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News und Trends aus der Energiewirtschaft
| Â Oktober 2008 |
|  | Topthema  | Zum Seitenanfang | "Chic, Chic, Chic!" - Die Strom erzeugende Heizung
| In die Heizungskeller kommt Bewegung. Bundesbauminister Tiefensee hat das Projekt Callux gestartet. In einem groß angelegten Praxistest mit über 800 Brennstoffzellenheizgeräten in Kellern privater Ein- und Zweifamilienhäuser soll über einen Zeitraum von acht Jahren die Praxistauglichkeit der zukunftsträchtigen Technik getestet werden. "Ziel ist es, bis 2015 Brennstoffzellenheizgeräte an den Markt zu bringen, um eine wirkliche Alternative zu herkömmlichen Geräten zu schaffen. Die Brennstoffzellentechnik holt die hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung in jedes Haus. Sie produziert Strom und nutzt die Abwärme als Nutzwärme. Das spart bis zu 30 Prozent Primärenergie", sagte Tiefensee. Als Brennstoff wird in dem Praxistest Erdgas verwendet, aus dem Wasserstoff gewonnen wird.
An dem Callux-Konsortium sind neben der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) als Koordinator die Heizgerätehersteller Baxi Innotech, Hexis, Vaillant und Viessmann, die Energieversorger EnBW, E.ON, EWE, MVV und VNG sowie das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Stuttgart beteiligt. Von den Gesamtkosten, die mit insgesamt 86 Millionen Euro angegeben werden, übernimmt das Bundesbauministerium rund 40 Millionen Euro.
Fast ebenso alt wie die Erfindung des Brennstoffzellenprinzips ist die des Stirling-Motors. Doch anders als die Brennstoffzelle geht die Kraft-Wärme-Kopplungsanlage mit Stirling-Motor schon jetzt in die Serienproduktion, und zwar im spanischen Baskenland. "WhisperGen", die Strom erzeugende Heizung auf Erdgasbasis für Ein- und Zweifamilienhäuser, leistet thermisch 7,5 bis zwölf Kilowatt und elektrisch ein Kilowatt. Mit einem geräusch- und vibrationsarmen Stirling-Motor versehen, erreicht das Gerät von der Größe eines Kühlschranks eine rund zehnprozentige Primärenergieersparnis im Vergleich zur getrennten Erzeugung von Wärme auf Brennwertbasis sowie Strom und reduziert die CO2-Emissionen eines typischen Einfamilienhauses jährlich um eine Tonne.
Einer der Vertriebspartner in Deutschland - auch die MVV hat Interesse angemeldet - wird der Berliner Gasversorger Gasag. "Die Brennstoffzelle ist eine Technologie für morgen. Wir können jedoch nicht auf morgen warten", so Andreas Prohl, Vorstand für Vertrieb und Technik, mit Blick auf den bis 2015 angelegten Feldtest für Brennstoffzellen. In Berlin ist der Feldtest mit 22 der Mikro-KWK-Anlagen WhisperGen bereits erfolgreich absolviert, europaweit sind mehr als 400 dieser Anlagen im Einsatz.
Eine "leise Revolution" erwartet die Efficient Home Energy (EHE) vom WhisperGen. "Er wird herkömmliche Heizkessel langsam verdrängen." EHE ist ein Kooperationsprojekt der baskischen Mondragon Corporation Cooperativa, nach Umsatz berechnet siebtgrößtes Unternehmen Spaniens und schon heute wichtiger Zulieferer für die europäische Heizungsindustrie, und der neuseeländischen Whisper Tech Limited, die den vor rund 200 Jahren entwickelten Stirling-Motor für die Nutzung im Heizungskeller weiterentwickelt hat. Bis Ende 2012 sollen in einer ehemaligen Papierfabrik nahe Tolosa in der Nähe von San Sebastian bis zu 250 Arbeitsplätze in der Montage entstehen, ein Großteil der Komponenten wird von weiteren MCC-Standorten im Baskenland beigesteuert. 30.000 WhisperGens will EHE im kommenden Jahr produzieren und auf die europäischen Märkte bringen.
Der Neuseeländer Don Clucas begann seine Entwicklungsarbeiten am WhisperGen zunächst für den Einsatz auf Segelyachten. Schon bald richtete sich das Interesse auf die Erzeugung von Wärme und Strom für Gebäude. Doch Neuseeland ist dafür nicht das richtige Pflaster, zumal das Land nicht über eine Erdgasinfrastruktur verfügt. Deshalb jetzt der Schritt nach Europa. Auch für andere Länder wie China hält Clucas den WhisperGen für nutzbar. Und auf der Heimreise vom Baskenland nach Neuseeland wird er einen Zwischenstopp in Kanada einlegen, um dort das nordamerikanische Interesse für die unkonventionelle Technik auszuloten. So unkonventionell wie der WhisperGen ist auch die baskische Ministerin für Industrie, Handel und Tourismus, Ana Agirre. Bei der Feier zum Serienstart lobte sie das Projekt wegen der Vorteile für das Klima und die wirtschaftliche Entwicklung des Baskenlandes. Von ihrem schwarzen T-Shirt leuchtete den Zuhörern in roter Schrift entgegen: "Chic, Chic, Chic!" |  |
Liberalisierung  | Zum Seitenanfang | Messwesen für Strom und Gas wird moderner
| Mit der Öffnung des Messwesens im Strom- und Gasbereich für den Wettbewerb will das Bundeswirtschaftsministerium den Verbrauchern einen zusätzlichen Anreiz geben, die Möglichkeiten des Wettbewerbs und der Energieeinsparung zu nutzen. Ergänzend zum Gesetz zur Öffnung des Messwesens hat das Kabinett jetzt eine Verordnung verabschiedet, die in Kürze in Kraft treten soll. "Mit der Marktöffnung des Messwesens bei Strom und Gas setzt die Bundesregierung ein weiteres Signal für Wettbewerb in der leitungsgebundenen Energieversorgung", so Bundeswirtschaftsminister Michael Glos. "Durch den Wettbewerb erhalten die Verbraucher neue Möglichkeiten bei der Anbieterwahl. Sie bekommen damit auch einen besseren Zugang zu modernen Zählertechnologien. Wer dies will, kann sich künftig Messgeräte einbauen lassen, die ihm bessere Informationen als bisher über seinen aktuellen Energieverbrauch geben. Ich setze auf den mündigen und verantwortungsbewussten Verbraucher, der von solchen Angeboten auch wirklich Gebrauch macht."
In der Folge der Liberalisierung des Messwesens wird künftig jeder Stromverbraucher, egal ob Industrieunternehmen, Gewerbebetrieb oder Hauhaltskunde, die Möglichkeit haben, sich auch hinsichtlich der Messung der eigenen Verbrauchswerte gegen den angestammten örtlichen Netzbetreiber und für einen Dienstleistungsanbieter seiner Wahl zu entscheiden. Spätestens ab 2010 müssen Zähler angeboten werden, die mehr können als die sattsam bekannte "Drehscheibe" mit dem angekoppelten Zählwerk. Eine der wichtigsten zusätzlichen Funktionen ist die Messung und Übermittlung aktueller Informationen zu den Verbrauchswerten und deren vergleichende Darstellung (Smart Metering). Damit soll der Kunde beispielsweise in die Lage versetzt werden, die "Energiefresser" in seinem Haushalt zu identifizieren, um sie sparsamer einzusetzen oder um deren Verbrauch in tarifgünstigere Zeiten zu verlagern.
Die schnelle, systematische und großflächige Installation einer neuen Zählerinfrastruktur ist nach Ansicht von Professor Reinhard Madlener, der an der RWTH Aachen das Institute for Future Energy Consumer Needs and Behavior des E.ON Energy Research Centers leitet, unverzichtbar, um privaten Haushalten genügend Anreize zu bieten für die Nutzung vorhandener Energiesparpotenziale. Madlener und seine Mitarbeiter haben in den letzten Monaten untersucht, welche Rolle Smart Metering in den Planungen der Unternehmen spielt und welche Ziele damit verfolgt werden. Sein Schluss aus den Ergebnissen der Studie: Wenn die deutsche Regulierungsbehörde den Einsatz von Smart Metering weiter vorantreiben will, sollte sie allgemeingültige technische Mindestanforderungen wie zum Beispiel einheitliche Standards für die Datenübertragung und Datenprotokolle entwickeln und gleichzeitig großflächige Roll-outs fördern, wie das in anderen europäischen Ländern längst geschehen ist.
EnBW bietet Smart Metering flächendeckend an
Werden bisher in Deutschland, wenn überhaupt, fast ausschließlich Pilotstudien zu den technischen, finanziellen und Energie sparenden Aspekten dieser neuen Technologie durchgeführt, so geht der baden-württembergische Energiekonzern Energie Baden Württemberg (EnBW) nun einen Schritt weiter. Ab sofort bietet das Unternehmen seinen Privatkunden, die in Häusern mit maximal sechs Wohneinheiten wohnen, den intelligenten Stromzähler in Serie an. Damit, so Vorstandschef Hans-Peter Villis, gebe sein Unternehmen in Deutschland den Startschuss für eine neue Ära, in der Verbraucher ihren Energiehaushalt selbst analysieren und selbst steuern könnten. Der neue Zähler sendet seine Daten in Echtzeit an den DSL-Router des Kunden, der diese dann an seinem Computer - sekundengenau oder als gemittelte 15-Minuten-Werte - auswerten kann. Kunden, die ihren Stromverbrauch in die Abend- und Nachtstunden oder in das Wochenende verlagern, erhalten für diese Zeiträume einen Bonus von 2,8 Cent pro Kilowattstunde. Ganz ohne Kosten können EnBW-Kunden das neue Angebot allerdings nicht in Anspruch nehmen. Wer mithilfe der neuen Zähler Strom sparen möchte, muss dafür einmalig knapp 100 Euro zahlen. Und der Bonus-Tarif kostet im Grundpreis sechs Euro pro Monat mehr als der Normaltarif. Mit anderen Worten: Wer mehr als 215 Kilowattstunden pro Monat in die günstigeren Zeiten verlegt, spart laufende Kosten und holt sich auf diese Weise früher oder später auch die 100 Euro zurück. Erfolgreiche Energiesparer sind natürlich sehr viel früher im Plus. Das Unternehmen rechnet mit 45.000 Privatkunden, die in den nächsten drei Jahren auf die neue Technologie umsteigen werden. In einer vorgeschalteten einjährigen Testphase hatte nach Angaben von EnBW jeder dritte Testkunde seinen Stromverbrauch um mehr als zehn Prozent reduzieren können.
Ausführliche Informationen zu diesem neuen EnBW-Angebot sind im Internet unter www.enbw.com/stromzaehler abrufbar.
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EnergieSzene Berlin  | Zum Seitenanfang | Rückkehr zur realen Wirtschaft - Klimaschutzziele erreichbar
| Die Finanzkrise eröffnet nach Ansicht von Bundesumweltminister Gabriel neue Chancen für klassische Investitionen in Klimaschutz- und Effizienztechnologien. Er wandte sich gegen Befürchtungen, die Aufwendungen für Klimaschutz könnten angesichts der aktuellen weltweiten Probleme zurückgehen und die Klimaziele so unerreichbar werden. Gabriel sieht durch die Finanzkrise das "Ende der virtuellen Ökonomie und die Rückkehr zur realen Wirtschaft" markiert. "Für alle Technologien, die Energie und Rohstoffe effizienter nutzen oder erneuerbare Ressourcen erschließen, wird in den nächsten Jahren ein sehr großer internationaler Markt entstehen. Investitionen in diesen Markt sind allemal lohnender als das, was von Spekulationen abhängt und eine virtuelle Wirtschaft geworden ist." Erfolgreiche Klimapolitik schaffe Wachstumsmärkte, Arbeitsplätze und erhöhe die Energiesicherheit.
"Im Hinblick auf die wachsenden Gefahren des Klimawandels würden wir die Zukunft der nachwachsenden Generationen aufs Spiel setzen, wenn wir wegen der aktuellen Probleme den langfristigen Klimaschutz vernachlässigen würden", betonte Gabriel. "Deshalb dürfen wir keine Zeit mehr verlieren." Der Umweltminister ist zuversichtlich, dass Mitte 2009 eine neue US-Administration ihr eigenes Klimaprogramm vorlegen wird und dann auch China, Indien und weitere Schlüsselstaaten der Schwellen- und Entwicklungsländer bereit sein werden, mitzumachen. "Im Dezember 2009 wollen wir dann in Kopenhagen ein neues internationales Klimaschutz-Abkommen beschließen." |  |
EnergieSzene Berlin  | Zum Seitenanfang | Ferngasnetz soll in Anreizregulierung einbezogen werden
| Ab dem 1. Januar 2010 sollen auch die überregionalen Gas-Fernleitungsnetzbetreiber der Anreizregulierung unterliegen. Das kündigte Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, an. Die Transportunternehmen von E.ON, Wingas sowie Gasunie müssten nun innerhalb der nächsten zwei Monate Kostenunterlagen vorlegen und würden einem Effizienzvergleich unterzogen. Verfahren gegen sieben weitere Netzbetreiber würden "zeitnah" abgeschlossen. In den bisher ergangenen drei Entscheidungen werde im Einvernehmen mit dem Bundeskartellamt festgestellt, dass diese Unternehmen keinem Leitungswettbewerb ausgesetzt seien. "Diese Netzbetreiber verfügen über eine dominierende Marktmacht und besitzen daher nicht durch den Wettbewerb kontrollierte Verhaltensspielräume", so Kurth. Die Kapazitäten im Ferngasnetz seien bei allen Betreibern langfristig ausgebucht und es bestehe kaum eine Möglichkeit, auf Alternativangebote auszuweichen. "Bemühungen von Gasnetzbetreibern, durch niedrigere Preise Netzkunden zu gewinnen, sind nicht erkennbar." Kurth zufolge ist auch ein "potenzieller Leitungswettbewerb" nicht erkennbar. Er nennt als Markteintrittsschranken planungs- und umweltrechtliche Genehmigungsverfahren vor einem Leitungsbau, größere Spielräume der etablierten Netzbetreiber bei der Preisgestaltung und die Tatsache, dass es sich bei den Investitionen in der Regel um "versunkene Kosten handele, die ein zusätzliches Risiko für den "Newcomer" darstellten. |  |
EnergieSzene Berlin  | Zum Seitenanfang | Bundesnetzagentur zieht "gemischte Zwischenbilanz"
| "Trotz zahlreicher Fortschritte hin zu mehr Wettbewerb bleibt noch viel zu tun." Dieses Fazit zieht Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, aus dem Monitoringbericht zur Entwicklung der Strom- und Gasmärkte 2008. "Wir ziehen eine gemischte Zwischenbilanz. Das Glas ist halb voll und bei der Wechselbereitschaft der Verbraucher im Strombereich und der Senkung der Netzentgelte insgesamt gibt es schon signifikante Fortschritte. Bei der Wechselbereitschaft im Gasmarkt und bei der Struktur der Anbieter sowie beim Netzausbau und beim Kraftwerksbau müssen wir allerdings noch engagierter und wachsamer arbeiten." Kurth zufolge ist das Niveau der Versorgungssicherheit in Deutschland nach wie vor hoch. "Um Gefährdungen für die Versorgungssicherheit auch in der weiteren Zukunft auszuschließen, ist eine zeitnahe Umsetzung geplanter Netzausbaumaßnahmen sicherzustellen. Auch bei den erforderlichen Investitionen in Kraftwerke dürfen im Zuge der Umsetzung der Investitionsvorhaben keine signifikanten Verzögerungen mehr entstehen." Kurth sieht in den massiven Akzeptanzproblemen in der Bevölkerung Anlass zu erheblicher Sorge. Sollte sich dieser negative Trend fortsetzen, seien weitere und überproportional steigende Strompreise zu erwarten und längerfristig auch Versorgungsengpässe nicht mehr auszuschließen. "Wer sich gegen den Bau neuer Kraftwerke mit erheblich höherem Wirkungsgrad sowie den überfälligen Bau neuer Leitungen, die im Übrigen auch dem Transport von Strom aus erneuerbaren Energien dienen, wendet, wendet sich im Ergebnis auch gegen den Klimaschutz."
Der Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt funktioniert und auch im Erdgasbereich gewinnt er immer mehr an Dynamik. Diese These sieht der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) durch den Monitoringbericht der Bundesnetzagentur bestätigt. Diese Entwicklung belegten beispielhaft das wachsende Angebot auf dem deutschen Energiemarkt und das Kundenverhalten, so Martin Weyand, stellvertretender Hauptgeschäftsführer. Dies dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Energieunternehmen in den nächsten Monaten mit neuen Rahmenbedingungen und Unsicherheiten zu kämpfen hätten. Weyand mahnte dringend verlässliche Rahmenbedingungen an. Die derzeitigen Planungs- und Genehmigungsverfahren insbesondere im Netzbereich verzögerten notwendige Investitionsvorhaben. "Aufgrund der derzeit unsicheren Rahmenbedingungen ist noch unklar, ob die Strom- und Gaswirtschaft die geplanten Investitionen in diesem Jahr auch in vollem Umfang realisieren kann", sagte Weyand. Neben den zu langen Genehmigungsverfahren seien dafür vor allem die noch bestehenden Unklarheiten bei der Ausgestaltung der Anreizregulierung im Netzbereich sowie die widersprüchlichen Signale von Politik und Regulierungsbehörden verantwortlich. "Es können nicht einerseits von Behörden Investitionen und Engagement gefordert werden, wenn für die Energieunternehmen andererseits ständig neue Gesetze und Verordnungen erlassen werden, in denen zum Beispiel keine wettbewerbsfähigen Renditen für Investitionen zugestanden werden." |  |
EnergieSzene Brüssel  | Zum Seitenanfang | Konzerne dürfen Netze behalten
| Die für Energie zuständigen Minister der Europäischen Union haben sich darauf geeinigt, die großen Energiekonzerne nicht zum Verkauf ihrer Netze zu zwingen. Die härtere Entflechtungs-Variante, die ursprünglich von der EU-Kommission angestrebt wurde, ist zugunsten des Dritten Weges, auf den insbesondere Frankreich und Deutschland gedrängt hatten, gekippt worden. Der aktuelle Beschluss bestätigt einen im Juni gefundenen Kompromiss, der den Konzernen statt des Verkaufs eine striktere organisatorische Trennung der Netzsparten von den übrigen Unternehmensanteilen abverlangt. Die von den Ministern gefundene Lösung braucht allerdings noch das Plazet des Europäischen Parlaments, das sich zuletzt zumindest im Strombereich mehrheitlich für eine eigentumsrechtliche Entflechtung ausgesprochen hatte. Eine Einrichtung einer EU-Regulierungsbehörde mit weit reichenden Kompetenzen bis in die Regulierung der Verteilnetze, wie sie zwischenzeitlich im Gespräch war, ist nach den Luxemburger Beschlüssen wohl vom Tisch.
Zum Paket gehört, wie zu lesen war, auch eine Drittlandsregelung. Aber auch dies in abgeschwächter Form. War ursprünglich noch ein Vetorecht für die EU-Kommission vorgesehen für den Fall, dass beispielsweise der Gazprom-Konzern europäische Energieunternehmen aufkaufen möchte, soll die Entscheidung darüber nach der Einigung der Minister bei den jeweils betroffenen Staaten liegen - nach Konsultation der Kommission. Weiterer wichtiger Punkt des von den Ministern verabschiedeten Energiepakets ist, dass große integrierte Energiekonzerne in solchen Staaten, in denen das Ownership Unbundling schon jetzt gesetzlich vorgeschrieben ist, die dortigen Strom- und Gasnetzbetreiber nicht übernehmen dürfen.  |  |
EnergieSzene Berlin/Brüssel  | Zum Seitenanfang | Emissionshandel: Arbeitsplatzvernichter oder Hoffnungsträger?
| Scharfe Kritik äußerte Hubertus Schmoldt, Vorsitzender der IG BCE, am Beschluss des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments zum Emissionshandel. Er fordert die Bundesregierung auf, "diese Pläne zur Arbeitsplatzvernichtung und Investitionsblockade" im Europäischen Rat zu verhindern. "Das ist ein Angriff auf den Kernbereich der industriellen Zukunft Deutschlands und Europas", sagte der Gewerkschaftsfunktionär. Auf praktisch alle Branchen im Organisationsbereich der IG BCE kämen massive finanzielle Mehrbelastungen zu. "Die energieintensiven Industrien sind doppelt belastet. Sie müssen selbst Emissionszertifikate ersteigern und leiden zugleich unter den vom Emissionshandel verursachten höheren Strompreisen. Es geht uns nicht um den Schutz der Gewinne der Energiewirtschaft oder deren Entlassung aus den gemeinsam erforderlichen Anstrengungen für den Klimaschutz. Aber wir erwarten erhebliche negative Auswirkungen auf Industrie und Haushalte durch die Strompreiserhöhungen, die zwangsläufig die Folge weiterer Stromknappheit mangels neuer Kraftwerke sein werden."
Der WWF Deutschland dagegen begrüßt, dass sich der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments auf striktere Regelungen beim Emissionshandel geeinigt hat, als die deutsche Regierung bislang angestrebt hat. Allerdings seien die EU-Abgeordneten nicht weit genug gegangen, um die globale Erwärmung unter zwei Grad Celsius zu halten. "Alle Augen sind jetzt auf die Staatschefs und die Umweltminister der EU gerichtet. Sie müssen nun dem Parlament folgen und dürfen das Paket nicht weiter aufweichen", sagte Regine Günther, Leiterin Energie und Klima beim WWF Deutschland. Es sei zu begrüßen, dass die Verschmutzungsrechte für den gesamten Stromsektor komplett versteigert werden sollen. Positiv sei auch, dass die energieintensive Industrie bis 2020 ihre Zertifikate vollständig ersteigern solle. Allerdings sei die Eintrittsschwelle von 15 Prozent im Jahr 2013 zu niedrig angesetzt. Problematisch ist nach Ansicht von Günther der große Anteil von Zertifikaten, die aus dem Ausland zugekauft werden können. "Es besteht die Gefahr, dass die Emissionen im großen Maßstab außerhalb der EU reduziert werden. Damit fließen die dringend benötigten Investitionen und Innovationen ins Ausland, und in der EU bleiben veraltete Strukturen bestehen."
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Bioenergie  | Zum Seitenanfang | RWE Innogy nutzt verstärkt Biomasse
| RWE Innogy, das für die Nutzung der erneuerbaren Energien zuständige Tochterunternehmen des Essener Energieversorgers, weitet seine Aktivitäten im Bereich Bioenergie erheblich aus. Ende September teilte das Unternehmen mit, dass man in Zusammenarbeit mit der Schmack Biogas Gruppe in der Gemeinde Güterglück in Sachsen-Anhalt eine Biogasanlage mit einer Wärmeleistung von etwa 6,5 Megawatt errichten wird. Das Ausgangsprodukt für diese Anlage - überwiegend Maissilage, aber auch Gülle - wird in Kooperation mit der regionalen Landwirtschaft gewonnen. 50.000 Tonnen nachwachsende Rohstoffe sollen hier jährlich zur Biogasproduktion eingesetzt werden. Die ins Netz eingespeiste Gasmenge soll bei 15.000 Kubikmetern täglich oder 50.000 Megawattstunden jährlich liegen. Genug, um ein Heizkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von drei Megawatt rund um die Uhr mit Gas zu versorgen.
Am Standort Güterglück soll ab Sommer 2009 Biogas erzeugt, auf Erdgasqualität aufbereitet und in das lokale Erdgas-Versorgungsnetz eingespeist werden. Nach Angaben von Fritz Vahrenholt, Chef von RWE Innogy, will sein Unternehmen bis 2012 bis zu zehn weitere Anlagen dieser Art in Betrieb nehmen. Den Vorteil dieser Technik sieht man in Essen vor allem darin, dass das aufbereitete Biogas als Bio-Erdgas problemlos in das vorhandene Erdgas-Leitungsnetz eingespeist und so an Standorten genutzt werden kann, die weit entfernt von der Biogasanlage liegen.
Einstieg in den britischen Markt
Nur einen Tag nach der Bekanntgabe des Projekts in Güterglück teilte RWE Innogy mit, dass man die englische Projektentwicklungsgesellschaft Helius Energy Alpha Ltd. erworben hat. Das britische Unternehmen hält die Rechte für die Entwicklung und den Betrieb des Biomassekraftwerks Stallingborough Alpha, das in Lincolnshire in den East Midlands entstehen soll. Das Kraftwerk ist genehmigt, die Bauarbeiten sollen in Kürze beginnen. Stallingborough Alpha soll mit Restholz oder Forstbiomasse befeuert werden und eine elektrische Bruttoleistung von 73 Megawatt haben. Nach eigenen Angaben investiert RWE Innogy rund 260 Millionen Euro in dieses Projekt. Vahrenholt sieht in dieser Übernahme einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur beabsichtigten Verfünffachung der Strom- und Wäremeerzeugung aus Biomasse in Europa bis 2011. Die elektrische Gesamtleistung der entsprechenden Einheiten von RWE Innogy soll in drei Jahren bei 600 Megawatt liegen. |  |
Zahlen & Fakten  | Zum Seitenanfang | Energie-Importabhängigkeit in 2007 gesunken
| Nach Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen wurden für die Energieversorgung Deutschlands im vergangenen Jahr 403 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten importiert, 139 Millionen Tonnen stammten aus heimischer Energiegewinnung. Zusätzlich wurden rund sechs Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten aus Vorräten und Lägern im Inland entnommen. Aus dem von der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen erstellten Energieflussbild für das Jahr 2007 geht hervor, dass nach Abzug der Exporte 477,5 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten an Primärenergieträgern zur Verfügung standen. Davon beanspruchten der nicht-energetische Verbrauch in den Grundstoffindustrien, Umwandlungsverluste und der Eigenverbrauch der Energiewirtschaft rund 185 Tonnen.
Zur Deckung des Endenergiebedarfs von Industrie, Verkehr und Haushalten sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungsbranche verblieben knapp 293 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten. Den größten Anteil am Endenergieverbrauch hatte der Verkehr mit 30,3 Prozent. Auf die Industrie entfielen 28,5 Prozent und auf die privaten Haushalte 25,6 Prozent. Der Anteil des Bereichs Gewerbe, Handel, Dienstleistungen erreichte 15,6 Prozent. In der Folge der überdurchschnittlich warmen Witterung lag der gesamte Endenergieverbrauch um rund sechs Prozent unter dem Vergleichswert von 2006. Die privaten Haushalte profitierten am stärksten von der milden Witterung und verminderten ihren Bedarf mit 15,4 Prozent besonders stark. Im Bereich Gewerbe, Dienstleistungen sank den Verbrauch um 8,4 Prozent. Die Industrie verringerte ihren Bedarf um gut ein Prozent und der Verkehr um 0,6 Prozent. Die Importabhängigkeit der deutschen Energieversorgung lag im vergangenen Jahr bei rund 71 Prozent und damit um zwei Prozentpunkte niedriger als im Jahr zuvor. Wesentliche Gründe für den leichten Rückgang der Importabhängigkeit waren neben dem geringeren Gesamtbedarf und niedrigeren Importen eine höhere Gewinnung von heimischer Braun- und Steinkohle sowie die verstärkte Nutzung von Wind- und Wasserkraft.
Das Energieflussbild der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen steht als Download unter http://www.ag-energiebilanzen.de zur Verfügung.
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Wer macht was?  | Zum Seitenanfang | Max Dietrich Kley, Aufsichtsratsvorsitzender der Infineon AG und Ex-Aufsichtsratsvorsitzender der BASF-Energietochter Wintershall, wird im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums ausloten, ob und unter welchen Voraussetzungen die Stromkonzerne EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall bereit sind, ihre Netze in eine Netzgesellschaft einzubringen. Kley soll außerdem sondieren, welche Vorstellungen die Energiekonzerne von einem zukünftigen Energiemix in der Stromerzeugung haben, der Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit gleichermaßen gewährleistet. Und er soll prüfen, wie Stromverbraucher entlastet werden könnten, wenn es zu einer Laufzeitverlängerung bei Kernkraftwerken kommt. Â
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