EnergieSzene



News und Trends aus der Energiewirtschaft  November 2009




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Im Interview: Prof. Dr. Christoph Weber

Im Interview mit der EnergieSzene beurteilt Prof. Dr. Christoph Weber die Wettbewerbsentwicklung auf den deutschen Energiemärkten aus der Sicht des Energiewirtschaftswissenschaftlers. 
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Dr.-Ing. Jürgen Großmann

RWE-Chef Dr.-Ing. Jürgen Großmann bezieht Stellung zum Wechsel an der Spitze des Bundeswirtschaftsministeriums

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EnergieSzene Blog

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Aus dem Inhalt
Strom-Übertragung
E.ON-Übertragungsnetz geht an TenneT
Innovationen
Zeitenwende für die Energiewirtschaft
IEU News
Vollgas für den Klimaschutz
EnergieSzene Berlin
Geteiltes Echo auf Regierungsprogramm
EnergieSzene Brüssel
Kopenhagen: EU zeigt sich flexibel
ASUE News
Effiziente Heizungstechnik: die Gaswärmepumpe
Klimaschutz
"Klimaschutz ist wirtschaftlich machbar"
Gasversorgung
"Hohe Qualität der Gasversorgungsnetze"
Zahlen & Fakten
Schleppende Konjunktur lässt Energieverbrauch sinken
Literaturtipp
Energiesicherheit: Die neue Vermessung der Welt


Liebe Leser,

die neue Bundesregierung ist im Amt, und noch immer weiß keiner genau, wie es mit den Laufzeiten der Kernkraftwerke weitergehen soll. Sicher ist nur, dass es beim Neubauverbot bleiben wird. Laut Koalitionsvertrag sollen die deutschen Übertragungsnetze in eine unabhängige und kapitalmarktfähige Netzgesellschaft zusammengeführt werden. Wie das gehen soll, wenn der eine Übertragungsnetzbetreiber sein Höchstspannungsnetz schon verkauft hat, ein zweiter offensichtlich kurz davor steht und die beiden anderen ihre Netze behalten wollen, wird spannend sein zu beobachten.

Ansonsten finden sich im Koalitionsvertrag einige interessante Vereinbarungen bzw. Absichten. Die in der alten Koalition schon fast verabschiedeten Gesetze zu CCS und Energieeffizienz sollen endlich kommen. Das hohe Potenzial der Gebäudesanierung zum Erreichen der deutschen Klimaschutzziele ist erkannt und soll durch ein wirkungsvolles Sanierungsprogramm besser ausgeschöpft werden. Und "spätestens innerhalb des nächsten Jahres" will die Regierung ein neues, längst überfälliges Energiekonzept formulieren.

Eine interessante Lektüre wünscht
Rolf Sweekhorst 

 
 

Topthema

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Professor Dr. Christoph Weber im Interview: "Die Wechselmöglichkeiten für die Kunden haben sich deutlich verbessert."

Der Wettbewerb im deutschen Strom- und Gasmarkt nimmt weiter zu, sagt Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur (s. EnergieSzene 10/2009). Nach aktuellen Markterhebungen kann sich der Verbraucher beim Gas heute im Durchschnitt zwischen zwölf Anbietern entscheiden, beim Strom liegt die Zahl noch höher. Auch die Zahl der Lieferantenwechsel, die von vielen als ein Indikator für Wettbewerb angesehen wird, steigt sowohl in der Strom- als auch in der Gasversorgung dynamisch. In der Reduzierung der Gas-Marktgebiete sieht Kurth einen weiteren wesentlichen Baustein für mehr Wettbewerb. Im Interview mit der EnergieSzene beurteilt Prof. Dr. Christoph Weber die Entwicklung aus der Sicht des Energiewirtschaftswissenschaftlers.


Prof. Dr. Christoph Weber war von 1991 bis 2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart, wo er ab Frühjahr 1999 die Abteilung Energieanwendung und Energiemanagement leitete. Im Oktober 2004 hat Christoph Weber die Professur am Lehrstuhl für Energiewirtschaft an der Universität Duisburg-Essen übernommen.









Herr Professor Weber, laut Bundesnetzagentur entwickelt sich der Wettbewerb im deutschen Strom- und Gasmarkt dynamisch. Teilen Sie diese Einschätzung?


In dieser Form ist der Einschätzung kaum zu widersprechen. Insbesondere im Gasmarkt hat sich in den letzten zwei Jahren einiges getan, zumindest was die Anzahl der Anbieter betrifft. Wenn die Lieferantenwechselquote bei Gas von der Bundesnetzagentur für die Haushaltskunden mit knapp drei Prozent angegeben wird, so heißt dies, dass umgekehrt ein Kunde hochgerechnet im Durchschnitt zwischen dreißig und vierzig Jahren bei einem Lieferanten bleibt. So betrachtet, erscheint die Wechselintensität nach wie vor als nicht übermäßig hoch. Bei dieser Betrachtung bleiben allerdings die indirekten Effekte des Wettbewerbs unberücksichtigt: Denn der Wettbewerb führt auch dazu, dass etablierte Anbieter neue Angebote offerieren und viele Kunden neue Verträge beim bisherigen Lieferanten unterzeichnen. Insgesamt sind wir somit in Deutschland sicherlich nicht bei britischen Verhältnissen angelangt, jedoch haben sich die Wechselmöglichkeiten für die Kunden deutlich verbessert.

Warum kommt der Wettbewerb beim Gas nicht so schnell in Gang wie beim Strom?

Hier sehe ich zwei grundsätzliche Faktoren. Im Jahr 2008, auf das sich der Bericht der Bundesnetzagentur bezieht, sank die Anzahl der Marktgebiete nur von 14 auf zwölf. Erst zum Oktober 2009 ist die Anzahl auf jetzt sechs gesunken. Aber das ist immer noch das Sechsfache wie beim Strom. Andererseits sollte man auch überlegen, ob man entgegen der netztechnischen Gegebenheiten die Fiktion eines einheitlichen Marktes konstruieren will, oder ob dies längerfristig nicht anderweitige Kosten verursacht, insbesondere in Form einer erhöhten Regelenergieumlage. Auf jeden Fall ist aber die Anzahl der Marktgebiete ein Hindernis für den Endkundenwettbewerb. Damit verbunden ist auch die Frage der verbindlichen Buchung marktgebietsüberschreitender Transportkapazitäten.

Der zweite Grund für die geringere Wettbewerbsintensität im Gasbereich ist aus meiner Sicht die Liquidität auf der Großhandelsstufe. Wir sind in Deutschland und Europa mit erheblichen Kraftwerksüberkapazitäten in den Stromwettbewerb gestartet, und Anbieter ebenso wie Nachfrager haben die Gelegenheit genutzt, sich über den Großhandel zu optimieren. Damit war auch eine wichtige Voraussetzung für neue Markteintritte im Endkundenwettbewerb gegeben. Bei Gas haben wir letztendlich nur eine begrenzte Anzahl an ausländischen Lieferanten und typischerweise mehrjährige Lieferverträge. Hier hat sich erst mit der aktuellen Wirtschaftskrise ein Angebotsüberschuss ergeben, der von neuen Wettbewerbern im Endkundenmarkt ausgenutzt werden kann. Ob diese Situation längere Zeit anhält, ist aber fraglich.

Ist Wettbewerb ein Wert an sich oder sehen Sie auch andere Kriterien zur Beurteilung der Energiemärkte wie z. B. Versorgungssicherheit oder die Qualität angebotener Dienstleistungen?

Funktionierender Wettbewerb ist gerade dadurch gekennzeichnet, dass die Nachfrage der Kunden in Quantität und Qualität bestmöglich erfüllt wird. Dies gilt auch für die Energiemärkte. Wenn es eine Nachfrage der Kunden nach qualitativ hochwertigen Energiedienstleistungen gibt, so sollte diese auch und eigentlich erst recht in einem wettbewerblich organisierten Markt befriedigt werden. Und der Bereich des Energie-Contracting hat sich ja in den letzten Jahren dynamisch entwickelt. Es gibt sicherlich Fälle von Marktversagen, aber auch da sollte der Staat sich genau überlegen, ob und gegebenenfalls wie er die Situation durch sein Eingreifen verbessern kann. Versorgungsqualität, soweit sie von der Netzqualität abhängig ist, muss aber sicherlich bei der Netzregulierung berücksichtigt werden.

Schwarz-Gelb setzt sich laut Koalitionsvertrag für die Zusammenführung der deutschen Übertragungsnetze in eine "unabhängige und kapitalmarktfähige Netzgesellschaft" ein. Halten Sie ein solches Vorgehen für zielführend?

Grundsätzlich ist aus meiner Sicht eine gemeinsame bundesdeutsche Bewirtschaftung der Stromübertragungsnetze sinnvoll. In Anbetracht der teilweise schon sehr konkreten Pläne zum Verkauf der Übertragungsnetze bei E.ON und Vattenfall bin ich nicht sicher, ob der Wunsch der neuen Bundesregierung realisierbar ist - RWE und EnBW wollen ja auf der anderen Seite ihre Netze nicht verkaufen. Eine denkbare Lösung wäre die gemeinsame Bewirtschaftung der Übertragungsnetze bei fortbestehendem getrenntem Eigentum, ein Modell das im angelsächsischen Raum unter dem Stichwort "Independent System Operator" firmiert. Ob sich die Beteiligten hier über ein umfassendes gemeinsames Konzept verständigen können, muss sich zeigen - es müsste idealerweise die gemeinsame Bewirtschaftung der Regelenergie beinhalten, aber noch weit darüber hinaus gehen.

 

 

 

 
Strom-Übertragung

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E.ON-Übertragungsnetz geht an TenneT

Die im Interview (s. o.) von Professor Christoph Weber noch vor Bekanntwerden des Verkaufs des E.ON-Übertragungsnetzes geäußerten Zweifel, ob der Wunsch der neuen Bundesregierung nach einer Zusammenführung der deutschen Übertragungsnetze in eine unabhängige und kapitalmarktfähige Netzgesellschaft überhaupt realisierbar ist, sind offensichtlich mehr als berechtigt. Bei Vattenfall steht die Übernahme des Übertragungsnetzes durch ein Finanzkonsortium dem Vernehmen nach kurz vor dem Abschluss, und E.ON hat vor wenigen Tagen eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Danach verkauft der Düsseldorfer Konzern sämtliche Anteile seiner Tochtergesellschaft Transpower Stromübertragungs GmbH - kurz transpower - und damit sein nicht ganz 11.000 Kilometer langes Höchstspannungsnetz zum 31. Dezember an den niederländischen Netzbetreiber TenneT. Die deutschen regionalen Verteilnetze sind davon nicht betroffen und bleiben laut Mitteilung "elementarer Bestandteil des Infrastrukturgeschäftes von E.ON Energie". Der vorläufige Kaufpreis beträgt unter Berücksichtigung der im Unternehmen vorhandenen Barmittel 1,1 Milliarden Euro. Die beiden Aufsichtsgremien haben das Geschäft abgesegnet, die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus. Mit dem Verkauf des Übertragungsnetzes erfüllt E.ON fristgerecht eine vor knapp zwei Jahren gegenüber der EU-Kommission abgegebene Verpflichtung, zu der auch die Abgabe erheblicher Erzeugungskapazitäten gehörte.

"Durch die Zusammenführung der Netze von TenneT und transpower entsteht das erste grenzüberschreitende Strom-Übertragungsnetz in Europa. Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Integration des europäischen Elektrizitätsmarktes", sagte E.ON-Chef Wulf Bernotat anlässlich der Unterzeichnung der Verträge. Maria van der Hoeven, die als Wirtschaftsministerin für den einzigen Anteilseigner von TenneT, den niederländischen Staat, spricht, sieht unter anderem Vorteile für das Strompreisniveau in unserem Nachbarland: "Die Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg ermöglicht es, Leistungsreserven auf effiziente Weise mit anderen Ländern zu teilen und Krisen zu bewältigen. Mehr Import von relativ preisgünstigem Strom aus dem Ausland kann zum Vorteil der Abnehmer für einen Druck in Richtung niedrigere Preise und zu einer zunehmenden Konkurrenz auf dem niederländischen Strommarkt sorgen."

Bei TenneT sieht man die Übernahme von transpower als wichtigen Schritt zur Integration des europäischen Energiemarktes. So müsse beispielsweise die großmaßstäbliche Integration der Windenergie im europäischen Maßstab stattfinden. Mit transpower werde man ein Unternehmen übernehmen, das sehr viel Erfahrung mit dem Anschluss von Offshore-Windenergie, mit Windprognosen und mit dem Auffangen von Fluktuationen im Netz gesammelt habe. Außerdem verschaffe die Übernahme von transpower den Niederlanden Zugang zu einem größeren Produktionsanlagenpark und einem diversifizierten Brennstoffmix.

 
Innovationen

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Zeitenwende für die Energiewirtschaft

 "Wir stehen an der Schwelle eines neuen Energiezeitalters." Diese Meinung vertrat Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), auf dem 1. BDEW-Innovationsforum der Energiewirtschaft in Berlin. Eine der Kernaufgaben liege in der "aktiven Mitgestaltung des Wandels". Die Energieversorger wandelten sich zu Energiedienstleistern, die Ansprüche der Kunden würden weiter steigen, der Energieverbrauch der privaten Haushalte werde sich stark verändern, umriss sie die Zukunftserwartungen. "Der Energiemarkt bis 2020 ist geprägt von weiteren Energieeffizienzverbesserungen." Strom als Modernisierungsenergie sei ein Teil der Lösung, Erdgas als umweltfreundlichster fossiler Energieträger, der sich mit erneuerbaren Energien kombinieren lasse, spiele seine Rolle als längerfristiges Bindeglied. "Die Gaswirtschaft hat sich schon vor Jahren des Themas umweltfreundliche Mobilität angenommen, jetzt folgt die Stromwirtschaft", sagte Müller.

Nach einer BDEW-Umfrage bei den Mitgliedsunternehmen führt die deutsche Energiewirtschaft derzeit mehr als 1.250 innovative Projekte im Bereich Forschung und Entwicklung durch. Hinzu komme eine große Zahl an Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, die von den Energieversorgern angestoßen und dann von den Anlagen- und Komponentenherstellern geleistet würden, so Müller. "Unser Land braucht gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten Investitionen in die Infrastruktur. Die Energiewirtschaft will in den kommenden Jahren Milliardenbeträge in den Kraftwerks-, Leitungs- und Speicherbau investieren. Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung ist eine gute Ausgangsbasis, um die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen."

"Wir müssen uns den gesellschaftlichen und politischen Trends stellen", sagte Jörg Kruhl, Leiter technische Grundsatzfragen und neue Technologien bei der E.ON Energie AG. Zu den wesentlichen Trends zählt er die CO2-Reduktion, Ökologie und Nachhaltigkeit, die Dezentralisierung/Autonomie sowie die politische Einflussnahme, die in den letzten Jahren immer stärker geworden sei. "Die Energieversorgung steht vor einer Zeitenwende." Die Bausteine der Erzeugung reichten von der Kernenergie über die fossilen und die erneuerbaren Energien bis zum Strom aus der Wüste. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien und einer veränderten Nachfrage ergäben sich auch neue Anforderungen an Kraftwerke. "Der Systemgedanke rückt in den Vordergrund." Schlüsseltechnologien seien Flexibilität in der Erzeugung, Verbrauchsmanagement und beim Stromtransport Super Grids und Smart Grids. Bei der Speicherung von Strom gebe es nicht die Lösung, alle Ansätze müssten verfolgt werden. Eine Million Elektroautos im Jahr 2020 stellten für die Erzeugung kein Problem dar. Der Stromverbrauch des Verkehrs liege heute bei drei Prozent und werde durch die Elektroautos auf fünf bis sechs Prozent steigen. Aber eine ungesteuerte Aufladung würde zusätzliche Erzeugungskapazitäten erfordern. Informations- und Kommunikationstechniken seien daher erforderlich. Das Smart Home biete die Chance für neue Dienstleistungen. "Wir müssen uns frühzeitig kümmern, sonst machen das die anderen."

 
IEU

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Vollgas für den Klimaschutz: IEU fordert Verdopplung des Modernisierungstempos

Um 80 bis 95 Prozent soll der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids in den Industriestaaten bis zum Jahr 2050 sinken. Außerdem will sich die EU bis 2020 statt der schon vereinbarten 20 Prozent eine Minderung der Treibhausgase um 30 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 zum Ziel setzen - wenn sich weitere internationale Partner anschließen. Auf derart ambitionierte Verhandlungspositionen haben sich kürzlich in Luxemburg die Umweltminister der Europäischen Union im Vorfeld der Weltklimakonferenz, die im Dezember in Kopenhagen stattfinden wird, geeinigt. In der dänischen Hauptstadt sollen im Verlauf der "5. Vertragsstaatenkonferenz des Kyoto-Protokolls" die Verhandlungen über ein umfassendes Klimaschutzabkommen für die Zeit nach 2012 weitergeführt werden. Ende 2012 läuft die erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls aus.


"Wie auch immer die Verhandlungen in Kopenhagen verlaufen und auf welche Ziele sich die Konferenz am Ende einigt, an Erdgas führt beim Klimaschutz kein Weg vorbei", stellte der Sprecher der Initiative Erdgas pro Umwelt (IEU), Bernhard Funk, im Vorfeld des Gipfels klar. Gerade im Wärmemarkt sind nach Überzeugung der IEU große Einsparpotenziale vorhanden. Hierzu sei eine Neubewertung von Erdgas im Kontext von Gesetzesvorgaben und Förderprogrammen vonnöten. "Die derzeitige Modernisierungsquote bei der Heizungssanierung ließe sich schon heute steigern. Hierfür müssen jetzt die richtigen Weichen gestellt werden", so Funk.

Klimaschutz im Heizungskeller

Die IEU sieht eine große Chance zur Verringerung der CO2-Emissionen in der Nutzung moderner Erdgas-Brennwerttechnik im Heizungskeller. "Der Austausch veralteter Heizsysteme gegen moderne Erdgas-Brennwertheizungen ermöglicht enorme CO2-Einsparungen, insbesondere bei Bestandsimmobilien", bekräftigt IEU-Sprecher Funk. "Würde man beispielsweise bis 2020 rund zehn Millionen modernisierungsbedürftige Heizungsanlagen durch modernste, vor allem mit Erdgas betriebene Wärmesysteme austauschen, ließen sich etwa 85 Millionen Tonnen CO2 einsparen, und Deutschland hätte zumindest sein ursprünglich für 2020 gesetztes Klimaziel erreicht." Gerade in den letzten Jahren hat die Heizgeräteindustrie viel in den Innovationsfortschritt der Brennwerttechnik investiert. Mit dem Ergebnis, dass bis zu 99 Prozent der eingesetzten Energie in Wärme umgesetzt wird. "Es geht praktisch keine Energie mehr verloren. Und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gibt es derzeit keine bessere Heiztechnologie als die Erdgas-Brennwerttechnik", sagt Bernhard Funk.

Der Weg zu den erneuerbaren Energien führt, so die IEU, im Heizungsmarkt über die Kombination von Erdgas-Brennwertheizungen und Solarthermie. Erdgas ist der klimaschonendste fossile Brennstoff. Er setzt deutlich weniger CO2 und Feinstaub frei als Öl oder Kohle. Als Bioerdgas ist Erdgas sogar selbst eine erneuerbare Energie. Bioerdgas spart gegenüber dem ohnehin klimaschonenden Erdgas weitere 50 Prozent CO2-Emissionen ein. Mit Erdgas lässt sich besonders effizient heizen. Für die gleiche Leistung benötigt Erdgas-Brennwerttechnik bis zu 40 Prozent weniger Energie als herkömmliche Heizungen. Ein weiteres Argument für die IEU: Erdgas ist verlässlich, die Gaswirtschaft sorge für eine sichere Versorgung Deutschlands und Europas mit Erdgas.

Deshalb dürfe die Politik nicht allein den Ausbau erneuerbarer Energien konsequent weiterverfolgen, meint Bernhard Funk. Sie müsse auch eine Neubewertung des klimaschonenden Energieträgers Erdgas vornehmen und Fördermaßnahmen in Bezug auf die eingesetzte Energie und Technologie offen gestalten. "Entscheidend ist insbesondere eine Verdopplung des Modernisierungstempos. Um dies zu erreichen, müssen die Investitionsanreize verdoppelt werden, wie es beispielsweise im Saarland und in Sachsen der Fall ist", fordert Funk mit Nachdruck. "Wir sehen hier auch die neue Bundesregierung in der Pflicht. Sie hat in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, die derzeitige Sanierungsquote  steigern zu wollen. Der Bund sollte daher seine Förderung für den Heizungstausch verdoppeln. Das wäre ein wichtiger Beitrag für Konjunktur und Klima."


Neuer Internet-Auftritt der IEU

Ab dem 26. November erreicht man unter der Adresse www.ieu.de den völlig neu gestalteten Auftritt der Initiative Erdgas pro Umwelt. Schon auf der Startseite (s. Abbildung) werden die wichtigsten und aktuellsten Meldungen kurz angerissen, über Links gelangt man direkt zu vertiefenden Informationen. Die Übersicht in der linken Spalte führt unmittelbar zu den Inhalten und Serviceangeboten des neuen Auftritts. Wichtige Rubriken sind hier Wärmemarkt, Energieeffizienz, Klimaschutz, Heiztechnik, aber auch der Bereich Daten und Fakten ist hier zu finden. Die rechte Spalte ist für wichtige Links zu anderen Internet-Auftritten und interessanten Dienstleistungen reserviert: Hier geht es beispielsweise direkt zur Fördermittel-Auskunft oder zu einem Energierechner, mit dessen Hilfe sich schnell ermitteln lässt, mit welchen Maßnahmen sich die Wärmeversorgung der eigenen Wohnung oder des eigenen Hauses effizienter gestalten lässt.

 

 

 

 
EnergieSzene Berlin

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Geteiltes Echo auf Regierungsprogramm

Die neue Bundesregierung ist im Amt, die Energiepolitik der nächsten Jahre ist im Koalitionsvertrag mehr oder weniger festgelegt. Bei Verbänden und in der Wirtschaft stoßen viele Vereinbarungen auf Zustimmung, einzelne Punkte stehen jedoch deutlich in der Kritik. So beurteilt der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) den Koalitionsvertrag generell positiv, mit Sorge sieht der VIK allerdings das CO2-Minderungsziel von 40 Prozent bis 2020. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland glaubt nicht, dass man dieses Ziel mit diesem Regierungsprogramm erreichen kann. Die Deutsche Umwelthilfe bezeichnet den Vertrag als "Wünsch-dir-was-Katalog". An der Aufgabe, daraus eine konsistente Energie- und Klimaschutzstrategie zu machen, müsse der neue Umweltminister Norbert Röttgen scheitern. Dieter Attig vom Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung bezweifelt, dass es möglich sein wird, "an der öffentlichen Meinung gnadenlos vorbei eine Laufzeitverlängerung durchzusetzen". Der Bundesverband Haus-, Energie- und Umwelttechnik sieht den Vertrag als "starkes Zeichen für einen progressiven Klima- und Ressourcenschutz im Wärmemarkt". Der Verband kommunaler Unternehmen wiederum erwartet, dass die Gewinne aus der Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke größtenteils abgeschöpft werden, um den Stadtwerken den Ausbau einer dezentralen und zukunftsfähigen Energieversorgung zu ermöglichen. Hildegard Müller vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft sieht in dem Koalitionsvertrag "eine solide Basis". Entscheidend aber werde sein, "wie die Rahmenbedingungen des angekündigten energiepolitischen Gesamtkonzepts aussehen werden".


Energiepolitische Vereinbarungen im Koalitionsvertrag

Die Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken war Bestandteil der Wahlprogramme von CDU/CSU und FDP. Der Koalitionsvertrag bezeichnet die Kernenergie als "Brückentechnologie, bis sie durch erneuerbare Energien verlässlich ersetzt werden kann". Das Neubauverbot bleibt bestehen. Nähere Regelungen zur Laufzeitverlängerung werden in einer Vereinbarung mit den Betreibern getroffen.
Nachfolgend weitere energiepolitische Vereinbarungen und Absichtserklärungen zur Energiepolitik der schwarz-gelben Koalition:
- Spätestens innerhalb des nächsten Jahres wird die Regierung ein neues Energiekonzept formulieren.
- Die Koalition bekräftigt die Absicht, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent zu senken.
- Die erneuerbaren Energien werden ausgebaut und sollen den Hauptteil an der Energieversorgung übernehmen.
- Das EEG und der unbegrenzte Einspeisevorrang bleiben erhalten, gleichzeitig soll die Förderung wirtschaftlicher und effizienter gestaltet werden. Zum 1.1.2012 wird eine EEG-Novelle auf den Weg gebracht.
- Die Planungsverfahren im Leitungsbau werden weiter beschleunigt.
- Die deutschen Übertragungsnetze sollen in eine unabhängige und kapitalmarktfähige Netzgesellschaft zusammengeführt werden.
- Die Bedingungen für die Biogas-Einspeisung im Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz werden verbessert.
- Beim Thema Energieeffizienz will die Koalition stärker auf Anreiz und Verbraucherinformation setzen als auf Zwang.
- Das hohe Potenzial, dass die Gebäudesanierung für der Erreichung der deutschen Klimaschutzziele hat, soll durch ein wirkungsvolleres CO2-Gebäudesanierungsprogramm ausgeschöpft werden.
- Der Bau hocheffizienter Kohlekraftwerke wird weiterhin ermöglicht. Dazu wird zeitnah die CCS-Richtlinie der EU umgesetzt.
- Zur Sicherung einer transparenten Preisbildung im Stromgroßhandel wird zeitnah eine Markttransparenzstelle eingerichtet.
- Die Zahl der Gasmarktgebiete wird auf höchstens zwei reduziert.
- Es wird ein neues Energieforschungsprogramm mit den Schwerpunkten Energieeffizienz, Speichertechnologien, intelligente Netztechnik und Biokraftstoffe entwickelt.
- Es wird eine technologieoffene Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie entwickelt, die alle alternativen Technologien und Energieträger berücksichtigt. Deutschland soll "Leitmarkt" für Elektromobilität werden. 

 
EnergieSzene Brüssel

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Kopenhagen: EU zeigt sich flexibel

Die EU will bei den UN-Klimaverhandlungen in Kopenhagen "eine konstruktive Rolle" spielen. Das betonte der Europäische Rat bei seiner jüngsten Zusammenkunft. Im Dezember will der Rat erneut zusammenkommen und dann "im Lichte der Verhandlungen" seine Beschlüsse fassen. Alle Staaten sollten ein klares Bekenntnis zum Zwei-Grad-Ziel ablegen. Dafür sei ein rechtlich verbindliches Abkommen für die Zeit ab 2013 erforderlich, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Der Ratsbeschluss hat deutlich gemacht, was wir als Europäische Union unter einem Erfolg verstehen. Wir brauchen ein Abkommen mit Zielen und Mechanismen für ein weltweites Handelssystem mit CO2-Zertifikaten."

Karl Falkenberg, Generaldirektor Umwelt bei der EU-Kommission, zeigte sich bei einer Diskussion im Europäischen Haus in Berlin hinsichtlich der Verhandlungen in Kopenhagen "relativ optimistisch, ich muss das in meiner Funktion auch sein." Den "Knackpunkt" sieht er in Zahlen: in den Zahlen zur Emissionsminderung, die so nah wie möglich an den wissenschaftlichen Vorgaben sein sollten, und vor allem in den Zahlen, die den Entwicklungsländern den Umbau ihrer Volkswirtschaften ermöglichen sollen. Europa müsse nach außen dokumentieren können, dass man dazu bereit sei. "No money, no deal", so seine Überzeugung. Karsten Sach, Unterabteilungsleiter Internationale Zusammenarbeit im Bundesumweltministerium, ist hoffnungsvoll, dass in Kopenhagen ein gutes Ergebnis erreicht wird, das dann im ersten Halbjahr 2010 in einen "Abkommenstext" gegossen werden könne.

 
ASUE News

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Effiziente Heizungstechnik: die Gaswärmepumpe

Hinsichtlich ihrer Effizienz ist die Erdgas-Brennwertheizung derzeit kaum zu übertreffen. Dies gilt umso mehr, wenn sie mit solarthermischer Unterstützung betrieben wird. Doch längst arbeiten die Hersteller an vergleichbar effizienten Systemen wie der Gaswärmepumpe, mit deren Hilfe sich neben der Solarwärme auch andere Formen von Umweltenergie nutzen lassen. Das Funktionsprinzip einer solchen Gaswärmepumpe beruht auf einer Kombination von Erdgas als Antriebsenergie und der Nutzung von Umweltwärme, die aus dem Erdboden, der Luft oder aus der Sonnenstrahlung über Sonden, Wärmeübertrager und Kollektoren gewonnen wird. "Die elektrisch betriebene Wärmepumpe arbeitet ähnlich. Deren Antriebsenergie muss allerdings erst im Kraftwerk erzeugt werden, ein Prozess, der mit hohen Umwandlungsverlusten verbunden ist. Die Gaswärmepumpe setzt den Primärenergieträger Erdgas hingegen unmittelbar ein", erläutert ASUE-Geschäftsführer Dr. Jochen Arthkamp den entscheidenden Vorteil der jüngeren technischen Entwicklung.
 

Gaswärmepumpen nutzen Umweltwärme, Abwärme und unmittelbar den eingesetzten Primärenergieträger Erdgas





Die Anforderungen an eine möglichst klimaschonende Heizungstechnik werden - politisch gewollt - immer größer. Dies betrifft sowohl die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien als auch die weitere Verbesserung der Primärenergieeffizienz. Mit der Gaswärmepumpe wird Hausbesitzern in naher Zukunft neben der Kombination von Gasbrennwertkesseln mit solarer Energieeinkopplung und Geräten, die nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) arbeiten, eine dritte Erdgastechnologie als besonders effiziente Alternative zur herkömmlichen Heizungstechnik angeboten werden. Aktuell werden von verschiedenen Herstellern unterschiedliche technische Entwicklungen von Gaswärmepumpen im kleinen Leistungsbereich vorangetrieben oder in Feldtests untersucht.

Die Technik

Das Unternehmen Bosch Thermotechnik entwickelt beispielsweise eine Wärmepumpe, die nach dem Diffusions-Absorptionsprinzip (DAWP) mit den Arbeitsmedien Ammoniak, Wasser und Helium arbeitet. Der Prozess beruht auf Dichte- und Konzentrationsunterschieden, die durch die von einem Erdgasbrenner erzeugte Wärme initiiert werden: Eine Ammoniak-Wasser-Lösung wird zum Sieden gebracht, das Ammoniak verdampft, wird einem Kondensator zugeführt und dort verflüssigt. Die abgegebene Kondensationswärme speist den Heizkreislauf. Anschließend wird das Ammoniak in einem Verdampfer mittels Diffusion in Helium erneut verdampft, wobei die dazu notwendige Wärme aus der Umgebung aufgenommen wird. Das entstandene Gemisch wird in einem Absorber verflüssigt. Auch die dabei abgegebene Wärme unterstützt den Heizkreislauf. Übrig bleibt eine wässerige Lösung, der Kreislauf beginnt von vorne. Nach erfolgreich verlaufenen Labortests wird derzeit die Alltagstauglichkeit des Geräts in einer Feldtestphase überprüft. Für die DAWP werden keine mechanischen Bauteile wie Pumpen oder Kompressoren benötigt. Keiner der eingesetzten Stoffe wird verbraucht oder nachhaltig verändert. Somit ist ein geräusch- und wartungsarmer Betrieb zu erwarten.

Viessmann und Vaillant setzen bei ihren Wärmepumpenentwicklungen auf ein Adsorptionsprinzip mit dem Medium Zeolith. Der Prozess erfolgt ebenfalls in einem hermetisch abgeschlossenen Modul. Deshalb ist bei diesen Entwicklungen, ebenso wie bei der DAWP, ein wartungsarmer Betrieb zu erwarten. In der Adsorptionsphase des Prozesses wird Wasser mittels Umgebungswärme verdampft. Dieser Wasserdampf wird vom Zeolith aufgenommen und gebunden, die frei werdende Adsorptionswärme wird an den Heizkreislauf abgegeben. In der anschließenden Desorptionsphase wird der mit Wasser gesättigte Zeolith durch Gasverbrennung erhitzt, erneut entsteht Wasserdampf. Dessen Wärmegehalt gelangt über einen Kondensator in den Heizkreislauf, und das Wasser  wird wieder dem Verdampfer zugeführt. Beide Geräte werden derzeit im Labor beziehungsweise in Feldtests unter Praxisbedingungen getestet.

Auf der ISH 2007 präsentierte ein japanischer Hersteller eine weitere interessante Entwicklung als Prototyp: eine mit Erdgas befeuerte Absorptionswärmepumpe mit integriertem Erdgasbrennwertgerät. Die Wärmepumpe mit einer Heizleistung bis zu 4,8 kW deckt dabei die thermischen Grundlast, das Brennwertgerät stellt bis zu 19 kW zusätzlich an Heizleistung zur Verfügung. Dieses Gerät bietet darüber hinaus eine Kühloption für ein bis zwei Räume mit bis zu 2 kW Kühlleistung. Erste Feldtests haben zufriedenstellende Ergebnisse gezeigt. Derzeit arbeitet das Unternehmen an einer Weiterentwicklung für die speziellen Anforderungen des europäischen Marktes.

Effizienter geht's kaum

Gaswärmepumpen zeichnen sich durch einen extrem hohen Nutzungsgrad von bis zu 135 Prozent aus. Bei einer durchschnittlichen Leistung von bis zu 10 kW eignen sich Gaswärmepumpen sowohl für den Einsatz im Neubau als auch für die heizungstechnische Modernisierung von Altbauten. Mit einer breiten Markteinführung effizienter Gasabsorptions- und Zeolith-Wärmepumpen für Ein- und Zweifamilienhäuser ist in den nächsten Jahren zu rechnen.
 

 

 

 

 
Klimaschutz

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"Klimaschutz ist wirtschaftlich machbar"

"Der Schlüssel für einen bezahlbaren Klimaschutz sind verbindliche und umgehend wirksame politische Rahmenbedingungen für das kommende Jahrzehnt", so Otmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Vermeidungsstrategien des Weltklimarats. "Klimaschutz ist wirtschaftlich verträglich und machbar. Für Europa macht sich der rechtzeitige Einstieg in einen umfassenden Klimaschutz sogar im Alleingang durch deutlich niedrigere Kosten bezahlt", sagte er bei der Vorstellung der Studie RECIPE (Report on Energy and Climate Policy in Europe), die vom PIK und vier weiteren europäischen Forschungsinstituten durchgeführt und von dem Finanzdienstleister Allianz SE und der Umweltstiftung WWF unterstützt wurde. Danach ergibt sich für Europa bis 2050 eine Wachstumsverzögerung von etwa einem Jahr, wenn die Kosten des Klimaschutzes und das Wirtschaftswachstum miteinander verrechnet werden. Das ohne Klimaschutzkosten prognostizierte Wohlstandsniveau würde statt 2050 somit 2051 erreicht. Dabei sind die drohenden, aber so vermiedenen Kosten durch Klimaschäden noch nicht berücksichtigt. Wird das kommende Jahrzehnt nicht genutzt, steigen laut RECIPE nicht nur die globalen CO2-Minderungskosten. Die Chance, die gefährlichen Folgen des Klimawandels noch aufhalten zu können, sinkt erheblich. Nach 2020 schließt sich das Handlungsfenster für ambitionierten Klimaschutz ganz. 

Der vollständige RECIPE-Bericht ist als PDF-datei unter www.pik-potsdam.de zum Download eingestellt.

 
Gasversorgung

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"Hohe Qualität der Gasversorgungsnetze"

Im Jahr 2008 lag die durchschnittliche Nichtverfügbarkeit von Gas in Deutschland je Letztverbraucher bei einer Minute. Dieser Wert sei ein Gradmesser für die hohe Qualität der deutschen Gasversorgungsnetze, so Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur. Die Behörde hat zur Ermittlung der vorgelegten Zahlen 45.900 Meldungen zu geplanten und 21.000 zu ungeplanten Unterbrechungen von 704 Gasnetzbetreibern ausgewertet hat. "Ich appelliere an die Unternehmen, nachhaltig Vorsorge zu treffen, damit dieses hohe Niveau auch in Zukunft gehalten werden kann." Im Jahr 2007 habe der Wert noch bei vier Minuten gelegen. "Allerdings hat die höhere durchschnittliche Nichtverfügbarkeit des Vorjahres ihren Grund in singulären Ereignissen wie Großstörungen."

Nach Angaben der Bundesnetzagentur wurde der Wert für die Versorgungszuverlässigkeit in Deutschland in Anlehnung an die international anerkannten Methoden für Stromnetze berechnet. 

 
Zahlen & Fakten

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Schleppende Konjunktur lässt Energieverbrauch sinken

Der schleppende Konjunkturverlauf hinterlässt weiterhin deutliche Spuren beim Energieverbrauch in Deutschland, berichtet die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB). Vor allem Erdgas und Steinkohlen sowie verschiedene Mineralölprodukte seien von der Rezession betroffen. Nach vorläufigen Berechnungen habe der Verbrauch an Primärenergieträgern nach neun Monaten mit 331,7 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten um 6,4 Prozent unter dem Verbrauch im Vorjahreszeitraum gelegen. Für das gesamte Jahr sei angesichts einer leichten konjunkturellen Erholung mit einem Minus von knapp sechs Prozent zu rechnen.

Nach ersten Erhebungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ist der deutsche Strom- und Gasabsatz in den ersten neun Monaten dieses Jahres um jeweils rund sieben Prozent zurückgegangen. Abgesetzt wurden 384 Milliarden Kilowattstunden Strom sowie 633 Milliarden Kilowattstunden Gas. Laut BDEW ist das der stärkste Rückgang, den die Strom- und Gaswirtschaft seit der Wiedervereinigung Deutschlands zu verzeichnen hatte. Als wichtigsten Grund für den Rückgang nennt der Verband die anhaltend verminderte Industrieproduktion. Bereits seit Oktober 2008 führten die Produktionseinbußen in energieintensiven Branchen zu einem niedrigeren Energiebedarf in Deutschland. So sei der Strom- und Gasverbrauch allein in der Industrie um schätzungsweise 14 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gesunken.

 
Kopf des Monats

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Dr.-Ing. Jürgen Großmann

"Guttenberg war ein guter Wirtschaftsminister. Wir hatten uns gerade aneinander gewöhnt. Er ist seinen Weg gegangen, ohne populistisch zu sein."

Im Interview mit der Rheinischen Post bezieht RWE-Chef Großmann Stellung zum Wechsel an der Spitze des Wirtschaftsministeriums. Brüderle sei ebenfalls marktwirtschaftlich verankert und werde seinen Job "sicher ähnlich gut machen wie sein Vorgänger". Im Übrigen stehe das Angebot für einen Energiepakt zwischen Unternehmen, Großverbrauchern und Politik. Allerdings brauche man sachorientierte Debatten und keine Gipfel, die zur Befriedigung des Medieninteresses auf möglichst viele Teilnehmer setzten.

Dr.-Ing. Jürgen Großmann verantwortet als Vorstandsvorsitzender der RWE AG die Ressorts Energiepolitik, Veränderungsmanagement, Investor Relations, Kommunikation, Führungskräftemanagement und Revision. Vor seinem Eintritt in die RWE AG war der Eisenhüttenkundler und Wirtschaftswissenschaftler Geschäftsführender Gesellschafter der Georgsmarienhütte Holding GmbH.

 
Literaturtipp

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Sascha Müller-Kraenner: Energiesicherheit - Die neue Vermessung der Welt

Bei aller Begeisterung über neue Töne in der internationalen Außenpolitik bleibt dem Beobachter nicht verborgen, dass insbesondere große Infrastrukturprojekte wie Nordstream, Southstream oder Nabucco in hohem Maße politisiert sind. Die USA nutzen das volle Repertoire von Diplomatie bis Drohung, um Projekte zu fördern oder zu behindern. Insbesondere der Zugang zu Kaukasus und Kaspischer Region ist wichtig im geostrategischen Spiel um Ressourcen. Darum geht es in dem vorliegenden Band. Sascha Müller-Kraenner analysiert die Rolle strategischer Machtpolitik für die Sicherung der nationalen Energieversorgung. Er fragt, ob es eine Alternative zu dieser immer riskanter werdenden Großmachtpolitik gibt, die Länder wie China, die USA und Russland derzeit verfolgen. Seine These: Energie- und Ressourcenfragen, Umweltschutz und sicherheitspolitische Interessen sind nur als Einheit zu denken und müssen im Rahmen einer internationalen kooperativen Energiepolitik behandelt werden.
 


238 Seiten
München 2007
ISBN: 978-3-88897-470-0
19,90 Euro

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