen einige Erdgasfahrzeuge im Angebot, doch mit dem Passat TSI EcoFuel mit CNG-Motor (CNG = Compressed Natural Gas) komme Anfang 2009 endlich ein Auto auf den Markt, bei dem umweltbewusstes Fahren und Fahrspaß keine unüberbrückbaren Gegensätze seien. Das Auto hat eine Leistung von 110 Kilowatt, ein maximales Drehmoment von 220 Newtonmetern über einen breiten Drehzahlbereich und fährt in der Spitze 210 Kilometer pro Stunde. Der Verbrauch wird mit 4,5 Kilogramm CNG auf 100 Kilometer angegeben. Entsprechend niedrig sind die Abgaswerte: Die CO2-Emissionen sollen auf jeden Fall unter 120 Gramm pro Kilometer liegen. Auch hinsichtlich der Reichweite setzt das Auto Maßstäbe: Im Erdgasbetrieb reichen die drei Unterflur-Stahlflaschen für 420 Kilometer Fahrstrecke, und mit dem alternativ oder additiv nutzbaren Benzinvorrat kommt man rund 400 Kilometer weit. Erste Testfahrten auf dem Beifahrersitz (mehr war mit dem Vorserienfahrzeug noch nicht möglich) haben gezeigt, dass der Erdgas-Passat mit seinen konventionell angetriebenen Kollegen hinsichtlich Fahrspaß, Laufruhe und Komfort locker mithalten kann. Stefan Ramesohl, der bei E.ON Ruhrgas das Kompetenz-Center Anwendungstechnik leitet, sieht in diesem Auto ein Zugpferd für die weitere Entwicklung. Allerdings sei die Gaswirtschaft nun "in der Pflicht, das Tankstellennetz forciert auszubauen. Da sind wir hinter unseren Versprechungen zurück."

Motorenentwickler Andersen kann sich gut vorstellen, dass Volkswagen weitere Modelle mit Erdgasantrieb und doppelt aufgeladenen TSI-Motor auf den Markt bringen wird. Da sei einiges "in der Pipeline", mehr dürfe er nicht verraten. Sicher sei auch, dass der Markt für Erdgasfahrzeuge weltweit wachse: in Europa um 13 Prozent jährlich, in Asien um 50 Prozent und in Südamerika um 28 Prozent. Aktuell sei das noch immer überwiegend ein Geschäft für Nachrüster, aber das Interesse der Automobilproduzenten nehme mit steigenden Absatzzahlen selbstverständlich zu.

Auf die politischen Rahmenbedingungen für Erdgas als Kraftstoff angesprochen, kommt Klaus-Robert Kabelitz, Bereichsleiter Volkswirtschaft, Energiewirtschaft, Klima- und Umweltpolitik bei E.ON Ruhrgas, sehr schnell auf das Thema Bio-Erdgas und die Vorteile dieses Treibstoffes für die Klimabilanz. Die Gaswirtschaft biete an, bis 2020 circa ein Prozent der gesamten in Deutschland nachgefragten Kraftstoffmenge oder umgerechnet 30 Milliarden Kilowattstunden als Kombination von Erdgas und Bio-Erdgas in einem Mischungsverhältnis von 80:20 bereitzustellen. Allein damit könne man eine CO2-Reduzierung von jährlich 2,5 Millionen Tonnen erreichen. Dazu müsse dann aber die Zahl der Tankstellen in Deutschland von derzeit 800 auf 4.000 ansteigen. Eine Flächenkonkurrenz "zwischen Tank und Teller" sieht Kabelitz nicht. Allein in Deutschland stünden zwischen drei und fünf Millionen Hektar Anbaufläche zur Verfügung, die nicht für die Lebensmittelproduktion benötigt würden. Dabei seien die Stilllegungsflächen der EU nicht einmal berücksichtigt. Die verfügbaren Flächen reichten für die Entwicklung bis 2020 auf jeden Fall aus. Auf lange Sicht sieht Kabelitz die Kombination von Biokraftstoff und Elektroantrieb im Vorteil - und ist damit nicht allein. "Langstrecke mit CNG, Kurzstrecke elektrisch, das ist meine Vision", beschreibt der Antriebsexperte Jens Andersen seinen persönlichen Ausblick in die automobile Zukunft. 

 
Strom

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RWE Energy und Siemens starten virtuelles Kraftwerk

Ende Oktober haben Siemens Energy und RWE Energy im Sauerland (NRW) ein virtuelles Kraftwerk in Betrieb genommen. Generell bezeichnet dieser Begriff die Zusammenschaltung von kleinen, dezentralen Kraftwerken wie beispielsweise Windenergieanlagen, Blockheizkraftwerke, Photovoltaikanlagen, Kleinwasserkraftwerke und Biogasanlagen. Die Steuerung der beteiligten Stromerzeuger erfolgt von einer zentralen Warte aus. Herzstück eines solchen Systems ist das Energiemanagement, mit dessen Hilfe die dezentralen Erzeugungsanlagen miteinander vernetzt werden, um sie nach Bedarf wirtschaftlich und umweltfreundlich einsetzen zu können.

In diesem Projekt wurden in einem ersten Schritt zunächst neun Wasserkraftanlagen der Lister- und Lennekraftwerke zu einem Verbund zusammengefasst. Die Leistungen dieser eher kleinen Erzeugungsanlagen reichen von 150 bis 1.100 Kilowatt, die Gesamtleistung liegt bei 8.600 Kilowatt. Laut Michael Laskowski von RWE Energy ist dies nur ein erster Schritt, den man unternommen hat, um die grundsätzliche Realisierbarkeit solcher Vorhaben zu zeigen und erste Erfahrungen zu sammeln. Das virtuelle Kraftwerk im Sauerland sei zwar schon jetzt das aktuell größte in Deutschland, doch die sukzessive Erweiterung um eine Vielzahl weiterer Anlagen unterschiedlichster Art, z. B. Blockheizkraftwerke, Biomasseanlagen und Windgeneratoren, stehe kurz bevor. Die angestrebte Größenordnung für die Gesamtleistung liege bei 50 bis 100 Megawatt. Ob der nun eingeschlagene Weg letztlich zu einem einzigen deutschlandweiten virtuellen Kraftwerk führt oder zu mehreren mittleren Einheiten, dazu wollte Laskowski keine Prognose abgeben. Zur Untersuchung solcher Fragestellungen realisiere man schließlich solche Pilotprojekte. Technisch sei jedenfalls alles möglich. Schließlich seien die von Siemens eingesetzten Systeme "kaskadierbar". Klartext: Kleine und mittlere virtuelle Kraftwerke lassen sich zu neuen, größeren virtuellen Kraftwerken zusammenschalten.

Generell schreiben die Energieversorgungsexperten dieser noch jungen Technik eine ganze Reihe von Vorteilen zu. Der Betreiber der einzelnen Anlage erhält über die zentrale Vermarktung Zugang zu Energiemärkten, die er ohne die Größenordnung des virtuellen Kraftwerks nie hätte erreichen können. In diesem Fall erfolgt die Vermarktung über die Leipziger Strombörse EEX. Der Betreiber der Kooperation nutzt technische und wirtschaftliche Synergieeffekte, die aus der Zusammenschaltung kleinerer unterschiedlicher Erzeugungseinheiten entstehen. Erzeugungs- und Bezugsfahrpläne lassen sich mit virtuellen Kraftwerken optimieren, und der Netzbetreiber kann Engpässe im Netz leichter ausgleichen beziehungsweise den Einsatz seiner Betriebsmittel optimieren. Die Einbindung erneuerbarer Energien wird einfacher, letztlich dient das System der Netzstabilität.  

 
Erdgas

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Gazprom und E.ON Ruhrgas bauen 35-jährige Zusammenarbeit weiter aus

Seit 1973 arbeiten E.ON Ruhrgas und die russische OAO Gazprom im Erdgassektor zusammen. Seither bezog das Essener Ferngasunternehmen 520 Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas im Wert von 55 Milliarden Euro. Gleichzeitig wurden mit Gazprom vielfältige Projekte in Europa entwickelt, wie beispielsweise die gemeinsamen Beteiligungen im Baltikum und vor allem die Pipeline Nord Stream, über die ab 2011 pro Jahr rund 27 Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas nach Westeuropa fließen werden. "Zuverlässigkeit, Engagement und Partnerschaft sind und bleiben die Erfolgsfaktoren unserer Zusammenarbeit mit Gazprom", sagte Bernhard Reutersberg, E.ON Ruhrgas-Vorstandsvorsitzender, bei einer Veranstaltung zum Jubiläum. Gazprom-Vorstandschef Alexej Miller ergänzte: "35 Jahre der Zusammenarbeit mit E.ON Ruhrgas haben bewiesen, dass unsere gemeinsame Arbeit nicht nur Geschäfte und Gas heißt, sondern Vertrauen und Freundschaft bedeutet. Wir arbeiten heute entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Gasförderung bis zur Vermarktung zusammen. Außerdem steigen wir in ein neues gemeinsames Geschäftssegment - die Stromwirtschaft - ein." Zu den gemeinsamen Projekten zählt auch die E.ON Ruhrgas-Beteiligung am Gasfeld Yushno Russkoje sowie der gemeinsame Bau und Betrieb eines GuD-Kraftwerks in Lubmin. Anlässlich der Feier unterzeichneten die beiden Unternehmen zudem ein Memorandum of Understanding zur Förderung der Energieeffizienz. Geplant ist die Gründung einer gemeinsamen Projektentwicklungsgesellschaft. 

 
Erdgas

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Hohe Versorgungssicherheit

"Wir brauchen keine staatlich kontrollierte strategische Erdgasreserve wie beim Mineralöl", sagte Rolf Martin Schmitz, Präsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), auf der gasfachlichen Aussprachetagung in Dortmund. Eine strategische Erdgasreserve würde das Erdgas weiter verteuern und die Verbraucher unnötig belasten. Auch ohne staatliche Eingriffe seien zwischen 2000 und 2008 knapp elf Milliarden Euro in den Ausbau und den Erhalt des Erdgasleitungsnetzes geflossen. Allein die Aufnahmekapazität der 46 Untertage-Gasspeicher liege bei 20 Milliarden Kubikmeter Arbeitsgas oder fast einem Viertel des letztjährigen Verbrauchs in Deutschland.

Die gute Nachricht für die Verbraucher: Sinkende Beschaffungskosten lassen laut Schmitz Preissenkungen im kommenden Jahr erwarten. Wenn die Unternehmen im Wettbewerb erfolgreich bestehen wollten, müssten Preissenkungen so schnell wie möglich an die Kunden weitergegeben werden. Schließlich hätten mittlerweile 21 Prozent der Haushalts-Erdgaskunden ihren Anbieter oder ihren Tarif gewechselt. 

 
Biokraftstoffe

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Strategie mit Augenmaß

Das Bundeskabinett hat das Gesetz zur Förderung von Biokraftstoffen verabschiedet. Marko Mühlstein von der SPD-Bundestagsfraktion bezeichnet die vorgesehenen Beimischungsquoten von 5,25 Prozent in 2009 und 6,25 Prozent ab 2010 als Biokraftstoffstrategie "mit Augenmaß". Besonders zu begrüßen sei die Möglichkeit der Anrechnung von Biogas, das hocheffizient und klimafreundlich sei. So sei beispielsweise der Kraftstoffertrag pro Hektar Anbaufläche bei Biogas um das Sechsfache höher als bei Biodiesel.

 
EnergieSzene Berlin

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Breiter Energiemix als Risikovorsorge

Ein breiter Energiemix ist nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Glos auch mit Blick auf die Preise zentrales Element der Risikovorsorge. "Dazu zählen auch neue Kohlekraftwerke und aus meiner Sicht die Kernenergie, damit wir nicht zu abhängig vom Gas werden", sagte Glos bei der Vorstellung des Berichts der Bundesregierung zur Öl- und Gasmarktstrategie, der im Juli dieses Jahres angesichts der hohen Ölpreissteigerungen initiiert worden war. "Aktuell erwarte ich von den Gasunternehmen, dass sie Preissenkungen schnell und spürbar an die Endkunden weitergeben. Die jüngsten Ankündigungen einiger Versorger, noch in diesem Jahr oder Anfang 2009 die Gaspreise zu senken, sind ein erstes, gutes Signal." Auch das Maßnahmenpaket "Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstärkung" werde zu einer Entlastung der "breiten Masse der arbeitenden Bevölkerung" führen und den Unternehmen zugute kommen. Und die jüngsten Preisrückgänge beim Öl stärkten die Kaufkraft.

Zu den Kernbotschaften des Berichts gehört die Einschätzung, dass die Versorgungssicherheit nicht gefährdet ist. Mittelfristig hohe Preise für Öl und Gas seien Signale für weitere Investitionen zur Erschließung dieser Energieträger, aber auch zum Energiesparen. Energie bleibe aber trotz der jüngsten Preiseinbrüche ein teures Gut. Maßnahmen zur Steigerung von Energieeffizienz und erneuerbare Energien seien von hoher Bedeutung für eine auch langfristig sichere Energieversorgung.

"Langfristig brauchen wir neue technologische Lösungen, um die steigende Importabhängigkeit von Energieträgern zu vermindern. Die Bundesregierung verstärkt daher die Förderung von Forschung und Entwicklung für die ganze Breite der Energietechnologien. Hierfür stehen von 2008 bis 2011 2,1 Milliarden Euro zur Verfügung", heißt es weiter in dem Bericht. Insbesondere seien Alternativen für den ölabhängigen Verkehrssektor notwendig. Glos kündigte an, dass noch in diesem Monat die Eckpunkte eines "Nationalen Entwicklungsplans für Elektromobilität" zur Diskussion gestellt werden sollen.

Der Bericht der Bundesregierung zur Öl- und Gasmarktstrategie ist im Internet unter www.bmwi.de zum Download eingestellt.

 
EnergieSzene Berlin

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Ministerien legen "Masterplan Umwelttechnologien" vor

Einen "Masterplan Umwelttechnologien" hat die Bundesregierung beschlossen. Er soll das große ökonomische Potenzial der Umwelttechnologien gezielt für die deutsche Wirtschaft erschließen. In einem ersten Schritt will man sich auf die Bereiche Wasser, Rohstoffe und Klimaschutz konzentrieren, da für diese Felder mit einem besonders starken Wachstum gerechnet wird und deutsche Unternehmen dort schon heute vielfach Technologie- und Weltmarktführer sind. Für vier Innovationsallianzen im Klimaschutz beispielsweise hat das Bundesforschungsministerium über 250 Millionen Euro Fördermittel veranschlagt. Das Bundesumweltministerium stellt im laufenden Jahr und auch in Zukunft für erneuerbare Energien über 100 Millionen Euro für Forschung und Technologieentwicklung bereit. "Umwelttechnologien sind ein hervorragendes Beispiel dafür, wie wir durch Innovationen einen nachhaltigen Beitrag zur Stabilisierung der Konjunktur leisten können", so Bundesforschungsministerin Schavan. Bundesumweltminister Gabriel sagte: "Bereits heute liegt das globale Marktvolumen für Umweltschutztechnik bei über 1.000 Milliarden Euro; im Jahr 2020 könnten es sogar 2.200 Milliarden Euro sein. Der Masterplan zeigt auf, welche Chancen Deutschland in diesem Markt heute bereits hat. Und er benennt konkret, wo die Politik die Entwicklung unterstützen wird."

Der Masterplan Umwelttechnologien ist im Internet unter www.bmbf.de und www.bmu.de zum Download eingestellt.

 
EnergieSzene Berlin

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"New Green Deal" als Teil der Sicherheitspolitik

"Viele internationale Konflikte werden durch den Klimawandel verschärft - durch schwindende Wasser- und Landressourcen, durch Wetterkatastrophen, durch Hungersnöte und daraus resultierende Flüchtlingsströme. Eine ehrgeizige Klimapolitik ist daher Sicherheitspolitik für das 21. Jahrhundert", sagte Michael Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, bei der Konferenz "Sicherheitsbedrohung Klimawandel: Handlungsoptionen für Politik, Wissenschaft und Wirtschaft" des Auswärtigen Amts und der Stadt Freiburg. "Die Klimapolitik ist die Feuerprobe für eine faire und erfolgreiche internationale Zusammenarbeit. Wenn wir versagen, werden viele Regionen dieser Welt destabilisiert und Millionen Menschen zu Klimaflüchtlingen gemacht. Die Dividende eines ehrgeizigen Klimaschutzabkommens wäre jedoch enorm - in finanzieller, entwicklungs- und sicherheitspolitischer Hinsicht."
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier rief zu einer engen Zusammenarbeit Europas und der USA im Klimaschutz auf. "Obama weiß um die globale Verantwortung Amerikas. Klimawandel gehört zu den Herausforderungen, die wir entweder gemeinsam lösen oder an denen wir gemeinsam scheitern." Steinmeier sprach sich für eine enge europäisch-amerikanische Zusammenarbeit aus und forderte, auch neue Partner mit einzubeziehen. "Die Welt braucht einen New Green Deal."

 
EnergieSzene Brüssel

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Die Kommission macht Druck

Die EU-Kommission hat ein Energiepaket zur Förderung der Energieversorgungssicherheit in Europa und zur Unterstützung der Klimaschutzvorschläge im Rahmen der Initiative "20-20-20" vorgelegt. Dazu der für Energie zuständige Kommissar Andris Piebalgs: "Wir müssen mehr tun, ehrgeiziger sein und beherzter handeln, um das Risiko künftiger Versorgungskrisen zu bannen. Dazu sind Investitionen notwendig. Durch Investitionen im Energiebereich, unter anderem in Energieeffizienz, erhält die europäische Wirtschaft die Impulse, die sie in dieser unsicheren Zeit benötigt."

Bei der zweiten Überprüfung der Energiestrategie wurde laut der Kommission als oberste Priorität ermittelt, dass die Maßnahmen zum Erreichen des 20-20-20-Ziels in den kommenden Wochen vom Rat und vom Europäischen Parlament angenommen werden und dann schnell zur Umsetzung gelangen. Darin enthalten ist der Kommissionsvorschlag für ein Emissionshandelssystem ab dem Jahr 2013, das im Detail innerhalb der EU noch heftig umstritten ist. "Entscheidende Bedeutung hat für uns das Problem Carbon Leakage", sagte Matthias Machnig, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, auf einer Konferenz des Forums für Zukunftsenergien zu den Kosten des CO2-Emissionshandels und den Folgen für die deutsche Wirtschaft. "Wir legen großen Wert darauf, dass energieintensive und im internationalen Wettbewerb stehende Unternehmen herausgenommen werden. Dafür müssen wir werben. Eine Reihe von Ländern hat andere Vorstellungen. Wenn wir bei Carbon Leakage Unterstützung haben wollen, müssen wir über einen Solidaritätsmechanismus in Europa diskutieren", sagte er mit Blick auf Polen, das 95 Prozent seines Strombedarfs durch Kohle deckt.

Nach Ansicht von Jorgo Chatzimarkakis, Mitglied der liberalen Fraktion im Europäischen Parlament und des Industrieausschusses, geht es "eiskalt um Interessenpolitik". Sarkozy wolle das Emissionshandelssystem in seinem Sinne noch während seiner Präsidentschaft durchsetzen, die französische Belastung würde nur ein Zehntel der deutschen ausmachen. "Sarkozy will den Erfolg." Der deutschen Regierung steht also in den nächsten Wochen noch viel Arbeit bevor.

Zweite Priorität des neuen Kommissionspakets ist es erklärtermaßen, der "zunehmenden Anfälligkeit der Energieversorgungssicherheit Europas" zu begegnen. Im EU-Aktionsplan für Energieversorgungssicherheit und -Solidarität werden fünf Handlungsfelder benannt: "Die Projekte zum Aufbau der notwendigen Infrastruktur müssen wirksamer gefördert werden. Die EU muss ihre eigenen - erneuerbaren wie fossilen - Energieressourcen besser nutzen. Der Solidarität muss mehr Aufmerksamkeit zukommen; dies schließt Krisenreaktionsmechanismen der EU, die Ölvorratshaltung und eine Reihe von Mechanismen zur Reaktion auf etwaige Störungen der Gasversorgung ein. Ferner sind weitere Maßnahmen zur raschen Verbesserung der Energieeffizienz notwendig", heißt es dazu.

Auch hier wird sich heftiger Diskussionsbedarf einstellen. Denn beispielsweise im Bereich der Gasversorgung verfügt Deutschland über das am weitesten ausgebaute, mit Abstand größte Speichersystem zur Bevorratung und damit zur Krisenvorsorge. Unter dem Deckmantel der Solidarität könnte auch bei diesem Thema "eiskalte Interessenpolitik" verfolgt werden.

In der Bundesregierung und in der Energiewirtschaft stößt das Energiepaket der EU überwiegend auf Zustimmung. Damit, so Wirtschaftsminister Glos, "liegen jetzt auch konkrete Ideen auf dem Tisch, die dazu beitragen können, das Ziel der Versorgungssicherheit in Zukunft noch besser zu erreichen. Ich begrüße, dass die Kommission gerade auch für die Kohle eine Zukunft und in der Kernenergie einen wichtigen Teil des Energiemix sieht." Umweltminister Gabriel sieht in dem Energiepaket einen "wichtigen Schritt, um die ehrgeizigen klima- und energiepolitischen Ziele der EU zu erreichen". Gabriel bedauert allerdings, dass die Kommission nicht - wie ursprünglich angekündigt - einen Aktionsplan zur Offshore-Windenergie vorgelegt, sondern nur eine Mitteilung erarbeitet hat. Ein noch klareres Bekenntnis zu dieser Technologie wäre für den beschleunigten Ausbau wichtig gewesen. Den Vorschlag der Kommission für ein Nuklearprogramm bezeichnete der Minister allerdings als "tendenziöses, einseitiges Pro-Atom-Papier", dessen Aussagen die Bundesregierung wegen der Festlegungen im Koalitionsvertrag in weiten Teilen nicht mittragen könne. Hildegard Müller vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht im EU-Energiepaket ein erfreuliches Signal dafür, dass die EU das Thema Versorgungssicherheit endlich in den Mittelpunkt einer langfristigen energiepolitischen Strategie stellt. Die deutschen Energieunternehmen stimmten mit der Kommission darin überein, dass eine verpflichtende staatliche Gasbevorratung nicht angemessen sei. Staatliche Eingriffe stünden hier nicht für mehr, sondern für weniger Versorgungssicherheit.

Detaillierte Informationen zum Energiepaket der EU finden sich hier.

 
Studie

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Netze werden für Finanzinvestoren immer interessanter

Ein verstärktes Engagement von Finanzinvestoren im Netzbereich erwartet die Managementberatung A.T. Kearney. "Viele Finanzinvestoren beschäftigen sich intensiver mit der Energiewirtschaft. Wir bekommen als Berater zunehmend Anfragen von Finanzinvestoren", sagte Principal Martin Handschuh bei der Vorstellung der Studie "Konsolidierung der europäischen Energiewirtschaft - Trends, Akteure und Auswirkungen der Finanzkrise" in Berlin. Sein Kollege Kurt Oswald nennt das Phänomen "zunehmende Risikoaversion".

Die europäische Energiewirtschaft verzeichnete laut Studie in den vergangenen fünf Jahren Fusionen und Übernahmen mit einem Volumen von 382 Milliarden Euro. "Fusionen und Übernahmen sind seit der Liberalisierung die größten Wachstumsmotoren von führenden Energieversorgern geworden", so Matthias Cord, Vice President des Beratungsunternehmens. Allerdings seien die Zeiten der "Mega-Deals" vorbei, da die Möglichkeiten - allein schon wegen kartellrechtlicher Beschränkungen - recht begrenzt seien. Hohe Wachstumsraten seien künftig für die meisten Player im Energiemarkt nur realisierbar, wenn sie sämtliche Hebel zur Stärkung des organischen Wachstums nutzten. "Auch Kommunen müssen sich bei Stadtwerksverkäufen zukünftig verstärkt mit wertschöpfungsspezifischen Strategien wie dem getrennten Verkauf von Netzen und den Wettbewerbsbereichen auseinandersetzen. Alternativ zu einem Komplettverkauf lassen sich damit in Summe höhere Verkaufserlöse erzielen."

Oswald erwartet mittelfristig einen erheblichen direkten und indirekten Einfluss der Finanzkrise auf den Markt der "Fusionen und Übernahmen" im Bereich der europäischen Energiewirtschaft. "Gründe hierfür sind die abnehmende Attraktivität von fremdfinanzierten Deals und die eingeschränkte Liquidität auf den Finanzmärkten. Wir gehen daher in den kommenden fünf Jahren von einem Transaktionsvolumen von 260 Milliarden Euro aus. Dies liegt um rund 30 Prozent niedriger als in den fünf Jahren zuvor."

Die Studie "Konsolidierung der europäischen Energiewirtschaft - Trends, Akteure und Auswirkungen der Finanzkrise" ist unter www.atkearney.de zum kostenlosen Download eingestellt.

 
Geothermie

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Gute Zukunftsaussichten für Wärme aus dem Untergrund

Erdwärme gewinnt immer mehr an Bedeutung. Als praktisch unerschöpfliche Energiequelle, die noch dazu das Klima schont und überall verfügbar ist, wird die Geothermie in naher Zukunft einen wesentlichen Beitrag zur Energieversorgung leisten. Dieser Meinung sind zumindest die Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, die am 1. Norddeutschen Geothermietag im Geozentrum Hannover teilgenommen haben. Einig waren sich die Tagungsteilnehmer auch darin, dass die Geothermie gerade für Norddeutschland und speziell für die Region Hannover große Chancen bietet.

"Für eine zukunftsfähige und umweltschonende Energieversorgung braucht die Gesellschaft vor allem auch den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien wie z. B. der Geothermie", sagte Niedersachsens Umwelt-Staatssekretär Stefan Birkner in seiner Eröffnungsrede. Welche Bedeutung vor allem die oberflächennahe Geothermie schon jetzt habe, zeige die Zahl von jeweils mehr als 23.000 Erdwärmesystemen, die 2006 und 2007 in Deutschland installiert worden seien. "Immer mehr Bauherren sind von den Vorteilen der Erdwärme überzeugt." Überdies, so Birkner weiter, wolle die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mit ihrem Pilotprojekt "GeneSys" in Hannover demonstrieren, dass auch im Bereich der tiefen Geothermie in Norddeutschland eine breite Erdwärmenutzung möglich sei.

"Mit dem Pilotprojekt GeneSys wollen wir unseren Beitrag für eine nachhaltige Energieversorgung leisten", erläuterte BGR-Präsident Hans-Joachim Kümpel das ehrgeizige Vorhaben. Bei diesem 15-Millionen-Euro-Projekt, das durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie finanziert wird, soll auf dem Grundstück der BGR zum weltweit ersten Mal im Bereich der tiefen Geothermie ein so genanntes "Einbohrloch-Konzept" im Betrieb erprobt werden. Dafür ist eine knapp 4.000 Meter tiefe Bohrung vorgesehen. Das System der getrennten Zugänge für Kalt- und Heißwasser innerhalb einer Bohrung stelle eine technische Herausforderung dar, ermögliche aber auch eine erhebliche Kosteneinsparung gegenüber einem System mit zwei Bohrlöchern, erläuterte Kümpel. Vor allem aber habe es auch einen ganz praktischen Nutzen. "Wir wollen ab dem Jahr 2012 mit rund zwei Megawatt thermischer Leistung unser gesamtes Geozentrum mit seinen 1.000 Beschäftigten mit Erdwärme beheizen", kündigte Kümpel an.

 
Zahlen & Fakten

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World Energy Outlook 2008: IEA fordert "radikale Aktionen"

Die derzeitigen weltweiten Trends von Energieversorgung und -verbrauch sind eindeutig nicht zukunftsfähig, weder in ökologischer noch in wirtschaftlicher oder sozialer Hinsicht. Die Internationale Energieagentur (IEA) mahnt in ihrem vor wenigen Tagen in London vorgestellten "World Energy Outlook 2008" einen deutlichen Kurswechsel an. Noch sei dafür Zeit. Letztlich, so die Agentur, hänge das Wohlergehen der Menschheit davon ab, wie gut es gelingen könne, zwei zentrale Energieherausforderungen zu bewältigen: die Sicherung einer verlässlichen und erschwinglichen Energieversorgung und die rasche Umstellung auf ein CO2-armes, leistungsfähiges und umweltschonendes Energieversorgungssystem. Dazu brauche man nicht mehr und nicht weniger als eine Energierevolution. Die IEA mahnt nicht nur, sie zeigt in der diesjährigen Ausgabe der Studie auch auf, welche "entschlossenen politischen Aktionen" notwendig sind und welche Kosten damit verbunden sind. Zu lesen ist aber auch, mit welchen Folgen im Fall des Scheiterns zu rechnen ist.

Das Mineralöl ist nach Ansicht der IEA nach wie vor die wichtigste Energiequelle der Welt und wird dies noch viele Jahre bleiben. Das unmittelbare Risiko einer Unterversorgung und steigender Preise bestehe jedoch nicht darin, dass die Reserven ausgehen, sondern darin, dass notwendige Investitionen nicht getätigt werden. Heute werde der Großteils des Kapitals in die Exploration und Erschließung kostenintensiver Ölvorkommen investiert. Die Expansion der Förderung müsse jedoch in solchen Ländern erfolgen, in denen sie am kostengünstigsten möglich ist.

Große Bedenken hat die IEA beim Thema Klimaschutz. Es bedürfe schon einer massiven Rückführung des CO2-Ausstoßes, um irreversible Schädigungen des Weltklimasystems noch zu verhindern. Bei Fortsetzung der gegenwärtigen Trends sei langfristig mit einer Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur um bis zu sechs Grad zu rechnen. Dem Energiesektor komme bei der Eindämmung der Emissionen eine zentrale Rolle zu. Umfassende Effizienzsteigerungen seien ebenso vonnöten wie die rasche Umstellung auf erneuerbare Energien. Zum notwendigen Maßnahmenpaket gehörten auch Technologien zur Senkung des CO2-Ausstoßes wie beispielsweise die Abtrennung und Speicherung des klimaschädlichen Gases. Die IEA fordert zudem "radikale Aktionen seitens der Regierungen", um private Haushalte, Unternehmen und Autofahrer zur Änderung ihres Energieverbrauchsverhaltens zu motivieren. Und die Energieversorger müssten dringend in die Entwicklung und Kommerzialisierung von CO2-armen Technologien investieren. Dazu sollten die Regierungen geeignete finanzielle Anreize und Regulierungsrahmen schaffen, die gleichzeitig den Zielen Versorgungssicherheit und Klimaschutz dienten.

Im Referenzszenario des World Energy Outlook 2008, das vom Prinzip des "Weiter so" ausgeht, steigt der weltweite Primärenergieverbrauch bis 2030 um etwa 45 Prozent an. Trotz der erheblichen Verbrauchszunahmen prognostiziert die IEA allerdings, dass die Ölvorräte den erwarteten Fördermengenanstieg bis über das Jahr 2030 hinaus ermöglichen. Unabhängig von den untersuchten Szenarien ist man sich jedoch sicher, "dass die Zeit des billigen Öls endgültig vorbei ist". Entspannter beurteilt die Agentur die Situation beim Erdgas. Hier werde weiterhin mehr entdeckt als gefördert, und bis 2007 sei weniger als ein Sechstel der ursprünglichen Gesamtreserven gefördert worden.

Bei der im Referenzszenario projizierten Zunahme der Treibhausgasemissionen verdoppelt sich die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre bis zum Ende des Jahrhunderts. Deshalb fordert die IEA dringend "resolute und koordinierte Maßnahmen", wobei das Mitwirken Chinas und der USA für die Erreichung eines Stabilisierungsziels von entscheidender Bedeutung sei. Nach Berechnungen der IEA werden rund zwei Drittel der weltweiten CO2-Emissionen in China, in den USA, in der EU, in Indien und in Russland freigesetzt.

Der "World Energy Outlook 2008" kostet gedruckt 150 Euro und als PDF 120 Euro. Er kann bestellt werden unter www.iea.org/books.

 
Zahlen & Fakten

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Kühle Witterung lässt Energieverbrauch steigen

Von Januar bis September 2008 wurden nach Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) in Deutschland mit insgesamt etwa 351 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten (Mio. t SKE) rund 2,4 Prozent mehr Primärenergieträger verbraucht als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Dabei stieg der Mineralölverbrauch um über vier Prozent, was vor allem auf die Zunahme beim leichten Heizöl - plus 26 Prozent - zurückzuführen ist. Der Absatz von Dieselkraftstoff und Flugkraftstoffen legte um vier bzw. drei Prozent zu. In der Folge der kühlen Witterung im Frühjahr wuchs der Erdgasverbrauch in den ersten neun Monaten um fast fünf Prozent an. Auch Industrie und Kraftwerke erhöhten ihren Erdgaseinsatz, wenn auch nur in geringem Maße. Der Verbrauch an Stein- und Braunkohlen ging dagegen wegen geringerer Lieferungen an Kraftwerke um fast fünf bzw. 3,4 Prozent zurück. Der Beitrag der Kernenergie zur Energiebilanz erhöhte sich um gut fünf Prozent. Die erneuerbaren Energien legten insgesamt nur leicht zu. Der Beitrag der Wasserkraft blieb annähernd konstant, die Stromerzeugung aus Windenergie sank witterungsbedingt um 2,7 Prozent. 

 
Kopf des Monats

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"Wir müssen für den Netzausbau werben und deutlich machen, dass der Ausbau der Erzeugungskapazitäten, insbesondere der erneuerbaren Energien, und der Ausbau der Netze Hand in Hand vorangehen müssen."

Im Interview mit dem Handelsblatt warnt Kurth davor, sich beim Thema Netzstabilität in Sicherheit zu wiegen. Man dürfe nicht ignorieren, dass die Zahl der Stress-Situationen, in denen die Netze stellenweise an ihre Grenzen stoßen, zunehmen. "Das liegt daran, dass das Netz für die hohe Volatilität nicht konzipiert ist. Grundsätzlich aber gilt, dass das deutsche Stromnetz europaweit eines der sichersten und zuverlässigsten ist."





Matthias Kurth ist Präsident der Bundesnetzagentur und verantwortet in dieser Funktion die Rahmenbedingungen für den sicheren Betrieb der Strom-, Gas-, Telekommunikations- und Eisenbahnnetze und für den diskriminierungsfreien Zugang zu diesen Netzen. 

 
Literaturtipp

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Elmar Altvater, Aachim Brunnengräber (Hg.)

Ablasshandel gegen Klimawandel?

Die Idee, Klimapoltik mit marktbasierten Instrumenten zu machen, erscheint so charmant und faszinierend, dass sie auch in der kritischen umweltpolitischen Debatte Zustimmung findet. Ob aber der Markt und marktbasierte Instrumente als intelligente Methoden der Klimapolitik propagiert werden sollten, wird in diesem Reader, herausgegeben von den Politikwissenschaftlern Elmar Altvater und Achim Brunnengräber, kritisch hinterfragt. Beide sind Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats von Attac. Die Autorinnen und Autoren beleuchten intensiv die theoretischen Grundlagen, politischen Implikationen und empirischen Erfahrungen mit Emissionshandelssystemen und stellen alternative, in der Regel regulatorische Ansätze vor. Der kritische Ansatz des Readers macht deutlich, dass Klimapolitik kein begrenztes Politikfeld ist, sondern mit der westlichen Zivilisationsgeschichte, mit dem rationalistischen Weltbild, mit dem Nord-Süd-Verhältnis, mit Gerechtigkeitsfragen und sehr viel mit der Wirkungsweise von Finanzmärkten zu tun hat.

236 Seiten
Hamburg 2008
ISBN-Nr. 978-3-89965-291-8
EUR 15,80  

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