EnergieSzene



News und Trends aus der Energiewirtschaft  September 2008




EnergieSzene Blog

Von hier aus kommen Sie mit einem Klick zum EnergieSzene Blog, der Sie mit kurzen Meldungen über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden hält. 

 
Literaturtipp

Frohe Botschaften
Eine zu kontroverser Diskussion anregende Sammlug von Kolumnen zum Thema Klimawandel von Dirk Maxeiner und Michael Miersch. 
  zum Artikel  

 
Kopf des Monats

Prof. Dr. Ottmar Edenhofer
Der Chefökonom und stellvetretende Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung plädiert dafür, dass das IPCC für seine Berichte auf das Wissen der Wirtschaft zurückgreift.

  zum Artikel  

 

Aus dem Inhalt
Top Thema
Carbon Capture and Storage - vom Labor in die Praxis
EnergieSzene Berlin
Streit um Kernkraft in Wahlkampfzeiten
EnergieSzene Brüssel
Emissionshandel geht in die Ausgestaltung
Strom
Grundstein für neues Steinkohlekraftwerk gelegt
Zahlen & Fakten
Westeuropa deckt zwei Drittel unseres Erdgasbedarfs
Kommentar
Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass


Vorwort

Liebe Leser,

die CO2-Abscheidung und
-Speicherung wird zumindest in Pilotanlagen Wirklichkeit, das Thema Windenergie rückt durch die jährliche Branchenmesse in Husum automatisch in den Vordergrund, in Brüssel - und damit logischerweise auch in den EU-Mitgliedsländern - geht es um die Ausgestaltung des CO2-Emissionshandels ab 2013.

Bitte nutzen Sie, liebe Leser, auch den EnergieSzene-Blog (http://blog.energieszene.de), der fast täglich mit kurzen Meldungen aus der Branche "gefüttert" wird. Zudem sind Sie herzlich eingeladen, sich mit sachlichen Kommentaren an der Entwicklung dieses Kommunikationsforums zu beteiligen.

Eine interessante Lektüre und viel Spaß beim Kommentieren wünscht

Rolf Sweekhorst 

 
 

Top Thema

Zum Seitenanfang
Carbon Capture and Storage - vom Labor in die Praxis

Die weltweit erste Pilotanlage für ein CO2-armes Kraftwerk ist im brandenburgischen Industriepark Schwarze Pumpe bei Spremberg in Betrieb gegangen. Die Vattenfall Europe AG will dort Erfahrungen mit dem Oxyfuel-Prozess, der Kohleverbrennung in reiner Sauerstoffatmosphäre, zur Abscheidung von CO2 aus dem Kraftwerksprozess sammeln. In die Anlage mit einer thermischen Leistung von 30 Megawatt wurden rund 70 Millionen Euro investiert. Nach Angaben des Unternehmens werden mehr als 90 Prozent des entstehenden Kohlendioxids abgeschieden und für die unterirdische Lagerung weiterbehandelt. Die Entwicklung der sogenannten CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) könne einen entscheidenden Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen liefern, da die Kohle im weltweiten Energiemix noch für lange Zeit eine bedeutende Rolle spielen werde.

"Die Pilotanlage ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer annähernd emissionsfreien Kohleverstromung. Sie stellt erstmals den Übergang vom Labor in die Praxis dar. Mit diesem Schritt leisten wir perspektivisch einen entscheidenden Beitrag zum globalen Klimaschutz", sagte Lars G. Josefsson, Chef der schwedischen Muttergesellschaft. Und Tuomo Hatakka, Vorstandsvorsitzender der Vattenfall Europe AG, ergänzte: "Kohle hat Zukunft, die Emission von Kohlendioxid nicht. Mit unserer Pilotanlage zeigen wir, dass Kohle und Hightech keinen Widerspruch darstellen." Vattenfall will auf Basis der Erfahrungen in der Pilotanlage bis spätestens 2015 zwei Demonstrationskraftwerke mit einer elektrischen Leistung von bis zu 500 Megawatt bauen und dort zwei Verfahren zur Abscheidung einsetzen: Das Oxyfuel-Verfahren wie in Schwarze Pumpe sowie eine Postcombustion-Technologie als Nachrüstverfahren. Vattenfall geht davon aus, dass die Technologie ab 2020 serienreif und wettbewerbsfähig sein wird.

Vattenfall Europe ist nicht das einzige Unternehmen, das sich in der Entwicklung der CO2-Abscheidung und -Lagerung engagiert. So will RWE Power am Standort Goldenbergwerk in Hürth bei Köln ein großtechnisches Kraftwerk mit integrierter Kohlevergasung (IGCC) sowie CO2-Abtrennung und -Speicherung errichten. RWE beziffert die Investitionen für das Gesamtkonzept mit 450-Megawatt-Kraftwerk, CO2-Pipeline und CO2-Speicher auf rund zwei Milliarden Euro. Die Fertigstellung ist für 2014 geplant. Das, so das Unternehmen, sei jedoch nur einzuhalten, wenn der angekündigte Rechtsrahmen bald festgelegt und darin beschleunigte Genehmigungsverfahren für Pipeline und Speicher definiert würden. Und E.ON Energie hat neben einigen laufenden Projekten, eines davon auf der Maasflakte im Rotterdamer Hafen, erst kürzlich Kooperationsvereinbarungen zur Weiterentwicklung von Abscheidungstechniken getroffen. Pilotanlagen in Deutschland sind unter anderem an den Kraftwerksstandorten Heyden und Wilhelmshaven geplant.

Dass Klimaschutz und Kohlenutzung Hand in Hand gehen können, wird insbesondere bei Umweltschutzgruppen bezweifelt. So wertet beispielsweise der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Anlage in Schwarze Pumpe als "Vattenfalls Feigenblatt" und wirft dem Unternehmen vor, mit dem Verweis auf eine künftig eventuell nachzurüstende CO2-Abscheidung neue klimaschädliche Kohlekraftwerke durchsetzen zu wollen. Völlig anders sieht das der WWF Deutschland. Die CCS-Technik sei zwar kein Patentrezept im Kampf gegen den Klimawandel, an der weiteren Erforschung der umstrittenen Technologie führe aber kein Weg vorbei. "Es ist wichtig und unerlässlich, dass die EU zwölf Pilotvorhaben plant und Energiekonzerne in die Erforschung dieser Technologie investieren", so Regine Günther, Leiterin des Klimabereichs. CCS könne als Übergangstechnik eine wichtige Rolle im Rahmen einer ambitionierten Klimaschutz-Strategie spielen. "Es bringt nichts, die Technik ungeprüft zu verteufeln und damit leichtfertig eine Chance im Klimaschutz zu verspielen." Für den WWF gehöre die energiepolitische Zukunft der Energieeffizienz und den erneuerbaren Energien. Dennoch dürfe man Brückentechnologien wie CCS nicht ohne Not verwerfen. Um die weltweite Erwärmung auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen, müsse man alle Chancen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen nutzen, wenn die damit verbundenen Risiken akzeptabel seien. 

 
Windenergie

Zum Seitenanfang
Windkraftnutzung sichert in Deutschland 90.000 Arbeitsplätze

"Windenergie macht uns unabhängiger von Energieimporten, schafft Arbeitsplätze und ist klimafreundlich. Wir freuen uns, dass Deutschland auf diesem Zukunftsmarkt eine Vorreiterrolle einnimmt", sagte Michael Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, bei einem Besuch der HusumWindenergy 2008, auf der mehr als 700 Unternehmen aus 35 Ländern ihre Produkte präsentierten. Müller zufolge arbeiten in der Herstellung von Windenergieanlagen und ihrer Komponenten in Deutschland bereits weit über 30.000 Menschen. Zusammen mit Dienstleistungen wie Projektierung, Betrieb oder Service sichere die Windindustrie direkt und indirekt rund 90.000 Jobs. Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau habe im Jahr 2007 allein durch Windenergie Umsätze in Höhe von über sechs Milliarden Euro gemacht. Die Exportquote habe bei 83 Prozent gelegen. Ohne die Windenergie, so Müller, wären die CO2-Emissionen Deutschland 2007 um fast fünf Prozent höher ausgefallen.

Wirtschaftsminister Glos sieht ebenfalls eine große Bedeutung der Windenergie für Deutschlands Wirtschaft und Energieversorgungssicherheit. Und er bekräftigte anlässlich der Messe-Eröffnung das Ziel der Bundesregierung, den Anteil der Erneuerbaren an der Gesamtversorgung auf 30 Prozent zu steigern. Die Energie müsse jedoch bezahlbar bleiben. Auch deshalb müssten Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke die übrigen 70 Prozent zur Stromversorgung beisteuern. Auf die Kernkraft könne man so lange nicht verzichten, bis sie von anderen Technologien abgelöst werde.

Die gestiegenen Energiepreise, eine wesentlich höhere Bedeutung der Klimaschutzpolitik und nicht zuletzt auch die Versorgungssicherheit haben nach Einschätzung der HSH Nordbank die Windkraftbranche in den vergangenen zwei Jahren profitieren lassen. "Die Versorgungssicherheit ist der vielleicht wichtigste Faktor für den Erfolg der Windkraft", zieht Peter Rieck, stellvertretender Vorstandschef der HSH Nordbank, sein Fazit aus einer zur HusumWindenergy veröffentlichten Studie. "Immer mehr Länder setzen auf Windkraft." Bislang halte sich der etablierte deutsche Markt in der Spitzengruppe, doch die Unterschiede beim Zubau seien bereits so eklatant, dass die USA Deutschland in spätestens zwei Jahren überholt haben dürften. Der Studie zufolge stiegen die Windkraft-Kapazitäten weltweit im Jahr 2007 um knapp 27 Prozent auf 93.825 Megawatt. In den USA wurden im vergangenen Jahr 5.244 Megawatt neu installiert, in Spanien 3.522, in China 3.304 und in Deutschland 1.667 Megawatt.

Die HSH Nordbank erwartet für 2008 einen weltweiten Zubau von knapp 25 Gigawatt und für die kommenden Jahre eine regional sehr unterschiedliche Entwicklung. Neben dem amerikanischen Markt werden demnach auch die Kapazitäten in Spanien, Indien und China erheblich ausgebaut. In der Studie wird die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate bis 2012 mit 22 Prozent prognostiziert.

 
Windenergie

Zum Seitenanfang
RWE Innogy setzt auf Mikro-Windenergieanlagen

RWE Innogy erwirbt für 7,5 Millionen Euro eine Minderheitsbeteiligung an dem britischen Unternehmen Quiet Revolution Ltd., einem Hersteller von Mikro-Windenergieanlagen. "Die dezentrale Energieversorgung von einzelnen Gebäuden mit Hilfe erneuerbarer Energien wird zukünftig immer wichtiger", so Fritz Vahrenholt, Vorsitzender der Geschäftsführung bei RWE Innogy. "Kleine Windenergieanlagen, die auf Dächern installiert werden, können dabei einen wichtigen Beitrag leisten. Vor allem auch dort, wo die Photovoltaik aufgrund fehlender Sonneneinstrahlung nicht effizient zum Einsatz kommt." Die fünf Meter hohen und rund drei Meter breiten, spindelförmigen Windturbinen können sowohl einzeln als auch in Gruppen aufgestellt werden. 

 
Gas

Zum Seitenanfang
E.ON Ruhrgas bündelt Gasspeichergeschäft

Die E.ON Ruhrgas AG hat ihre europaweiten Speicheraktivitäten in der E.ON Gas Storage GmbH gebündelt. Innerhalb der neuen Gesellschaft, die ihre Arbeit Mitte August aufgenommen hat, werden in Deutschland Speicheranlagen und zugehörige Arbeitsgaskapazitäten im Umfang von zunächst 5,44 Milliarden Kubikmetern zentral geführt. Für das Jahr 2008 werde ein Umsatz von rund 670 Millionen Euro erwartet, so Geschäftsführer Hans-Peter Floren anlässlich der Gründung von E.ON Gas Storage. Damit gehöre das Unternehmen zu den größten Speichergesellschaften Europas. "Mit der Gründung einer eigenständigen Gasspeichergesellschaft setzt E.ON Ruhrgas einen erneuten Impuls, den europäischen Gasmarkt weiter zu entwickeln. So schaffen wir die Voraussetzung, unsere Speicheraktivitäten europaweit auszubauen. Gleichzeitig ist dies eine klare Weichenstellung für mehr Wettbewerb. Denn die Vermarktung und der Zugang zu unseren Speichern erfolgen transparent und diskriminierungsfrei." Floren zufolge strebt die neue Gesellschaft einen erheblichen Ausbau der Gasspeicherkapazitäten in Westeuropa an. So werde sie den bereits von E.ON Ruhrgas Ende 2007 mit der IVG Kavernen GmbH geschlossenen Vertrag zur Nutzung von Kavernen in Etzel mit einem Arbeitsgasvolumen bis zu 2,5 Milliarden Kubikmeter übernehmen. Dieser neue Erdgasspeicher soll stufenweise ab 2012 seinen Betrieb aufnehmen. Zudem seien im ostfriesischen Jemgum die vorbereitenden Planungen für ein weiteres Speicherprojekt aufgenommen worden. 

 
Gas

Zum Seitenanfang
Wirtschaftsminister Glos: LNG eröffnet Zugang zu neuen Erdgasvorkommen

"Die Produktion von verflüssigtem Erdgas (LNG) auf Melkoya eröffnet dem Gasmarkt den Zugang zu neuen Erdgasvorkommen", so Bundeswirtschaftsminister Michael Glos anlässlich seines Besuchs der größten europäischen Erdgasverflüssigungsanlage auf der Insel Melkoya in der Nähe von Hammerfest in Norwegen. "Wie wichtig vielfältige Bezugsquellen für Erdgas sind, zeigt aktuell der Konflikt in Georgien. Zudem sorgt Lieferantenvielfalt für mehr Wettbewerb. Das nutzt dem Verbraucher." Das Erdgas wird über eine fast 150 Kilometer lange Pipeline aus dem Vorkommen "Schneewittchen" in der Barentssee bis zur Verflüssigungsanlage transportiert. Per Tanker gelangt das auf Melkoya produzierte LNG nach Nordamerika und Südeuropa. Das bei der Produktion anfallende CO2 wird via Pipeline zu separaten Lagerstätten transportiert. 

 
Gas

Zum Seitenanfang
EEX mit börslichem Gashandel zufrieden

Ein Jahr nach der Einführung des börslichen Gashandels zieht die Leipziger Energiebörse European Energy Exchange AG (EEX) eine positive Bilanz. Das Handelsvolumen in den beiden Marktgebieten E.ON GT und BEB, die zusammen etwa 60 Prozent des deutschen H-Gas-Marktvolumens abdecken, habe 2008 im ersten Halbjahr 6.477.301 Megawattstunden betragen. Davon seien 389.690 Megawattstunden auf den Spotmarkt für Erdgas und 6.087.611 Megawattstunden auf den Terminmarkt entfallen. "Wir sind mit der Entwicklung dieses jungen Marktes zufrieden, insbesondere mit dem hohen Anstieg des Volumens am Terminmarkt", so EEX-Vorstandsvorsitzender Hans-Bernd Menzel. Im Gashandel stieg die Teilnehmerzahl Menzel zufolge auf 50, beim Handelsstart im Juli 2007 waren es 26. 

 
EnergieSzene Berlin

Zum Seitenanfang
PEPP stellt energiepolitische Vorschläge vor

Anfang September hat die von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos eingesetzte Projektgruppe Energiepolitisches Programm (PEPP), in der unter anderem Claudia Kemfert vom DIW und dena-Chef Stephan Kohler mitarbeiten, ein Papier mit dem Titel "Effizienz, Transparenz, Wettbewerb - Sichere und bezahlbare Energie für Deutschland" vorgestellt. Darin fordern die Autoren Maßnahmen, die über das in Meseberg beschlossene Integrierte Energie- und Klimaprogramm (IKEP) hinausgehen, "damit die Energiepreise in Deutschland langfristig bezahlbar bleiben und die Versorgung mit Energie auf Dauer gesichert ist".

"Leitlinien" zur nachhaltigen Entlastung der Verbraucher sind nach Ansicht der Projektgruppe:
- marktkonforme Lösungen anstelle staatlich vorgegebener Sozialtarife oder Steuersenkungen;
- Vorrang für nachhaltige Maßnahmen gegenüber punktuellen, nur kurzfristig wirkenden Ansätzen;
- effiziente Verwendung vorhandener Mittel (z.B. aus der Veräußerung von Emissionszertifikaten) anstelle zusätzlicher Ausgaben und
- Auslösung von Folgeinvestitionen durch die Bindung an eine Eigenleistung der Begünstigten.

Zum vorgeschlagenen Maßnahmenkatalog gehören eine systematische Energieeffizienzpolitik, mehr Transparenz für starke Verbraucher und moderne Kraftwerke und leistungsfähige Netze. Unter den angeführten Einzelmaßnahmen dürfte insbesondere die Forderung nach "Verabschiedung eines Kernenergie-Nutzungsgesetzes" zur Verlängerung der Laufzeiten von derzeit 32 auf 40 Jahre in der Koalition zumindest zu einem Zeitpunkt relativ kurz vor der nächsten Bundestagswahl kaum konsensfähig sein. 

 
EnergieSzene Berlin

Zum Seitenanfang
Streit um Kernkraft in Wahlkampfzeiten

Die Große Koalition ist unter dem Atomausstiegsbeschluss gestartet. Doch je näher die nächste Bundestagswahl rückt, desto schärfer wird die Auseinandersetzung. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel kritisiert das Strategiepapier der Unionsfraktion zur Energiepolitik: "Zum Thema Atomkraft hat die Union noch vor wenigen Monaten öffentlich erklärt, sie wolle die Laufzeiten von Kernkraftwerken nicht unbegrenzt verlängern, sondern nur um ein paar Jahre. In dem Strategiepapier der Unionsfraktion ist aber gar keine Laufzeit-Begrenzung mehr vorgegeben. Damit wird deutlich, worum es immer gegangen ist: Die Rückkehr in die Atomwirtschaft." Eine Verlängerung der Restlaufzeiten würde dazu führen, dass der Druck, der beim letzten Energiegipfel gegenüber der Industrie zum Thema Energieeffizienz aufgebaut worden sei, verloren gehe. "Denn natürlich ist die Möglichkeit, mit abgeschriebenen Kernkraftwerken Geld zu verdienen, interessanter." Der SPD-Minister zeigt sich verwundert darüber, dass nach der Vorstellung von CDU/CSU mit massivem Einsatz öffentlicher Mittel die Steigerung der Energieeffizienz erkauft werden soll, allerdings ohne zu sagen, wie das laufen solle. "Wenn die Union darunter die Einführung einer Brennstoffsteuer versteht, um gesichert an das Geld aus dem Betrieb von Kernkraftwerken zu kommen, dann ist das nur glaubwürdig, wenn sie das sofort mitträgt und nicht erst im Gegenzug zu längeren Laufzeiten. Stattdessen wird ein eklatanter Atomlobbyismus betrieben, wie ich ihn lange in dieser Oberflächlichkeit nicht erlebt habe."

 
EnergieSzene Berlin/Brüssel

Zum Seitenanfang
CO2-Emissionshandel geht in die Ausgestaltung

In Brüssel geht es derzeit um die Ausgestaltung des EU-Emissionshandelssystems ab dem Jahr 2013. Das schlägt sich verständlicherweise auch in den Diskussionen in Deutschland nieder. So haben sich Bundesumweltministerium (BMU) und IG Metall auf eine "Allianz für Klimaschutz und Arbeitsplätze" verständigt. Darin wird die 100-prozentige Versteigerung der Zertifikate für die Stromerzeugung gefordert, um ungerechtfertigte "Mitnahme-Effekte" zu verhindern. Ausnahmen von der schrittweise geplanten Auktion im produzierenden Gewerbe sollen nach transparenten und nachvollziehbaren Kriterien erfolgen, um der Gefahr einer Verlagerung von Treibhausgasemissionen in Regionen außerhalb Europas zu begegnen. Damit bleiben nach Ansicht von BMU und IG Metall zukünftige Wachstums- und Beschäftigungsperspektiven insbesondere auch für die deutsche Eisen- und Stahlindustrie erhalten. Abgrenzungskriterien seien sowohl eine hohe Kohlenstoffintensität der Produktion als auch ein intensiver internationaler Wettbewerb. Dies müsse in der Richtlinie eindeutig geregelt sein, um den Unternehmen in Deutschland und Europa Rechts- und die unbedingt erforderliche Investitionssicherheit zu geben.

"Die IG Metall stellt sich ihrer klima- und beschäftigungspolitischen Verantwortung und steht zum Konzept eines EU-einheitlichen Emissionshandels", sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. "Schließlich nutzt es allen - den Beschäftigten wie den Unternehmen - wenn es gelingt, die notwendigen Minderungen der CO2-Emissionen zu den gesamtwirtschaftlich geringsten Kosten zu erreichen und zugleich nachhaltige Anreize für Investitionen in effiziente Techniken zu geben." Gabriel sieht in dieser "klimaschutzpolitischen Allianz" ein wichtiges Signal für die Durchsetzung zentraler deutscher Forderungen in den Verhandlungen auf EU-Ebene und würde es sehr begrüßen, wenn sich auch andere Akteure - wie etwa der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) - dieser Allianz anschließen würden.

Der BDI hatte sich jedoch schon zuvor einen Allianzpartner gesucht. "Die Belastungen des produzierenden Gewerbes dürfen nicht die Existenz der Unternehmen und Arbeitsplätze der Beschäftigten gefährden", forderte der BDI in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Energieintensiven Betrieben drohe der Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Die beiden Verbände fordern daher eine kostenfreie Zuteilung auf Basis anspruchsvoller Benchmarks. Die Freistellung der betroffenen Branchen müsse zeitgleich mit dem Beschluss über das EU-Klimapaket bis spätestens Ende 2008 erfolgen. Der Emissionshandel könne einen wesentlichen Beitrag zu einer effizienten Erreichung der Reduktionsverpflichtungen für den Schutz des Klimas leisten, er müsse jedoch in ein energie- und klimapolitisches Gesamtkonzept eingebunden werden, das den Dreiklang aus Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Umweltschutz wiedergebe, heißt es weiter. Nach Meinung von DGB und BDI ist eine industriepolitische Beurteilung der Auswirkungen des europäischen Emissionshandels für Deutschland besonders wichtig, da hier die energieintensive Industrie dichter als irgendwo sonst in der EU sei.

Auch innerhalb der Koalition dürfte noch viel Diskussionsbedarf bestehen, bevor Deutschland mit einer Stimme gegenüber der EU sprechen kann. "Die Unionsfraktion will, dass die Energieversorger auch weiterhin zumindest teilweise CO2-Emissionszertifikate kostenlos zugeteilt bekommen", so der SPD-Bundesumweltminister Gabriel. Für ihn läuft das auf eine "Subventionierung der Kraftwerksbetreiber" hinaus. "Wenn man das will, dann sollte man das auch offen sagen." Gabriel moniert auch die Unions-Forderung nach einer Ausnahmeregelung für das gesamte produzierende Gewerbe von der Versteigerung, unabhängig davon, ob die jeweilige Branche im internationalen Wettbewerb steht und besonders energieintensiv ist. "Das würde bedeuten, dass wir den europäischen Emissionshandel unterminieren." 

 
EnergieSzene Brüssel

Zum Seitenanfang
Wingas-Chef fordert Neuorientierung der Energiepolitik

Eine Neuorientierung der europäischen Energiepolitik fordert die Kasseler Wingas GmbH. "Europa braucht deutlich mehr Gas. Die Importquote steigt und bis zum Jahr 2020 muss die EU noch über 100 Milliarden Kubikmeter Erdgas vertraglich sichern", sagte Rainer Seele, Sprecher der Geschäftsführung, auf der Jahrestagung des Energiewirtschaftlichen Instituts (EWI). "Angesichts der neuen globalen Herausforderung müssen wir uns fragen, ob wir in der Energiepolitik die richtigen Schwerpunkte setzen, denn eine stärkere Regulierung der Infrastruktur hat nichts mit der Energieversorgung der Zukunft zu tun. Es ist Zeit, sich von der Idee zu verabschieden, dass wir uns durch Regulierung unserer Märkte oder auch bürokratische Fesselung unserer Unternehmen von der globalen Preisentwicklung abkoppeln können. Die Versorgungssicherheit der Märkte ist die eigentliche Herausforderung des 21. Jahrhunderts." Seele verwies darauf, dass die Rahmenbedingungen etwa für den Bau von Pipelines immer schlechter würden. Mit der Einführung des neuen Netzzugangsmodells der Bundesnetzagentur sehe man eher ein Ende des konkurrierenden Leitungsbaus für den deutschen Erdgasmarkt voraus. Überdies würden mit dem Ownership Unbundling erstmals auch noch die Eigentumsrechte in Frage gestellt. Letztlich führten die sich verschlechternden Rahmenbedingungen dazu, dass Investitionen ausblieben und so zu Lasten der Versorgungssicherheit gingen. 

 
EnergieSzene Brüssel

Zum Seitenanfang
EU-Bürger pro Umweltschutz

Bei ihren Bürgern stoßen die Klimaschutzziele der EU auf große Zustimmung. Die Mehrzahl hält die Senkung der Treibhausgasemissionen und den Ausbau der erneuerbaren Energien für richtig, doch viele fühlen sich gleichzeitig schlecht über den Klimawandel und mögliche Gegenmaßnahmen informiert. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Eurobarometer-Unfrage über die Einstellung der Öffentlichkeit zum Klimawandel. Gut sechs von zehn Befragten halten den Klimawandel für eines der größten Probleme, vor denen die Welt heute steht. Andererseits schätzt eine Mehrheit das Klimaproblem als lösbar ein und hält die Zielvorgaben der EU hinsichtlich der Verringerung der Treibhausgase für mehr oder weniger angemessen oder sogar für nicht ehrgeizig genug. Eine deutliche Mehrheit erklärte, selbst etwas für den Klimaschutz getan zu haben. Und immerhin 44 Prozent sind bereit, mehr für ihren Strom zu zahlen, wenn er aus umweltverträglichen Quellen stammt. 

 
Strom

Zum Seitenanfang
Grundstein für neues Steinkohlekraftwerk in Hamm gelegt

RWE Power hat im nordrhein-westfälischen Hamm den Grundstein für ein neues Steinkohlekraftwerk gelegt. Die beiden Blöcke mit einer Gesamtleistung von 1.600 Megawatt sollen Mitte 2011 bzw. Anfang 2012 ans Netz gehen. Die rund zwei Milliarden Euro teure Anlage wird einen Wirkungsgrad von 46 Prozent erreichen und den CO2-Ausstoß im Vergleich zu Altanlagen - bei gleicher Stromproduktion - um rund 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr reduzieren, teilte RWE mit. 23 Stadtwerke aus Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz sind an dem Kraftwerk beteiligt. Sie haben sich in der Arbeitsgemeinschaft GEKKO zusammengeschlossen und verfügen über einen Anteil von 350 Megawatt. Die Anlage in Hamm wird für die Nachrüstung mit einer CO2-Wäsche ausgelegt (capture ready). RWE-Chef Jürgen Großmann appellierte anlässlich der Grundsteinlegung an die Politik, den Emissionshandel so zu gestalten, dass hocheffiziente Neubaukraftwerke wie in Hamm eine kostenfreie Zertifikate-Zuteilung auf Basis brennstoffspezifischer Benchmarks erhalten. Eine vollständige Versteigerung der Zertifikate, wie sie derzeit geplant sei, solle nur schrittweise eingeführt werden, um eine Wettbewerbsverzerrung in Europa vermeiden. 

 
Strom

Zum Seitenanfang
Staudinger 6 soll in Kraft-Wärme-Kopplung gefahren werden

Aus dem neuen Block 6 des E.ON-Kraftwerks Staudinger sollen rund 300 Megawatt Fernwärme zur umweltfreundlichen Versorgung des Rhein-Main-Gebietes mit Heizenergie ausgekoppelt werden. E.ON hat dazu als Partner den Regionalversorger Mainova gewonnen. Die Unternehmen wollen jetzt ein detailliertes Ausbaukonzept für den Anschluss des Kraftwerks an das Fernwärmenetz der Mainova erarbeiten und dessen Wirtschaftlichkeit prüfen. "Mit der vorgesehenen Wärmeauskopplung erfüllen wir eine zentrale politische Forderung", so Klaus-Dieter Maubach, Vorstandsvorsitzender der E.ON Energie AG. "Ich bin mir sicher, dass wir damit den entscheidenden Schritt vorankommen, um mehr Akzeptanz für unser neues Kraftwerk zu erreichen. Dafür werden wir weiter im Dialog mit Politik und Bürgern werben."

Nach Angaben des Unternehmens steigt der Nutzungsgrad von Staudinger 6 bei einer Wärmeauskopplung von 300 Megawatt auf rund 57 Prozent und vermeidet so im Vergleich zum "Normalbetrieb" des projektierten Kraftwerks die Emission von etwa 200.000 Tonnen CO2 jährlich. Die Kraft-Wärme-Kopplung verstärke damit den klimaschonenden Effekt des Neubauprojekts. Denn schon die deutlich höhere Effizienz in der Stromproduktion erspare der Umwelt im Vergleich zu älteren Kraftwerken jährlich rund 1,2 Millionen Tonnen CO2. 

 
Energiesparen

Zum Seitenanfang
Lukrative Energiespartipps

Ineffiziente Elektrogeräte und Lampen treiben den Stromverbrauch unnötig in die Höhe. Die Initiative EnergieEffizienz gibt fünf lohnende Tipps, deren Umsetzung dem einzelnen Haushalt bis zu 330 Euro Ersparnis pro Jahr bringt. So kann ein Vier-Personen-Haushalt mit dem Ersatz der üblichen Glühlampen durch Energiesparlampen pro Jahr etwa 90 Euro Stromkosten einsparen. Wer sich beim Kauf eines neuen Fernsehgerätes für ein energiesparendes Gerät entscheidet, "verdient" damit jährlich etwa 30 Euro. Der völlige Verzicht auf den Stand-by-Betrieb bei Fernseher, Computer & Co. bringt der Haushaltskasse ein Plus von rund 70 Euro. Der Ersatz der Kühl-Gefrier-Kombination von 1990 durch ein Modell der Energieeffizienzklasse A++ erspart rund 80 Euro. Und wer die alte Heizungspumpe gegen ein energieeffizientes Modell eintauscht, kann Jahr für Jahr etwa 60 Euro sparen.  

 
Zahlen & Fakten

Zum Seitenanfang
Westeuropa deckt zwei Drittel des deutschen Erdgasbedarfs

Norwegens Bedeutung für die deutsche Erdgasversorgung wächst. In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird der Lieferanteil des skandinavischen Landes von derzeit 26 auf etwa 30 Prozent steigen, berichtet der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). 2007 stammten rund zwei Drittel des im deutschen Markt genutzten Erdgases aus westeuropäischen Quellen, so der Verband weiter. Norwegen lieferte 26 Prozent und die Niederlande 18 Prozent. 15 Prozent des Verbrauchs konnten aus heimischen Quellen gedeckt werden. Rund vier Prozent des Erdgases stellten Dänemark und Großbritannien. Russland hatte einen Anteil von 37 Prozent. Bei ungewöhnlich hoher Nachfrage, beispielsweise während einer länger als üblich anhaltenden Heizperiode, kommen nach Ansicht des BDEW insbesondere die Niederlande als Lieferant für zusätzliches Erdgas infrage. 

 
Zahlen & Fakten

Zum Seitenanfang
Strom aus Erneuerbaren legt weiter zu

Nach Berechnungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) waren erneuerbare Energien im ersten Halbjahr zu 15,0 (1. Hbj. 2007: 14,3) Prozent an der Brutto-Stromerzeugung in Deutschland beteiligt. Um der schwankenden Einspeisung aus Erneuerbaren gerecht zu werden, seien vor allem ein intelligentes Netzmanagement und der Ausbau sowie die Forschung an entsprechenden Speichertechnologien erforderlich, so der BDEW. Zudem müsse ein zukunftsfähiger Kraftwerkspark einerseits eine breite Palette von Technologien abbilden. Andererseits solle dieser Kraftwerkspark ein sinnvolles Spektrum von Anlagengrößen von dezentralen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen bis hin zu zentralen Großkraftwerken für die Grundlastversorgung beinhalten. Hinsichtlich der weiteren Entwicklung komme es nun darauf an, die Erneuerbaren in Deutschland und für den europäischen Markt fit zu machen. Entscheidend sei dabei eine effiziente und damit für den Stromverbraucher kostengünstige Lösung für die Marktintegration von Strom aus erneuerbaren Energien. 

 
Zahlen & Fakten

Zum Seitenanfang
Nachfragewachstum beim Öl nicht so stark wie befürchtet

Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass der Ölverbrauch in den OECD-Staaten im laufenden Jahr um 1,6 Prozent und im kommenden Jahr um weitere 1,1 Prozent sinken wird. Weltweit, so die Agentur, werde die Nachfrage weiter steigen, allerdings mit Zunahmen von 0,8 Prozent in 2008 und weiteren 1,0 Prozent in 2009 weniger stark als bisher angenommen. Hinter dieser Entwicklung steckt nach Ansicht der IEA unter anderem ein niedrigerer Verbrauch in den USA, der wiederum auf die hohen Ölpreise zurückzuführen sei. 

 
Literaturtipp

Zum Seitenanfang
D. Maxeiner, M. Miersch: Frohe Botschaften

Frohe Botschaft: Die Klimakatastrophe kommt doch nicht! Dirk Maxeiner und Michael Miersch, ehemalige Redakteure des Umweltmagazins Nature, loben Tempo-30-Zonen, Fußgängerampeln, die moderne Medizin und das frische Obst im Supermarkt. "Die Welt wird besser ... Alle großen Übel dieser Welt schrumpfen erfreulicherweise schon seit längerem." Die Autoren räumen gründlich auf mit dem drohenden Weltuntergang, auch mit der Klimakatastrophe: "Seit 2001 ist der Planet nicht wärmer geworden, die Temperaturen stagnieren auf hohem Niveau." Deshalb könnte auch diese Katastrophe in ferner Zukunft zu den doch nicht stattgefundenen Weltuntergängen zählen.

Nun sollte man nicht jedes Wort in dieser Sammlung von Kolumnen aus der "Welt" so ganz ernst nehmen. Ernst nehmen sollte man aber die in diesem herrlich politisch gegen den Stachel löckenden Bändchen vorgenommene Perspektivverschiebung. Vielleicht darf es doch etwas mehr Zukunftsoptimismus sein - denn nur, wer den hat, wird sich für eine Lösung der immer noch zahlreichen ungelösten Probleme ernsthaft engagieren!

208 Seiten
Berlin 2008
18,- Euro
ISBN 978-3-937989-39-6  

 
Kopf des Monats

Zum Seitenanfang
Prof. Dr. Ottmar Edenhofer

"Wir müssen nun benennen, was es kostet, den CO2-Gehalt der Atmosphäre auf einem niedrigen Niveau zu stabilisieren."

Prof. Ottmar Edenhofer wurde vom Intergovernmental Panel on Climate Chance (IPCC) zum Vorsitzenden der Arbeitsgruppe 3 "Vermeidung des Klimawandels" ernannt. Der Professor für die Ökonomie des Klimawandels an der Technischen Universität Berlin ist Chefökonom und stellvertretender Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Das IPCC muss aus Edenhofers Sicht vermehrt auf das Wissen der Wirtschaft zurückgreifen. Als Leiter der Arbeitsgruppe 3, neben Ramón Pichs Madruga aus Kuba und Youba Sokona aus Mali, will er in den kommenden Jahren Lösungsstrategien für die Klima- und Energieproblematik aufzeigen und dazu auch Unternehmen und Nicht-Regierungs-Organisationen in Expertenworkshops einladen, ihr Wissen in die Sachstands- und Sonderberichte des IPCC einfließen zu lassen. "Wir brauchen diese Expertise", so Edenhofers Überzeugung. Es sei nicht Aufgabe des IPCC, Politik zu ersetzen, sondern als ehrlicher Makler zwischen Wissenschaft und Gesellschaft das notwendige Wissen für vernünftige Entscheidungen bereitzustellen.


 
Wer macht was?

Zum Seitenanfang

Rudolf Schulten, derzeit noch Chef bei der MVV Energie AG in Mannheim, wird zum Beginn des kommenden Jahres im Vorstand der EnBW Energie Baden-Württemberg das Finanzressort übernehmen. Seit dem Wechsel des ehemaligen Finanzchefs Christian Holzherr zu einem Pharmagroßhändler führt Vorstandschef Hans-Peter Villis diesen EnBW-Vorstandsbereich in Personalunion.

Michaele Hustedt geht als Beraterin zu RWE. Die Ex-Bundestagsabgeordnete der Grünen und dezidierte Kernkraftgegnerin will das Essener Unternehmen beim Ausbau der Erneuerbaren unterstützen und übernimmt einen Sitz im Beirat von RWE Innogy, der Ökostrom-Tochter des Konzerns. 

 
Kommentar

Zum Seitenanfang
Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass

Das Klima muss geschützt werden, da sind sich alle einig. Die Bürger der EU sind laut Eurobarometer zu einem großen Anteil sogar bereit, mehr für ihren Strom zu bezahlen, wenn er aus umweltverträglichen Quellen stammt. Keine schlechten Voraussetzungen also für die Umsetzung verschiedenster Technologien. An erster Stelle steht natürlich die Nutzung erneuerbarer Energien. Die ist - abgesehen von der Produktion der Anlagen, dem Transport zu den Standorten und der Errichtung - CO2-frei.

Doch selbst bei einem mittelfristig angestrebten 30-Prozent-Anteil an der Stromversorgung bleiben noch immer 70 Prozent, die auch irgendwie erzeugt werden müssen. Mit Carbon Capture and Storage (CCS) - zu deutsch Abspaltung, Transport und Speicherung von CO2 - ist nach Einschätzung vieler Experten beides möglich: Stromerzeugung mit Stein- und Braunkohle und Vermeidung von CO2-Emissionen.

Beispiele wie die Inbetriebnahme der Pilotanlage von Vattenfall in Spremberg und die Entscheidung von RWE, am Standort Hürth ein 450-Megawatt-Braunkohlekraftwerk mit integrierter Kohlevergasung, Abtrennung, Transport und Speicherung von CO2 bauen zu wollen, machen Hoffnung für die Zukunft. Weniger hoffnungsfroh stimmt die Nachricht, dass sich der Widerstand gegen den Bau der CO2-Pipeline und auch gegen die Speicherung schon formiert. Dabei ist die CO2-Speicherung in den Niederlanden und in Norwegen schon heute Stand der Technik. Und mit ihrem geplanten Ausbau des CO2-Leitungsnetzes haben unsere niederländischen Nachbarn offensichtlich auch keine Probleme. Nur hierzulande geht erst einmal nichts. Wenn dann doch etwas geht, sind alle anderen zwei Schritte weiter und bieten uns die Speicherung als Dienstleistung an - gegen Gebühr, versteht sich.

Rolf Sweekhorst 

Â